Coronakrise

Das Gastgewerbe westlich von Freiburg steht auf Sparflamme

Manfred Frietsch, Mario Schöneberg

Von Manfred Frietsch & Mario Schöneberg

Mi, 18. März 2020 um 19:30 Uhr

Bötzingen

Wirte und Hoteliers haben nur noch wenige Gäste, manche wie der Heuboden in Umkirch schließen wegen der Coronapandemie ganz. In der Bötzinger Krone denkt man über einen Lieferservice nach.

Die Hotels und Gaststätten trifft das Coronavirus hart. Während die Betreiber der erst am Montag wieder eröffneten "Krone" in Bötzingen durchhalten wollen, macht das Gasthaus Sonne vorerst zu. In Umkirch hat der "Heuboden" mit seinen drei Hotels und 120 Zimmern, den Diskotheken, Bars und dem Restaurant komplett geschlossen, die festangestellten Mitarbeiter gehen in Kurzarbeit. Auch in Jauch’s Löwen in March könnte Kurzarbeit zum Thema werden.

Hotels haben nur noch vereinzelte Übernachtungsgaste

Eigentlich seien die schon renovierten Zimmer alle ausgebucht gewesen, sagt René Ullerich, der gemeinsam mit seiner Frau Franziska die Bötzinger "Krone" seit Anfang Februar führt. Doch nun kommen die Stornierungen herein, aktuell habe das Haus noch einen Übernachtungsgast, berichtet Ullerich am Dienstagabend. Zehn Gäste haben sich ins Restaurant verirrt. "Von denen wissen wir die Namen, sie hatten reserviert." Zudem habe man schon den Abstand zwischen den Tischen vergrößert. Ab sofort werden die Namen der Gäste, die ins Lokal kommen, notiert. Die Familie Ullerich überlegt, ob sie einen Lieferservice für Bötzingen anbieten will. Hierfür seien aber zusätzliche Investitionen notwendig.

"Im Hotel wohnt noch ein Arbeiter, es kommen keine Touristen mehr, also machen wir komplett zu, ich denke das hat auch mit Vernunft zu tun." Udo Baumann, Sonne Bötzingen

Sein Lokal, die "Sonne" in der Bötzinger Hauptstraße, hat Udo Baumann am Dienstag schon gar nicht mehr aufgemacht. "Im Hotel wohnt noch ein Arbeiter, es kommen keine Touristen mehr, also machen wir komplett zu, ich denke das hat auch mit Vernunft zu tun." Baumann weiß von vielen Kollegen, die genau so handeln. "Wir versorgen die noch vorhandenen Lebensmittel und fahren die Geräte und Kühlschränke runter, auch um Strom zu sparen", sagt er. Ein Lieferservice ist für Baumann hingegen keine Option. Er macht sich aber generell Sorgen um seine Branche. Schon vor Corona hätten viele Landgasthöfe mit hohen Steuern und Abgaben, starken finanziellen Belastungen und einer ausufernden Bürokratie zu kämpfen gehabt oder keinen Nachfolger für ihren Betrieb gefunden. Baumann befürchtet, dass viele Betriebe die Krise nicht überstehen werden.

Die Diskotheken des Heuboden in Umkirch sind geschlossen

"Schlimmer kann es kaum noch kommen", sagt Gerd Blum, Inhaber des "Heubodens" in Umkirch. Er schickt alle 40 festangestellten Mitarbeiter in Kurzarbeit. Anfangs sei für ihn nicht klar gewesen, was noch erlaubt sei und was nicht mehr, sagt Blum. So habe man sich am Freitag um 20 Uhr entschieden, die drei Diskotheken zu schließen. Das Restaurant folgte am Dienstagabend, der Nachmittag wurde fürs Großreinemachen genutzt. Das gegenüberliegende Gästehaus ist ebenfalls leer, das neue Heu-Loft schon seit einigen Tagen geschlossen.

Das Landhaus-Hotel bleibe bis zum Wochenende offen, bis dahin seien noch einige Geschäftsleute da. "Doch ich denke, danach schließen wir auch dort, es gibt nur noch wenige nicht stornierte Buchungen", sagt Gerd Blum. Ähnliches erwartet er für das benachbarte Hotel Heuboden. Aber auch viele Tagungen und Feiern seien für die kommenden Wochen und Monate schon storniert worden, viele Reisegruppen hätten ihre Besuche abgesagt. Mit den Folgen werde auch der "Heuboden" lange zu kämpfen haben. "Ich freue mich aber, dass unser Personal so gut mitzieht und Verständnis für die Schließung zeigt. Auch mit der Bank habe ich schon gesprochen, schließlich haben wir in den zurückliegenden Jahren viel investiert und müssen entsprechend hohe Schulden abbezahlen." Schade findet Blum die Schließung für seine treuen Gäste, auch für die rund 150 Aushilfen. Eine Restaurant-Öffnung für maximal 25 Gäste, wie es in Umkirch nur noch erlaubt sei, lohne sich für den "Heuboden" nicht. "Die Krise dauert bestimmt noch zwei Monate, ich glaube nicht, dass das Problem in China schon gelöst ist. Aber niemand hier kann wissen, was dort hinter den Kulissen passiert."

Jauch’s Löwen in Neuershausen will alle Mitarbeiter halten

Neun feste Mitarbeiter und etwa ebenso viele Aushilfskräfte zählt Jauch’s Löwen in Neuershausen. "Wir wollen sie alle halten", erklärt Juniorchef Oliver Jauch. Er hat vorsorglich schon Unterlagen angefordert um bei Bedarf Kurzarbeit anmelden zu können. Das nach dem Ruhetagen Mittwoch und Donnerstag in den zwei großen Speiseräumen und der Gartenwirtschaft wieder viel Betrieb herrschen könnte, daran vermag Jauch kaum zu glauben. Gebuchte Tische wurden reihenweise abgesagt, ebenso sieht es im Catering aus. "Bestellungen für Geburtstage oder Hochzeiten, auch unser Catering bei den Heimspielen des SC Freiburg, das bricht alles weg", zieht Jauch Bilanz. Nicht besser sieht es im Hotelbereich aus. Touristen bleiben schon seit Tagen aus. Aber auch Geschäftsreisende sind kaum noch gekommen. Für Jauch stellt sich die Frage, wie er den Betrieb ab Freitag ausrichten soll. Für den "Löwen" ist besonders das Abendgeschäft in der Gastronomie wichtig. Darum ist Oliver Jauch mit der Regelung, das Speiselokale nur zwischen 6 und 18 Uhr öffnen dürfen, nicht zufrieden. "Man könnte doch auch einen Zeitraum von 15 bis 21 Uhr zulassen, dies würde vielen Gastronomen helfen." Er will nun aber für die Mittagszeit anbieten, dass Essen bestellt und abgeholt werden könne. Ähnliches plant der "Löwen" in Holzhausen.

Keine Frage ist für die Wirte, dass sie die Abstandsgebote von mindestens eineinhalb Metern zwischen den Tischen und die Obergrenze von 50 Personen einhalten wie die Auflage, dass man die Namen der Gäste dokumentiert.

Eigentlich sollte bald die Straußensaison starten, so auch bei Esther und Thomas Schaffner in der Bötzinger Löwen-Strauße. Doch sie haben sich entschieden, die Frühjahrssaison abzusagen. Im Herbst dann hoffen sie auf bessere Zeiten.

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