Der große Tag der starken schnellen Frauen

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Mo, 10. Oktober 2022

Leichtathletik

Stefanie Doll lässt beim 54. Schwarzwald-Marathon alle Männer hinter sich und verbessert den 47 Jahre alten Streckenrekord einer Spitzenläuferin.

Der 54. Internationale Schwarzwald-Marathon war gleich in mehrfacher Hinsicht ein denkwürdiger Tag. Eine Frau als Gesamtsiegerin – das hatte es noch nie gegeben bei dem Bräunlinger Langstrecken-Klassiker. Zudem verbesserte Stefanie Doll den Uralt-Streckenrekord der Frauen aus dem Jahr 1975. Dass die 34-jährige Hochschwarzwälderin mit ihrem fünften Marathonsieg in Bräunlingen Rekordhalterin Maria Ganter (TuS Königsfeld) einholte, rundete den Erfolg an einem Oktober-Traumtag noch ab.

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Ob bei einem anderen Marathonlauf schon einmal eine Frau alle männlichen Kollegen hinter sich gelassen hatte, wusste am Sonntag in Bräunlingen auf die Schnelle niemand zu sagen. Auch der neue Streckenrekord fiel zunächst nicht auf. Womöglich deshalb, weil der alte schon so lange Bestand hatte: 1975 hatte die damalige Weltrekordhalterin Christa Vahlensieck (Barmer TV 1846 Wuppertal) in Bräunlingen 2:45:43 Stunden den ersten deutschen Meistertitel im Marathonlauf der Frauen gewonnen. Stefanie Dolls Siegerzeit im vergangenen Jahr, 2:49:50 Stunden, war erst die zweite Zeit einer Läuferin auf dem anspruchsvollen Naturkurs in Bräunlingen unter 2:50 Stunden. In diesem Jahr unterbot sie ihre persönliche Bestmarke auf dieser Strecke bei sehr guten äußeren Bedingungen gleich um 4:24 Minuten – und Vahlensiecks Streckenrekord um 17 Sekunden.

Eine Prämie gab’s dafür nicht, sagte Frank Kliche, Chef des Organisationskomitees, auf BZ-Nachfrage. Und die überlegene Tagessiegerin konnte gar nicht sagen, ob ihre Bestleistung öffentlich verkündet worden war: "Ich kam ein bisschen spät zur Siegerehrung und habe nicht mitgekriegt, was vorher schon gesagt wurde." Auch ohne spezielle Würdigung war Stefanie Doll einfach glücklich über ihre famose Leistung bei dem Rennen in der Schwarzwälder Heimat, das sie vielen schnelleren Stadtmarathons vorzieht. Auch wenn sie sich nicht ganz sicher war, "wie die Männer das finden", trotz Spitzenposition hinter einer Frau ins Ziel zu kommen. Der schnellste Mann, Andreas Leppert aus Auggen, trug’s mit Fassung. Der 36-Jährige hatte nicht damit gerechnet, bei seinem zweiten Marathonstart um den Sieg mitlaufen zu können. Seinen Erfolg mit der bislang schwächsten Bräunlingen-Siegerzeit von 2:48:16 Stunden schätzte er realistisch ein: "Die richtig schnellen Männer sind nicht hier."

Völlig entspannt reagierte der zweitplatzierte Mann darauf, dass gleich zwei Frauen vor ihm ins Ziel gekommen waren. "Von mir aus können zehn Frauen schneller sein als ich", sagte Patrick Hartmann (LT Unterkirnach/2:57:28). Denn der 42-Jährige war "mega happy", bei seiner Marathonpremiere sein Ziel "unter drei Stunden" erreicht zu haben. Ein anderer Lauf über diese Distanz kam für ihn nicht in Frage, erklärte der aus Berlin stammende Wahl-Schwarzwälder entschieden. Noch ein weiteres großes Lauftalent ließ nahezu alle Männer hinter sich. Julia Ehrle (TV Villingen), gerade einmal 15 Jahre alt, kam im Zehn-Kilometer-Lauf am Samstag nach 37:38 Minuten als Dritte der 285 männlichen und weiblichen Finisher ins Ziel.

Nur Tagessieger Michael Kovermann (Konstanz/35:16) und Martin Walther (LC Schaffhausen/36:30) waren schneller als die Schülerin, die vor einer Woche bei der deutschen Berglaufmeisterschaft mit der zweitbesten Zeit aller Starterinnen die Etablierten düpiert hatte (die BZ berichtete). Ihre Mutter Doris Ehrle lief im Halbmarathon als Neunte (1:36:58) in die Top Ten der 216 Finisherinnen und wurde Zweite der W 45.