Robert Habeck

Das er enttäuscht war, ist verständlich

Gerhard Stelzer

Von Gerhard Stelzer (Teningen)

Mo, 06. September 2021

Leserbriefe

Zu: "Schlechte Verlierer", Beitrag von Katja Bauer (Kommentar & Analyse, 25. August)

Habeck in Sachen "schlechte Verlierer" mit Söder gleichzusetzen, entspricht nicht der vermittelten Wahrnehmung seriöser Medien. Dass Habeck enttäuscht war, ist verständlich. Eine junge Frau gegen zwei ältere Männer aufzustellen, ist so schlecht ja nicht. Aber es geht um das wichtigste Staatsamt. Und spätestens Corona hat gezeigt, dass der Staat in und nach der ersten Regierungsphase einer Frau nicht besonders gut dasteht. Und in der Welt wabern die Krisen. Da ist es geradezu verwegen, eine Person ins Rennen zu schicken, die noch nicht 40 ist. Die keinerlei Regierungserfahrung hat. Deren Stimme wenig Besonnenheit und Zuversicht ausstrahlt. Das behagt vielen Deutschen mindestens im Unterbewusstsein nicht. Die Baerbock-Fehler besorgten den Rest. Sie hätte diese nicht nur zugeben, sondern auch korrigieren müssen – per Verzicht.

Die strategisch chronisch schwachen Grünen hätten – bei der Konkurrenz – beste Chancen auf das Kanzleramt gehabt. Habecks Frust-Reaktion war ehrlich, offen und relativ zurückhaltend. Er hat eingeräumt, dass Fehler gemacht wurden. Es ist ihm allerdings anzumerken, dass er vom Gelingen nicht überzeugt ist. Ein Schaulaufen ist das nicht. Söder glaubte, er könne auf einer vagen Populismuswelle ins Kanzleramt schwimmen. Er musste aber damit rechnen, dass die CDU-Granden das verhindern würden. Zumal auch bei ihm nicht alles Gold ist, was glänzt. Jetzt benimmt er sich flegelhaft. Und schadet damit der Union und sich selbst. Das ist der Unterschied zu Habeck. Gerhard Stelzer, Teningen