Geschlechter

Das spricht mir aus der Seele

Heike Bund (Bad Krozingen)

Von Heike Bund (Bad Krozingen)

Mo, 02. November 2020

Leserbriefe

Zu: "Zeit für Zweitrangiges", Tagesspiegel von Thomas Fricker (Politik, 13. Oktober)

Mit dieser Überschrift und dem Schlusssatz Ihres Tagesspiegels sprechen Sie mir aus der Seele. Womit beschäftigt sich unser Justizministerium? Ich denke an eine junge Frau, die BZ berichtete am 6. April 2020 über ihr Schicksal. Zitat: "Eine Freiburgerin kämpft um ihren Sohn, der von ihrem Ex-Mann in die Türkei entführt wurde". Die Justizbehörden haben monatelang gebraucht, um die Papiere zu übersetzen und sie in die Türkei zu senden. Monate des Wartens und Bangens einer Mutter, der man das Kind weggenommen hatte, nachdem ein Richter entschied, dass der Vater seinem dreijährigen Kind sein Land zeigen darf.

Keiner schaut, ob das Kind will, schreiend wurde es ins Auto gesetzt. Das ist das Letzte, was die Mutter von ihrem Kind sah. Endlich, nach Monaten, Gerichtsverhandlung in der Türkei, man bekam Akteneinsicht. Aber wo sind die wichtigen Dokumente? Auf Anfrage im Bundesamt für Justiz in Berlin bekam die Frau die Antwort, sie hätten aus Kostengründen nur ein Dokument übersetzen können. Ein Jahr ist das Kind nun verschwunden. Vielleicht denkt man im Justizministerium mal darüber nach, das ist kein Einzelfall. Ich habe den Eindruck, dass unser Rechtssystem so gut ist wie der Anwalt, den ich mir leisten kann. Heike Bund, Bad Krozingen