Das Jahr der Senioren

Rolf Reißmann

Von Rolf Reißmann

Fr, 29. November 2019

Grenzach-Wyhlen

Umfrage, Seniorenrat und Mehrgenerationenhaus: Die Altersgruppe Ü-60 hat sich 2019 mit vielfältigen Themen beschäftigt.

GRENZACH-WYHLEN. "Wer alt werden will, muss früh damit anfangen." Mit diesem Motto setzte Seniorenbeauftragte Ilona Fritz-Schild am Mittwochvormittag vor rund 50 Senioren den optimistischen Akzent für die weitere Entwicklung der Seniorenarbeit in der Gemeinde – die Ergebnisse sind jetzt schon beachtlich.

Gut ein Jahr lang dauerte der Prozess für die Findung von Schwerpunkten. Ein erster runder Tisch mit wenigen Partnern trug Ideen zusammen. Dann wandte sich die Gemeindeverwaltung mit einer Umfrage an alle Einwohner über 60 Jahre. Damit sollten vor allem Bedürfnisse und Wünsche zusammengetragen werden. Einwänden dagegen, man wisse doch schon alles, stellte die Seniorenbeauftragte schon damals etliche Defizite entgegen. Zwar wisse man seit langem, in welcher Weise unmittelbare Pflege und Alltagshilfe benötigt werden, doch über den Bedarf um das Wohlbefinden und die Selbständigkeit im Alter zu steigern, gab es doch nicht so viele Kenntnisse. Gerade dies mache in den frühen Renterjahren Lebensqualität aus und trage erheblich dazu bei, die Altersjahre mit ihren Einschränkungen vorzubereiten.

Die Befragung wurde überwiegend positiv aufgenommen und brachte eine Fülle von Ideen und Anregungen. Einige Einwohner, gerade mit Anfang 60, waren auch empört, als Senioren eingestuft zu werden, wie Fritz-Schild erinnerte und was die Senioren am Mittwoch zum Schmunzeln brachte. "Doch gerade die umsichtige und rechtzeitige Einstellung auf die Lebenszeit nach dem Arbeitsprozess ist wichtig, um nicht von den häufig eintretenden Beschränkungen überrascht zu werden", sagte Fritz-Schild. "Alle sollen ihren Möglichkeiten entsprechende Betätigungsfelder finden, um damit auch in das gesellschaftliche Leben eingebunden zu werden." In ihrer Präsentation – es war die gleiche, die sie bereits am Abend zuvor im Gemeinderat vorstellte – nannte sie etliche Beispiele. So kam die erste Informationsfahrt mit dem Bürgermeister hervorragend an, dazu meldeten sich mehr Teilnehmer als Plätze im Omnibus waren. Interessiert an Veränderungen im Ort sind viele, doch gelangen eben etliche nicht mehr selbständig dorthin. Diese Fahrt, warf Bürgermeister Tobias Benz ein, werde bald wiederholt.

Er hatte in seiner Begrüßung auf die Erweiterung des bestehenden Netzwerkes hingewiesen. "Die Zahl der Partner, die sich heute beteiligen, ist enorm angestiegen. Wir haben in den letzten Monaten für anspruchsvolle Seniorenarbeit viele neue Mitstreiter gewonnen und finden sicherlich noch viele mehr." Auch die Begegnung am Mittwoch sollte keineswegs Abschluss, sondern weiterer Impuls sein. Ein drängendes Problem ist die schwierige Raumsuche, für große, aber auch etliche kleine Veranstaltungen. "Viele Räume sind nicht barrierefrei", erklärte Fritz-Schild.

So wurde in diesem Jahr die Idee untersucht, das Jugendhaus Wyhlen zum Mehrgenerationenhaus zu gestalten. Dazu besuchten Ilona Fritz-Schild und einige Gemeinderäte ein solches Haus in Markdorf. Mit etlichen Anregungen seien sie von dort zurückgekommen. Bewährtes und schon lange Etabliertes gelte es umzugestalten, meinte Fritz-Schild, eben weil sich Bedingungen geändert haben mit anderen Lebenssituationen. Auch der Begriff "junge Alte" fiel, damit erfordere Seniorenarbeit eben auch mehr Vielfalt. Etliches, was im Ideenjahr begann, sollte weitergeführt werden. Dazu gehören das Jass-Turnier, die Boule-Spiele, das "Mitenand esse" und die Sonntagsfahrer. Auch langjährige Partner wie die Arbeiterwohlfahrt, die Sozialstation, die Freiwilligenagentur und die beiden Seniorenheime bringen sich weiter ein. So diente die Begegnung am Mittwoch einerseits als Forum für eine Bilanz, aber auch als Start für neue Möglichkeiten.

Im wahrsten Sinne des Wortes greifbares Ergebnis des einjährigen Findungsprozesses ist der neue Seniorenwegweiser. In dieser handlichen Broschüre sind wichtige Informationen zu Aktivität, Wohnen, Gesundheit und Pflege enthalten. Diese Broschüre ist ab sofort in den Rathäusern erhältlich.