Das Lauern auf den besten Brutplatz

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Von dpa

Mo, 04. November 2019

Südwest

Warum manche Zugvögel schon unterwegs sind – und manche lieber mittlerweile hierbleiben.

WANGEN IM ALLGÄU (dpa). Trotz des ungewöhnlich warmen Wetters im Oktober haben sich die meisten Zugvögel bereits auf den Weg in ihre Winterquartiere gemacht. Wann die Tiere aufbrechen, wird nicht durch sinkende Temperaturen ausgelöst, sondern durch den Tag-Nacht-Wechsel, wie Georg Heine vom Naturschutzbund Wangen im Allgäu sagte.

Als erste Zugvögel hätten schon im August die Mauersegler den Süden Deutschlands verlassen. Ungewöhnlich in diesem Jahr war nach Angaben des Experten die große Zahl von Eichelhähern, die in den vergangenen zwei Wochen über Baden-Württemberg hinwegzogen. Man habe täglich mehrere Tausend Tiere beobachten können, die auf ihrer Reise in den Süden Frankreichs Zwischenstation in Deutschland machten. So eine Invasion von Eichelhähern komme nur alle paar Jahre vor, sagte der Vogelexperte. Die Gründe dafür seien unklar.

Seit einigen Jahren zögen auch Kraniche über Baden-Württemberg. Ursprünglich hätten die Kraniche auf ihrem Weg nach Frankreich und Spanien nur den Norden Deutschlands überquert, sagte Heine. In den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren habe sich die Kranichpopulation aber so vergrößert, dass einige Tiere auch im Süden zu sehen seien.

Immer mehr Kraniche und Störche seien auch im Winter hierzulande anzutreffen. Das liege aber nicht an höheren Temperaturen. Aufgrund der größeren Populationen fielen Überwinterer nur vermehrt auf. Die Vorteile für die Vögel, in Deutschland zu bleiben, lägen auf der Hand: Wer hier überwintere, könne sich im Frühjahr die besten Brutplätze sichern, erklärte Heine. Wenn das Nahrungsangebot hierzulande doch zu knapp werde, weil die Temperaturen zu stark sinken und die Böden frieren, könnten Kraniche und Störche schnell wärmere Gefilde erreichen. An einem Tag könnten sie etwa 500 Kilometer zurücklegen.

Auch viele Silberreiher blieben inzwischen im Land. Vor 20 Jahren habe man diese Vogelart im Winter hier nicht gesehen, sagte Heine. In Baden-Württemberg gebe es mittlerweile Tausende Tiere.