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Tierschutz

Den Tauben in den Innenstädten geht das Futter aus

Irena Güttel

Von Irena Güttel (dpa)

So, 14. Februar 2021 um 22:09 Uhr

Panorama

Die Corona-Krise und auch die Kälte setzen den Nürnberger Stadttauben zu. Die Stadt hat ihnen deswegen eine Ausnahmegenehmigung vom allgemeinen Fütterungsverbot erteilt.

Erlaubtes Füttern: Die Tierschützerin ...Schneider verteilt in Nürnberg Körner.  | Foto: Daniel Karmann (dpa)
Erlaubtes Füttern: Die Tierschützerin Claudia Schneider verteilt in Nürnberg Körner. Foto: Daniel Karmann (dpa)
. Die Tauben ziehen weite Kreise um die Nürnberger Stadtmauer. Nach und nach landen sie auf den Dächern der Türme und scheinen erwartungsvoll nach unten zu blicken. Dort nimmt Claudia Schneider gerade einen Beutel mit Körnerfutter aus ihrer Tasche. Als sie die erste Handvoll im Schnee verstreut, schießen die Tauben geradezu herunter.

"Wenn die so zum Futter stürzen, sieht man, was die für einen Hunger haben", sagt Claudia Rupp, Vorsitzende des Tierschutzvereins für Stadttauben und Wildtiere. "Aktuell kommen bis zu 100 Tiere." Im ersten Lockdown seien es noch dreimal so viele gewesen. "Man merkt, dass es eine Dezimierung der Bestände gibt."

Die Corona-Krise und auch die Kälte setzen den Nürnberger Stadttauben zu. Schneider und neun andere Ehrenamtliche des Vereins dürfen deshalb derzeit an sechs Plätzen in der Stadt die Tauben einmal täglich mit Körnerfutter versorgen.

Die Stadt hat ihnen dafür eine Ausnahmegenehmigung vom allgemeinen Fütterungsverbot erteilt – und nur ihnen, wie die Umweltreferentin Britta Walthelm betont. "Weil wegen des Lockdowns alle Geschäfte und die Gastronomie geschlossen haben und weniger Passanten in der Innenstadt unterwegs sind, finden die Tauben wenig zu fressen", begründet Walthelm die befristete Ausnahme.

Dass die menschenleeren Innenstädte ein Problem für die Tauben werden könnten, hat der Deutsche Tierschutzbund schon während des ersten Lockdowns befürchtet. Viele Stadttauben ernähren sich von Bratwurst, Pommes, Brötchen und allen möglichen anderen Resten, die sie in Mülleimern und auf dem Boden finden.

Der Tierschutzbund fordert deshalb von den Kommunen, während des Lockdowns kontrollierte Notfütterungen mit artgerechtem Körnerfutter zu erlauben. "Ziel ist nicht, dass Menschen überall ausschwärmen und Brot verstreuen", betont Sprecherin Lea Schmitz. Einige Städte wie Nürnberg, Köln, Kiel und Braunschweig gingen dabei mit positivem Beispiel voran. "Die meisten halten aber am Fütterungsverbot fest", sagt sie.

In Köln füttern zurzeit Ehrenamtliche von zwei Tierschutzvereinen die Stadttauben an bestimmten Plätzen in der Innenstadt. "Da die Tauben nicht mehr ausreichend Essensreste auffinden, sind sie zunehmend geschwächt. In der Konsequenz würde das ein langsames Verhungern bedeuten", sagt Jürgen Müllenberg von der Stadt. Das sei mit dem Tierschutzgesetz nicht vereinbar.

An den Stadttauben scheiden sich die Geister. Während manche Menschen sie als "Ratten der Lüfte" beschimpfen und ihre Allgegenwärtigkeit in den deutschen Innenstädten einfach nur lästig finden, haben andere ein großes Herz für die Nachkommen entflogener Haustauben. Obwohl es in vielen Städten verboten ist, Tauben zu füttern, wird dagegen immer wieder verstoßen.

"Ratten der Lüfte" – diesen Ausdruck lehnt Tierschützerin Claudia Rupp vehement ab. "Tauben sind keine Schädlinge. Sie sind verwilderte Haustiere", sagt sie. "Dass sie sich so wahnsinnig schnell vermehren, haben ihnen die Menschen angezüchtet." Deshalb sieht Rupp auch die Menschen in der Pflicht, Verantwortung für die Vögel zu übernehmen. Wie der Tierschutzbund fordert sie betreute Taubenschläge wie in München oder Würzburg, in denen Tauben gefüttert und ihre Eier gegen Attrappen getauscht werden, damit weniger Küken schlüpfen.

Während Würzburg die Futtermenge in den Taubenschlägen erhöht hat, lehnt München dies ab. "Auch in einem normalen Winter sind die Biergärten, Straßencafés und sonstigen Freisitze geschlossen", betont die Sprecherin vom Gesundheitsreferat. "Eine besondere Notlage ist daher nicht ersichtlich."

Ressort: Panorama

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