Sprachkritik

Das generische Maskulinum als Lippenbekenntnis

Vero Hummel

Von Vero Hummel (Hohberg)

Sa, 27. Juni 2020

Leserbriefe

Zu: "Womit haben sie das verdient?", Beitrag von Michael Saurer (Wirtschaft, 22. Juni)
Die Vorstellung des generischen Maskulinums, dass Frauen und Nicht-Binäre-Personen einfach mitgemeint sind, ihre Pronomen und Identitäten in der Sprache unsichtbar gemacht werden, überzeugt mich nur wenig. Denn Sprache schafft Realität und bezeichnet die Grenze des sich Vorstellbaren. Und die Grenzen des Vorstellbaren bei Herrn Saurer lagen wohl darin, dass es sehr wohl Kassierer und Beschäftigte in der Krankenpflege, mit dem Pronomen "er", gibt.

Dies entlarvt die Vorstellung des generischen Maskulinums als Lippenbekenntnis und trägt zur Kontinuität sexistischer Stereotype auf dem Arbeitsmarkt bei.

Vero Hummel, Hohberg