"Der Beruf ist im Wandel gewachsen"

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 19. September 2015

Emmendingen

Sind nicht alltägliche Berufe von der modernen Zeit bedroht? Antworten von drei traditionellen Handwerksmeistern.

EMMENDINGEN. Die Suche nach dem richtigen Beruf wird für viele Jugendliche immer schwieriger. Dabei gibt es viele Berufe, die den angehenden Auszubildenden sicher gefallen würden, denen man im Alltag aber kaum begegnet. Felix Beck und Alice Bühler haben drei solcher Berufe einmal genauer unter die Lupe genommen.

Der Kunstschmied

Meinrad Wehrle (53) von der Kunstschmiede Wehrle in Emmendingen hat jährlich bis zu fünf Praktikanten und durchweg einen Auszubildenden. In seinem Betrieb möchte er sein Wissen weiter geben und jedem die Chance geben, seine eigene Handschrift zu entwickeln. "Selbständigkeit bedeutet für mich, jeden Tag etwas Neues machen und jeden Abend zu sehen, was man geschaffen hat", sagt Wehrle.

Die Arbeit eines traditionellen Kunstschmieds, welcher heute Metallgestalter genannt wird, ist mit sehr viel Kraft, Geschick und Kreativität verbunden. "Heutzutage muss alles schnell gehen und auch billig sein. Mit meiner Arbeit versuche ich diesem genormten und geradlinigen Denken entgegenzusteuern", sagt Wehrle "viele sind bereit, wieder auf regionale und nachhaltige Produkte zurückzukommen." Dass der Beruf nicht am Aussterben ist, erkennt er an der Auftragslage. Teilweise müssen Kunden mehr als ein Jahr auf seine Zusage warten.

Trotz der kreativen und auch abwechslungsreichen Arbeit erhält er jährlich nur ein bis zwei Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz. Warum ist es so schwierig, in handwerklichen Berufen Nachwuchskräfte zu finden? Eine große Rolle spielen die Vorurteile, die Jugendliche mit diesen Berufen in Verbindung bringen. "Kommt man in einer Diskothek mit einem Mädchen über die Berufswahl ins Gespräch, hört sich der Bankkaufmann interessanter an als der Blechner", sagt Wehrle. "Der Bankkaufmann wird direkt mit einem Anzug und einem BMW in Verbindung gebracht, dass dieser oftmals mehr stupide Arbeiten als der Blechner hat, denkt man nicht. Er wird einfach unterschätzt."

Der Schornsteinfeger

Ein Schornsteinfeger wird oft mit einem Glücksbringer in Verbindung gebracht. Obwohl der Handwerker wegen seiner schwarzen Kluft sehr auffällig ist, sieht man ihn eher selten. Gerät er aus diesem Grund in Vergessenheit? "Es wird immer Tätigkeiten im Brand- und Umweltschutz und auch in der Energieberatung geben", sagt Konrad Meicher (63). "Der Beruf ist sogar im Wandel gewachsen." Zusammen mit Uwe Keller (28) ist der Schornsteinfegermeister für alle Tätigkeiten an Feuerungsanlagen in der Emmendinger Stadt und Oberreute zuständig. In seiner beruflichen Laufbahn hatte er zwei Auszubildende und mehrere Praktikanten. "Es ist ein Beruf, den man mit Leib und Seele machen muss."

Als Meicher den Beruf in den 1970er Jahren lernte, waren die Aufgaben klar definiert. Er kletterte, auf das Dach und fegte den Schornstein mit speziellen Werkzeugen. Heute ist das anders. Durch moderne Gas- und Ölheizungen ist die Arbeit vielseitiger geworden. "Die Energieeffizienz", sagt Konrad Meicher "wird immer wichtiger. Gerade der Brandschutz ist enorm gewachsen." Nach der Ausbildung wird Weiterbildung groß geschrieben. Die Brandschutztechnik entwickelt sich immer weiter. "Um selbst auf dem neusten Stand zu bleiben, besuche ich vier Mal im Jahr eine ganztägige Fortbildung". Den Beruf des Schornsteinfegers würde Meicher jederzeit wieder ergreifen.

Die Kürschnerin

Barbara Schwörer (52) ist Kürschnermeisterin bei Pelz und Leder Schwörer in Emmendingen. Zusammen mit ihren zwei Schwestern Karin Diringer und Daniela Schwörer betreibt sie das Familienunternehmen. Doch was macht ein Kürschner? "Ich würde sagen, wir sind Allrounder", sagt Barbara Schwörer "wir verarbeiten Tierfelle zu Pelzprodukten, sind Schnitttechniker und müssen Wünsche umsetzten können." Es gibt viele Kunden, die alte Schmuckstücke umnähen und moderner machen lassen. "Manchmal kommen junge Mädchen, die einen alten Persianer von ihrer Oma geerbt haben. Dann machen wir ihnen aus etwas Altem wieder etwas ganz Neues", sagt Karin Diringer.

Seit Barbara Schwörer das Unternehmen von ihrem Vater übernommen hat, hatte sie eine Auszubildende. Deutschlandweit gibt es jährlich nur eine Klasse mit angehenden Kürschnern. Die einzige Schule, die es für diesen Beruf gibt, befindet sich in Nürnberg. Da ist die Frage, ob der Beruf am Aussterben ist nahe. "In Russland und Skandinavien ist Pelz ein Statussymbol. Gerade dort hat das deutsche Handwerk auch einen sehr guten Ruf", sagt Barbara Schwörer. Sie rät dazu, eine Karriere im Ausland anzustreben. Aktuell haben einige Modezeitschriften von großen Modelabels viele pelzige Mäntel und Kleider im Katalog. Allerdings reichen nicht nur handwerkliche Fähigkeiten wie das Nähen von Hand und an einer Pelznähmaschine, kaufmännische Kenntnisse sind für diesen Beruf auch von Nöten.