Kulturkreis

Wie war’s beim… Jazzkonzert des Axel-Kühn-Trios in Denzlingen?

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Mo, 18. Februar 2019 um 16:49 Uhr

Denzlingen

Zunächst war das Publikum skeptisch, dann begeistert: Das vom Kulturkreis organisierte Jazzkonzert des Axel-Kühn-Trios in Denzlingen lief schleppend, wurde aber zum Erfolg.

Es ist nach wie vor ein bisschen kühn, wenn die Programmmacher des Denzlinger Kulturkreises den über Jahrzehnte gepflegten Rahmen der klassischen Kammermusik sprengen. Wer nicht wagt, der gewinnt jedoch auch nicht, und es ist unumgänglich, sich neue Publikumskreise zu erschließen. Mit dem Axel-Kühn-Trio konnte das Wagnis jedoch kaum schief gehen.

Erster Eindruck
Ein bisschen karg sieht das alles aus. Das rote Schlagzeug von Guido Jöris, der auf Stühlen platzierte Verstärker von Bassist Decebal Badila und das kleine Mischpult sowie die Notenständer. Einzig ein Blumenensemble durchbricht die Nüchternheit, die auch der Saal, in dem 200 aufgestellte Stühle und die knapp 150 Besucher etwas verloren wirken, ausstrahlt. Doch mit dem ersten Ton ist alles vergessen, wie weggeblasen.

Setlist
Die hält genau, was der ambitionierte Ankündigungstext verspricht. The Colours of Jazz – die Farben des Jazz – funkeln in einem bunten Programm. Am Anfang steht ein Standard von Irving Berlin, es folgen Kompositionen von Baden Powell, Mauricio Einhorn, Chet Baker, Chick Corea, Pat Metheney, Vernon Duke, Cole Porter, Hermeto Pascoal und, das darf nicht fehlen, Axel Kühn selbst.

Die Musik
Die Mischung macht’s, der Facettenreichtum bietet den drei Instrumentalisten ein weites Spielfeld, um Akzente zu setzen und zugleich in feinster Abstimmung aufeinander ein großartiges Klangbild zu präsentieren.

Mit sehr klarem Saxophon und Querflötenspiel stellt Kühn fein akzentuiert die Themen in den Raum, die Decebal Badila auf seinem sechssaitigen Bass mit einem sehr dynamisch ausgeprägten Fundament unterlegt, zugleich aber auch kontrastiert und harmonisch ergänzt. Unauffällig und gerade deshalb doch so wirkungsvoll rundet Guido Jöris das Zusammenspiel ab, meist dezent mit den Besen, gelegentlich energisch, aber nie übertrumpfend mit den Stöcken spielend. In dieser feinen Balance, nie exaltiert, wirken leise, melodiösen Stücke ebenso kraftvoll wie die rhythmischeren, tänzerisch leichten, von großer Dynamik gekennzeichneten Werke aus dem Brazilian Songbook.

Das Publikum
Ein wenig brauchen die Zuhörer, um mit dem Ungewohnten, Neuen, vertraut zu werden – zumindest das Stammpublikum der Denzlinger Konzertzyklen. Unter das haben sich aber auch jüngere, Jazz interessierte Konzertbesucher gemischt sowie Studenten von Kühn, der an der Freiburger Musikhochschule Saxophon, Jazz, Rock, Pop und digitale Medien unterrichtet. Die konzentrierte Aufmerksamkeit wird so immer wieder durchbrochen von Applaus, der Soli honoriert, und zustimmenden Zwischenrufen. Die Skepsis ist schnell verflogen, zum Ende hin ist regelrechte Begeisterung spürbar.

Fazit
Wenn herausragende Instrumentalisten sich fast blind verstehen, dann ist das die ideale Voraussetzung für einen begeisternden Konzertabend. Kleine Besetzung – das heißt beim Axel Kühn Trio volle Konzentration auf das Wesentliche und dabei kommt ein keineswegs spartanisches, sondern ganz im Gegenteil, sehr buntes, immer spannendes musikalisches Bild voller bunter Facetten heraus.