"Das ist halt so ein Schlurbi-Ding"

Malte Westphal, Klasse 4, Brunwart-von-Augheim-Grundschule

Von Malte Westphal, Klasse 4, Brunwart-von-Augheim-Grundschule (Auggen)

Fr, 27. März 2020

Zisch-Texte

ZISCH-INTERVIEW mit Timo Spittler und Jürgen Gugelmeier von der Auggener Narrenzunft Rebchnure .

Ich, Zisch-Reporter Malte Westphal aus der Klasse 4 der Brunwart-von-Augheim-Grundschule in Auggen, bin dank meines Vaters, der Mitglied der Zunft Rebchnure ist, seit meiner Geburt auch Mitglied des Vereins und nehme seit meinem zweiten Lebensjahr mit ihm an Fasnachtsumzügen teil. Heute möchte ich euch meinen Verein vorstellen und habe dazu den ersten Vorstand Timo Spittler sowie Ehrenoberchnure Jürgen Gugelmeier interviewt.

Zisch: Wann und wie sind die Rebchnure genau entstanden?
Spittler: Das Gründungsjahr ist 1989. Ganz genau entstand die Clique in der Nacht vom 16. auf den 17. Februar. Man sagt: Da sin fünf Stuck in Gugelmeiers Chuchi g’hockt,… Die genaue Entstehungsgeschichte kann man auf der Homepage der Auggener Rebchnure nachlesen.
Zisch: Was ist das Besondere am Häs?
Spittler: Das gesamte Häs ist bedeckt mit grünen und braunen Filzfleckle in Form von Rebblättern. Dazu passend gehören eine Maske mit Umhang und ein Rebchnure mit Glöckchen, der Schellenstock. Auf der Brust befindet sich ein rotes Rebblatt mit kleinen Glöckchen ringsum. Das Häs ist sehr schön und passend für den Weinort Auggen.
Gugelmeier: Das Weinblatt auf der Brust ist rot, damit es sich von den anderen abhebt. Es gibt ja auch rote Wiiblätter.
Zisch: Was zeichnet die Maske aus und sieht jede Maske gleich aus?
Spittler: Jede Maske wird in Elzach von Hand aus Holz geschnitzt. Alle haben ein freundliches Aussehen. Alle Masken haben die Traube auf der linken Seite und tragen auf der Stirne Rebblätter. Anders die Maske des Oberchnure. Sie gibt es nur einmal. Sie trägt die Drübel (Traube, d. Red.) auf der rechten Seite. Auf der Stirn befindet sich ein großer Rebstamm, Chnure genannt.
Gugelmeier: Die Maske des Oberchnure ist einzigartig und wird von Oberchnure zu Oberchnure weitergegeben. (Die Maske ist auf einem Bild auf Seite 15 zu sehen, d. Red.)
Zisch: Warum tragen die Rebchnure Strohschuhe?
Spittler: Das ist eine gute Frage! Wahrscheinlich lag das damals im Trend?!
Gugelmeier: Das ist echt eine gute Frage! Das ist halt so ein Schlurbi-Ding. Ursprünglich waren das ja Hausschuhe, deshalb sind die Strohschuhe sehr bequem und auch originell. Eigentlich sind sie für außen eher ungeeignet, aber eben sehr bequem und passend zum Häs.
Zisch: Wird das Häs selbst angefertigt, und was sind die Arbeitsschritte?
Spittler: Ja zum Teil. Die einzelnen Fleckle werden mit Hilfe einer Schablone auf Filzbahnen aufgezeichnet und von Hand mit der Schere ausgeschnitten. Aufgenäht werden sie dann aber von einer professionellen Schneiderin. Die Hose ist eine grüne Schaffhose, das Oberteil wird nach Maß angefertigt.
Zisch: Wie wird man zum Rebchnure? Was ist das Aufnahmeritual?
Spittler: Ganz neue Anwärter haben ein Probejahr, in dem sie nur im Pulli dabei sind und noch kein eigenes Häs besitzen. Dies ist zum Kennenlernen gedacht, bevor sie dann durch ein Ritual fest aufgenommen werden, denn so ein Häs ist nicht ganz billig. Aber auch Chnure die von Kindheit an dabei sind und schon ein Häs besitzen, durchlaufen später das Aufnahmeritual. Das Hauptritual ist Folgendes: Am 11.11. muss der Anwärter einen Eimer Drübel günne (Trauben pflücken, d. Red.), der voll sein muss. Anschließend werden die Drübel, also die Trauben, mit den nackten Füßen gestampft. Von dem dadurch erhaltene Saft muss mindestens ein Schoppenglas voll getrunken werden.
Zisch: Wie viele aktive und passive Mitglieder gibt es aktuell?
Spittler: Wir sind aktuell 31 aktive und rund 100 passive Mitglieder.
Zisch: Was sind eure Aktivitäten in und außerhalb der Fasnachtszeit?
Spittler: In der Fasnachtszeit nehmen wir an verschiedenen Umzügen und an unterschiedlichen Narrentreffen teil. Wir selbst richten jedes Jahr ein großes Narrentreffen in Auggen aus. Außerhalb der Fasnachtszeit gibt es einen Pfingstausflug mit zwei Übernachtungen, der alle zwei Jahre stattfindet. Wechselnd finden in den Jahren dazwischen noch andere Aktivitäten statt, zum Beispiel ein Sommerfest, ein Oktoberfest und so weiter. Dies geschieht dann mit einigen Helfern zusammen. Jedes Jahr findet auch ein gemeinsames Neujahrsessen statt.
Zisch: Wie kam es zu der Idee, für Fasnachtsumzüge als Fahrzeug eine Fräse zu benutzen?
Gugelmeier: Wir haben damals ein Fahrzeug gesucht, dass zur Zunft und zu den Reben passt, und sind so auf die Fräse gestoßen. Die Rebchnure waren die ersten im Ländle, die mit einer Fräse auf den Umzügen unterwegs waren.
Zisch: Wie wird man zum Ehrenchnure?
Gugelmeier: Ausscheidende Vorstandsmitglieder haben die Möglichkeit, zum Ehrenchnure zu werden, zum Beispiel zum Ehrenoberchnure, zum Ehrenschriftführer und so weiter. Das wird in der Mitgliederversammlung gemeinsam entschieden. Die Rebchnure haben keine Ehrenordnung, das heißt, jedes ausscheidende Vorstandsmitglied kann unabhängig davon, wie lange es im Amt war, Ehrenchnure werden.