Das große Rad der Leere

Bernhard Bartsch

Von Bernhard Bartsch

Mo, 20. Juli 2009

Ausland

Vor zehn Jahren begann Chinas Kommunistische Partei mit der Verfolgung von Falun Gong

Kürzlich klopfte bei Frau Li wieder das Nachbarschaftskomitee. Vor der Tür standen drei Männer mit roten Armbinden, die höflich fragten, ob die Familie schon gegessen habe, um dann nach kurzem Geplauder auf ihr eigentliches Anliegen zu kommen. Man mache sich an höherer Stelle ein wenig Sorgen, sagten sie, wegen dieser Sache, sie verstehe schon.

"Ach, deswegen", entgegnete Frau Li mit gespielter Überraschung. "Nein, deswegen muss niemand beunruhigt sein, wo wir uns doch schon so lange kennen." Sie erinnerte damit an die mehr als 30 Jahre, die sie in dieser Pekinger Wohnanlage lebt, aber auch an die kleinen Umschläge, die sie dem Nachbarschaftskomitee gelegentlich vorbeibringt. "Stimmt, wir kennen uns wirklich schon lange", beteuerten die Herren und versicherten Frau Li, dass sie nur nach dem Rechten hatten schauen wollen. Ob man nicht wieder einmal gemeinsam essen wolle, fragten sie im Hinausgehen. "Gerne", antwortete Frau Li freundlich. Auch diesmal würde die Rechnung auf sie gehen.

So geht das seit dem 20. Juli 1999, jenem Tag, an dem Chinas Regierung Menschen wie Frau Li zu ...

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