"Schiibi, schiibo"

Das Scheibenschlagen fällt in diesem Jahr im Markgräflerland aus

Volker Münch

Von Volker Münch

Fr, 19. Februar 2021 um 17:25 Uhr

Müllheim

Das traditionelle Scheibenschlagen fällt dieses Jahr in den Gemeinden im Markgräflerland wegen der Pandemie aus. Obwohl der Brauch im Freien stattfindet, wäre er ein Verstoß gegen die Regeln.

"Schiibi, schiibo, wem soll die Schiibe go?" – Diesen traditionellen Spruch schicken viele Scheibenschläger ins Tal, wenn sie die glühende Scheiben mit Schwung über den Schlagbock in den nächtlichen Himmel schießen. In diesem Jahr ist aber auch im Markgräflerland alles anders: In den Gemeinden sind die Scheibenfeuer pandemiebedingt abgesagt.

Scheibenfeuer, so sagen es manche, finden doch im Freien statt. Warum also sollen die Veranstaltungen abgesagt werden? Die Scheibenfeuer seien ebenfalls als Veranstaltungen zu werten und widersprechen deshalb der geltenden Corona-Verordnung, sagt Müllheims Hauptdezernent Dominik Fröhlin. "Die Gemeinden haben auch eine Verantwortung der Raumschaft gegenüber. Da darf es keine Alleingänge geben", ergänzt er.

Und so verzichten die Organisatoren der Scheibenfeuer in Müllheim und in den Ortsteilen auf das Ausrichten der Scheibenfeuer. Das berichtet Thomas Detterbeck, der zusammen mit Freunden und Mitgliedern der Bürgerinitiative Generationen Netz seit wenigen Jahren die Müllheimer Traditionsveranstaltung am Leben erhält. In den Ortsteilen sind es meist die Feuerwehren und Vereine, die den alten Fasnachtsbrauch weiterführen.

Verstoß gegen die geltende Corona-Verordnung

Auch der Hauptamtsleiter in Badenweiler, Florian Renkert, sieht keinen Entscheidungsspielraum, überhaupt über eine Genehmigung nachzudenken.

Ebenfalls aufs Scheibenschlagen verzichten werden die Menschen in Buggingen, Seefelden und in Betberg. Dort finden wegen der Corona-Pandemie ebenfalls keine entsprechenden Veranstaltungen statt, wie Gemeinderat Kai Pfefferle auf Nachfrage mitteilt. Er gehört zu den Organisatoren, die sich Jahr für Jahr um die alte Fasnachtstradition kümmern. Schon vor Wochen hatte Sulzburgs Bürgermeister Dirk Blens in einer Sitzung des Gemeinderates bekanntgegeben, dass in keinem der Ortsteile ein Scheibenfeuer stattfinden werde.

Auch in Heitersheim wird es wohl keine Scheibenfeuer geben, Hauptamtsleiterin Sybille Maas wies darauf hin, dass sich bei einer solchen Veranstaltung in jedem Fall eine Menschenansammlung bilden würde. Und das wäre ein eindeutiger Verstoß gegen die geltende Corona-Verordnung. Für sie zählt die traditionelle Bauernfasnacht, zu der das Scheibenschlagen gehört, zu den Fasnachtsveranstaltungen, die ohnehin abgesagt werden mussten.

Keine Sorgen vor wilden Scheibenfeuern

In Auggen und Hach gäbe es zwei Scheibenfeuer, die für dieses Jahr bereits vor Weihnachten abgesagt wurden, wie Hauptamtsleiter Dirk Ehret mitteilt. Auch in Neuenburg wird es kein Scheibenfeuer geben.

Bleibt noch die Möglichkeit, dass nicht angemeldete Feuer entstehen könnten. Doch da macht sich der Leiter des Müllheimer Polizeireviers, Polizeioberrat Thomas Müller, angesichts der bisherigen Erfahrungen zum Thema Fasnacht keine allzu großen Sorgen: "Die Menschen in unserem Reviergebiet waren sehr vernünftig und haben sich bisher an alle Auflagen gehalten. Wir rechnen nicht unbedingt mit Problemen durch wilde Scheibenfeuer." Weil mögliche Feuer und glühende Scheiben schnell entdeckt würden, könnte die Polizei zudem rasch handeln, die gesichteten Plätze anfahren, die entsprechenden Personalien aufnehmen und eine Anzeige prüfen.