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Der Herbolzheimer Lebensmittelhändler Euvinum setzt ganz auf Teleshopping

Michael Haberer

Von Michael Haberer

Mo, 19. August 2019 um 11:08 Uhr

Wirtschaft (regional)

Der Sonntag Das Herbolzheimer Unternehmen hat in den 13 Jahren seit seiner Gründung einen rasanten Aufschwung erlebt. Der Vertriebskanala "Teleshopping" brachte Euvinium den Durchbruch.

Aus dem Zweimannunternehmen wurde eine Firma mit 50 Mitarbeitern, aus dem Verkäufer mediterraner Weine ein Anbieter von Lebensmitteln. Als der ehemalige Ferrero-Manager Manfred Eble 2006 damit begann, in Ettenheim europäische Weine unter dem Namen Euvinum zu verschicken und damit 150 000 Euro Umsatz generierte, konnte er nicht ahnen, dass er 13 Jahre später fast sechs Millionen Euro mit seinem Versand umsetzen und zwei Millionen Euro in ein neues Betriebsgebäude in Herbolzheim investieren würde. Eine Erweiterung seines Sortiments um regionale Lebensmittel, aber vor allem der Vertriebskanal Teleshopping brachten ihm den Durchbruch.

"Da haut der Moderator mit dem Messer auf das Fleisch, damit es knuspert", sagt Eble. Der Kunde bekomme in der Verkaufssendung eine Geschichte zum Fleisch. Er erfährt, wo es herkommt, wie es so vorbereitet wurde, dass es kross ist, und was er noch tun muss, damit es als leckeres Gericht auf seinen Tisch kommt. "Damit hat das Produkt nicht mehr die Anonymität wie aus dem Kühlfach des Discounters", meint Eble zu den Vorzügen des Teleshoppings.

Die Moderatoren sind so etwas wie moderne Hausierer. Sie erklären dem potenziellen Kunden vor dem Fernseher, warum er dieses Produkt brauche. Die Tür wird heute mit der Fernbedienung geöffnet. Dann erleben Zuschauer in "Schwarzwaldstunden", "Alpenlandstunden" oder "Italienstunden", was es Kulinarisches in diesen Gegenden gibt und wie sie die Spezialitäten selbst auf den Tisch bringen. Damit das Ganze richtig rüberkommt, erhält Ebles Moderator ein Briefing. Die Sendung gestaltet dieser dann mit einem Moderator des Senders.

Inzwischen bietet Ebles Firma Euvinum 45 Fleischprodukte an, die er von der Elzacher Traditionsmetzgerei Winterhalter bezieht. Er verkaufe aber auch 5 000 Flaschen Olivenöl im Monat. "Nach der Sendung weiß der Kunde, wo die Olivenbäume stehen und wo das Öl raffiniert wird", sagt Eble.

"Lebensmittel sind nur eine Nische im Teleshopping", erklärt Eble. Aber er hat rechtzeitig diese Nische besetzt. Teleshopping ist auch in Deutschland auf Wachstumskurs. Als Eble 2008 anfing, lag der Umsatz der Branche bei gut einer Milliarde Euro, heute sind es über zwei Milliarden.

Teleshopping-Kunden sind älter und treu

Eble profitiert von der Mentalität der meist älteren Kunden, die Teleshopping dem Kauf übers Internet vorziehen. "Die Sender haben extrem treue Kunden", versichert Eble. Er selbst sorgt auch mit der Zufriedenheit seiner Kunden dafür. Euvinum habe eine Retourquote von 0,2 Prozent. Da er seine Verkaufsquoten erfülle, dürfe er bei seinen drei, bald vier Shopping-Sendern zu den Primetimes seine Waren und ihre Geschichten anbieten.

"Ich glaube nicht, dass ich heute mit dem Wissen, mit dem ich angefangen habe, noch einmal ins Teleshopping reinkommen würde", denkt Eble. Bei der Entwicklung seiner Firma sei auch Glück im Spiel gewesen. Eble sprach von Demut, als er jüngst sein neues Firmengebäude in Herbolzheim einweihte. Demut hätten ihn die Gerichte gelehrt.

Sein ursprüngliches Sortiment machten europäische Weine aus. Daher der Name Euvinum. Zu Spitzenzeiten habe er 30 000 Flaschen Wein von Rothschild verkauft. Sein Moderator habe praktisch als Sommelier vor der Kamera die exklusiven Weine vorgestellt. Sein Umsatz mit Wein habe 2018 noch bei etwa 300 000 Euro gelegen. Das sind etwas mehr als fünf Prozent seines Gesamtgeschäfts.

Hätte er ganz auf Wein gesetzt, wäre Eble heute wohl am Ende. Denn ein Oberlandesgericht habe die Vorgaben des Gesetzgebers so ausgelegt, dass wegen des Jugendschutzes die Kunden Pakete mit alkoholischen Getränken quittieren müssen. Da dies den Sendern zu teuer erschien, sei sein Umsatz mit Wein um 95 Prozent eingebrochen, erläutert Eble. Allerdings sieht er für sein Weingeschäft wieder Licht am Horizont. Die Rechtsprechung laufe wohl auf eine Lockerung der Vorgaben hinaus, denkt Eble.

Anfangs habe er sich in einem schwierigen Weinmarkt bewegt, blickt er zurück. Mit dem Teleshopping habe er deswegen immer mehr auf Fleisch und Käse gesetzt. Damit sei das Angebot auch ganz regional geworden. Er verkaufe jetzt auch Fleisch aus dem Elztal, Honig aus Kollnau oder Wein aus dem Breisgau. Hatte sein Team anfangs wenige Päckchen packen müssen, so packen und verschicken sie nun durchschnittlich 5000 Pakete pro Tag. Als Eble 2009 von Ettenheim nach Herbolzheim gezogen ist, habe er mit acht Mitarbeitern den Laden geschmissen, heute seien es 50, die im Dreischichtbetrieb arbeiten.

Von anfangs 150 000 Euro sei der Umsatz 2018 auf 5,7 Millionen Euro gestiegen. Euvinum zähle zu den am schnellsten wachsenden Lebensmittelanbietern in Deutschland, so Eble. Deshalb sei es nötig geworden, neu zu bauen. Probleme, Mitarbeiter zu finden, habe er trotz allgemeinen Fachkräftemangels nicht, versichert er. Euvinum führe eine Warteliste. Die freie Fläche neben dem neuen Gebäude zeigt, dass Eble noch einiges an Wachstum erwartet.