Das Leben ist unser höchstes Grundrecht

Christoph Lötsch

Von Christoph Lötsch (Offenburg)

Mo, 11. Januar 2021

Leserbriefe

Zu: "Soll es Privilegien für Geimpfte geben?", Pro und Contra von Thomas Steiner und Frank Zimmermann (Kommentar & Analyse, 29. Dezember)

Menschen, die sich impfen lassen, beanspruchen keine "Privilegien", denn sie gehören zu der verantwortungsbewussten, solidarischen und (bisher) schweigsamen Mehrheit. Sie nehmen klaglos vorübergehend private Einschränkungen in Kauf, um die Pandemie zu bekämpfen. Und dies im Interesse aller – also auch der verantwortungs- und rücksichtslosen Schreihälse. Es ist kein Privileg, nicht krank werden zu wollen. Es ist kein Privileg, sich nicht von irgendeinem Rüpel oder, wie es neuerdings heißt, Corona- oder Impfskeptiker in einem Flugzeug, in der Schule oder im Supermarkt anstecken lassen zu wollen. Es ist kein Privileg, die zehntausendfachen Todesqualen, die Sarg-Stapel in Sachsen und anderswo zu beklagen.

Das Leben ist kein Privileg, sondern unser höchstes Grundrecht. Man kann nur hoffen, dass sich die 80 Prozent Verantwortungsbewussten für die anstehenden Wahlen gut merken, aus welcher Ecke ihnen "Privilegien" unterstellt werden, wer sie moralisch zum Abschuss freigibt. Dann könnten aus großen Parteien im Handumdrehen kleine Parteien werden. Und aus kleinen Parteien noch kleinere. Christoph Lötsch, Offenburg