Das Ende einer Ära

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 31. Mai 2020

Oberliga BaWü

Ihr Abschied vom Freiburger FC steht bevor: Fabian Sutter, Marco und Kevin Senftleber.

Fabian Sutter, Marco und Kevin Senfleber haben beim Fußball-Oberligisten Freiburger FC eine Ära geprägt. Inmitten der Corona-bedingten Saisonunterbrechung hat das Trio seinen Abgang zum Saisonende verkündet. In Zukunft starten die langjährigen Leistungsträger bei Landesligist VfR Hausen. Annäherung an drei besondere Kicker.

Manchmal können einen die schönsten Dinge unerwartet unangenehm und ungewöhnlich lange begleiten. Was waren das für Gefühlsausschläge, die der Freiburger FC, damaliger Verbandsligist, im sengend heißen Relegationssommer 2017 durchleben musste. Nach starker Runde hatte sich der Oberligaabsteiger in der Verbandsliga bis auf den zweiten Rang vorgeschoben, die erste Hürde der Relegation locker genommen und auch das Hinspiel der finalen Relegationsrunde gegen die TSG Backnang 3:2 für sich entschieden. Da aber die Relegationstermine erst kurzfristig anberaumt waren, biss sich ausgerechnet das alles entscheidende Heimspiel am darauffolgenden Wochenende mit dem Termin der Hochzeit von Goalgetter und Leistungsträger Marco Senftleber.

"Samstags war die Hochzeit, sonntags das Relegationsspiel", erinnert sich der 32-jährige Stürmer und Tierpfleger drei Jahre später. Und da man sich an der eigenen Hochzeit nun mal schlecht zurücknehmen kann, waren die Vorzeichen für den Folgetag nicht gut. Zumal Kapitän Fabian Sutter als Senftlebers Trauzeuge fungierte und Bräutigam-Bruder sowie FFC-Abwehrchef Kevin auf der Feier ebenfalls seinen Mann stehen musste.

Am Tag nach der Hochzeit ging der FFC im eigenen Dietenbach-Sportpark 1:4 unter. Der Traum vom Aufstieg: futsch. "Und das haben wir uns immer wieder anhören müssen", sagt Sutter heute schmunzelnd.

Der Post-Hochzeit-Rückschlag war gleichzeitig der Beginn des größten Husarenstücks des FFC-Trios. Auch im Folgejahr scheiterten die Rotjacken im letzten Relegationsspiel gegen den TSV Ilshofen nach Verlängerung und aufgrund eines Doppelschlags der Nordwürttemberger in der letzten Minute. "Das war die schwerste Stunde überhaupt", findet Senftleber. Doch durch das doppelte Scheitern wurde der Erfolg beim dritten Anlauf umso größer. "Der Druck letzten Sommer in der Relegation gegen den FSV Hollenbach war unglaublich groß", sagt der Stürmer. Am Ende aber siegte der einstige deutsche Meister im letzten Juni gegen die Württemberger souverän und kehrte nach drei Jahren Verbands- wieder in die Oberliga zurück.

Dreifacher Relegationsrun als Höhepunkt

Der dreifache Relegationsrun des FFC bildet den Höhepunkt der mehrjährigen Geschichte des eng befreundeten Kickertrios am Dietenbachpark. "Sie haben hier eine Ära geprägt", sagt Trainer Joshua Moser-Fendel. Sie wird im Sommer enden. Wie, ist noch offen. Ob die Oberliga-Saison fortgesetzt oder endgültig abgebrochen wird, entscheidet sich erst Ende Juni.

Fest steht: Die Senftlebers und Fabian Sutter spielen kommende Runde für den VfR Hausen in der Landesliga. Für Sutter und Marco Senftleber ist es eine Rückkehr in die Vergangenheit. Sie kehren zu ihrem Ex-Verein zurück – da wo sie gemeinsam groß geworden sind.

Der bullige Mittelfeld-Dauerbrenner Sutter kam 2013 mit dem hageren Stürmer-Arbeiter Senftleber zum Traditionsverein. Direkt im Premierenjahr gelang der Oberliga-Aufstieg. Nach zwei Jahren in der fünfthöchsten Spielklasse dann der Abstieg und im Anschluss der dreimalige Wiederaufstiegsversuch.

Sie gehen nicht unvollendeter Dinge. Sutter hat 172 Spiele für die Rotjacken absolviert und dabei 45 Tore erzielt. Marco kam auf 180 Partien. Und spektakuläre 123 Treffer. Abwehrrecke Senftleber indes gilt seit Jahren als einer der talentiertesten Innenverteidiger der Region. "Er ist der beste Fußballer, den ich kenne", sagt sein Bruder.

Mit ihrem Abgang endet im Dietenbachpark eine langjährige Erfolgsperiode. Nachdem vergangenen Herbst bereits Zampano Ralf Eckert seine Demission bekannt gegeben und zur Winterpause auch Mike Enderle seinen Abschied verkündet hatte, kehrt in den drei Ausnahmekickern gewissermaßen der letzte Rest der großen FFC-Generation des letzten Jahrzehnts den Rotjacken den Rücken.