Der fünfte Ort ist einen Ausflug wert

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Von teli

Sa, 22. Februar 2020

Offenburg

BLICK INS ELSASS: Ausstellung zu Stadtentwicklung in Straßburg.

STRASSBURG (teli). Es ist nur ein Katzensprung von der Ortenau ins Elsass und in die quirlige Europastadt Straßburg. Was sich jenseits des Rheins tut, beleuchtet unser "Blick ins Elsass".

Politischer Ruhestand

Insgesamt 15 Jahre lenkte Roland Ries als Oberbürgermeister die Geschicke Straßburgs; am Montag hat er in dieser Funktion seine letzte Gemeinderatssitzung geleitet und dabei angekündigt, dass er diesem Gremium nach den Kommunalwahlen im März nicht mehr angehören wird. In seiner im Internet veröffentlichten Rede bedankte er sich bei seiner Regierungsmannschaft dafür, dass diese auch nach der Explosion von 2017, wie Roland Ries formulierte, mit ihm gemeinsam die 2014 vereinbarten Ziele und Projekte weiterhin umgesetzt hatte. Eine Hommage auf das politische Wirken von Roland Ries hielt in gewohnt humoriger Form der Straßburger Kabarettist Roger Siffer. Lange hatte sich das von Roland Ries selber genährte Gerücht gehalten, dass der langjährige OB auf einer der Listen als Kandidat um ein Gemeinderatsmandat auftauchen würde; er hatte angekündigt, sich nach dem 10. Februar erklären zu wollen. Seit Montag steht fest, dass sich der 75-Jährige nach 37 Jahren in den politischen Ruhestand verabschiedet.

Stadtentwicklung

Was eine Stadt ausmacht, wie sich eine Stadt entwickelt, das lässt sich am Beispiel von Straßburg seit einigen Wochen an einem besonderen Ort nachvollziehen: Der 5E Lieu, der fünfte Ort, befindet sich am Place du Château auf der Südseite des Münsters im Gebäude, das einst die Post beherbergte. Bei freiem Eintritt können Besucher Straßburg beim Schlendern durch die Räume anhand der historischen oder religiösen Bauwerke entdecken; sie erfahren, wie sich das Wohnen in der Stadt entwickelt hat und über welche Flächen Straßburg weiter wachsen möchte – etwa Richtung Rhein. Die Ausstellung ist auch in deutscher Sprache anschaulich erklärt und enthält interaktive Elemente: So können sich Besucher darin versuchen, Torbögen zu errichten. Mehr als 1000 Quadratmeter Fläche stehen der Öffentlichkeit zur Verfügung, Drucke und Zeichnungen ergänzen die Modelle. Mit in den fünften Ort eingezogen ist auch die Boutique Culture, die sich zuvor am Münsterplatz befand: Dort kann man auch gleich Eintrittskarten (von Dienstag bis Samstag) erstehen. Der fünfte Ort ist von Dienstag bis einschließlich Samstag jeweils von 11 bis 19 Uhr geöffnet, an Sonntagen von 11 bis 17 Uhr.

Elsass Statt Korsika

Josiane Chevalier wird neue Präfektin in Straßburg. Aktuell vertritt sie den französischen Staat noch auf Korsika, doch schon in wenigen Wochen soll sie ihr Amt in der Europastadt antreten – Amtsinhaber Jean-Luc Marx geht Anfang März in den Ruhestand; er war seit Juni 2017 in Straßburg. Josiane Chevalier ist dann – wie ihr Vorgänger – Präfektin für die Region Grand Est und für das Departement Unter-Elsass. Josiane Chevalier ist die erste Frau, die Präfektin der Région Grand Est und des Departements Unter-Elsass wird. Auch auf Korsika war sie die erste Frau im Amte der höchsten Vertreterin des französischen Staates vor Ort. Sie sei, schreibt die Straßburger Tageszeitung Dernières Nouvelles d’Alsace, dafür bekannt, dass sie auch heikle Themen angehe. Von sich reden gemacht hat Josiane Chevalier, als sie Betrügereien im Zusammenhang mit Agrarsubventionen der EU und mit Müllentsorgung aufgedeckt hat. Seit 2001 hat sie in den Präfekturen verschiedener französischer Regionen unterschiedliche Führungspositionen innegehabt. Sie gilt sehr kommunikativ und zeige sich gerne in der Öffentlichkeit.

Warenumschlag stabil

Aufgrund des langanhaltenden Niedrigwassers im Rhein hatte der Straßburger Hafen 2018 mit einem Güterumschlag von 5,9 Millionen Tonnen sein schlechtestes Ergebnis seit einem halben Jahrhundert erwirtschaftet. Nachdem der Rhein 2019 durchgehend schiffbar war, sind wieder normale Verhältnisse eingekehrt: 7,56 Millionen Tonnen, 28 Prozent mehr als 2018, konnten umgeschlagen werden, was den 2015 und 2016 erreichten Ergebnissen entspricht. Die höchsten Anstiege wurden bei den Produktgruppen Energie (plus 56 Prozent), Baumaterialien (39 Prozent) sowie Chemikalien und Fette (37 Prozent) erreicht. Auch im Containergeschäft wurde ein Zuwachs von sechs Prozent verzeichnet, dazu hat offenbar die Einrichtung von zwei regelmäßigen Verbindungen, zum einen nach Anvers und zum anderen nach Rotterdam, beigetragen. Einen neuen Rekord verzeichnete der Straßburger Hafen in Bezug auf Kreuzfahrtschiffe: Fast 1600 Schiffe legten dort 2019 an, was etwa 230 000 Passagieren entspricht.

Rummelplatz-Festival

Die Idee ist aus der Not geboren: Die Stadt Straßburg hat eine Machbarkeitsstudie für ein Rummelplatz-Festival ausgeschrieben. Prosaischer ausgedrückt, geht es darum, die traditionsreiche Foire Saint-Jean in Einzelteile zu zerlegen und auf mehrere Plätze in der Innenstadt zu verstreuen. Auf diese Weise könnten sich auf dem Kléber-Platz, dem Gutenberg-Platz, dem Place du Château auf der Südseite des Münsters und auch auf dem Platz vor der alten Börse Fahrgeschäfte, Losbuden und Essstände finden, die Besucher könnten zwischen den Teil-Vergnügungsparks pendeln. Untersucht werden soll nun, ob ein solches Konzept technisch und finanziell machbar ist. In diesem Jahr kann der drei Wochen dauernde Vergnügungspark wohl noch einmal im Messepark Wacken aufgeschlagen werden – 2021 spätestens ist damit jedoch Schluss, weil sich das europäische Geschäftsquartier entwickelt und die unbebaute Fläche immer kleiner wird.