Hochschwarzwald

Der Mensch im Mittelpunkt: Was den ehrenamtlichen Dienst im DRK ausmacht

Tanja Bury

Von Tanja Bury

Sa, 08. Mai 2021 um 11:47 Uhr

Titisee-Neustadt

Es ist eine Gemeinschaft, die trägt: Das Deutsche Rote Kreuz feiert am heutigen Samstag 100. Geburtstag. Wir haben Ehrenamtliche gefragt, warum sie sich für das DRK engagieren.

An diesem 8. Mai ist nicht nur Weltrotkreuztag, sondern das Deutsche Rote Kreuz kann auch einen besonderen Geburtstag feiern. Vor 100 Jahren wurde es im Bamberg gegründet. Von Anfang an spielte das Ehrenamt eine große Rolle in der Organisation. Allein im DRK-Kreisverband Freiburg sind über 1600 Ehrenamtliche aktiv. Etliche davon auch im Hochschwarzwald.



Lukas Erdmann: Verantwortung Zeigen

Wer technikaffin ist, Interesse an Menschen hat und seine Freizeit sinnvoll nutzen will – der ist nach Ansicht von Lukas Erdmann im DRK genau richtig. Der 23-jährige Eisenbacher gehört zum DRK Ortsverein Titisee-Neustadt und ist dort Gruppenführer Modul Sanität, dazu zählt die eigentliche Patientenversorgung. 2015 kam Erdmann zum DRK, eine Sanitätsausbildung für die DLRG Löffingen hat ihn dorthin geführt. "Ich habe gemerkt: Das Thema Medizin liegt mir." Also, warum nicht auch beim Roten Kreuz mitmachen? Die Begeisterung war so groß, dass eine Berufsausbildung im Rettungsdienst folgte. Heute studiert Erdmann Medizintechnik. Er scheut sich nicht vor Verantwortung, bildet sich mit Freude weiter und ruft sein Können gerne ab – wie etwa beim Großeinsatz Bombenentschärfung in Löffingen. Wie er damit umgeht, dass Einsätze nicht immer gut ausgehen? "Das Sterben gehört zum Leben dazu. Auch das habe ich beim DRK gelernt."



Maron Benitz: Sich aufgehoben fühlen

Marion Benitz und das DRK – das ist sozusagen eine Sandkastenliebe. Der Besuch des Jugendrotkreuzes damals in ihrem Kindergarten hat die Neustädterin so fasziniert, dass sie als Erstklässlerin sofort eingetreten ist. "Und ich bin geblieben", sagt die 33-Jährige und lacht. Viele Ausbildungen hat sie durchlaufen, heute ist sie nicht nur Bereitschaftsleiterin beim DRK-Ortsverein Titisee-Neustadt, sondern auch stellvertretende Zugführerin im Hochschwarzwald. Ihr Ziel ist es, junge Leute für den Dienst im DRK zu begeistern. Sich in der Rettungsorganisation zu engagieren, bedeutet für Marion Benitz große Vielfalt und Herausforderung, dazu kommt die Wertschätzung, die man für seine Arbeit erfährt. "Die Menschen sind sehr uns dankbar. Ihnen zu helfen, das erfüllt mich." Und noch etwas ist es, was die Sandkastenliebe Marion Benitz und DRK bis heute zusammenhält: "Egal, wie schwierig ein Einsatz ist – wir sind nie allein. Die Gemeinschaft trägt."



Markus Kiefer: Eine Berufung leben

Beruf und Berufung – das ist für Markus Kiefer aus Schluchsee der Dienst für den Menschen. Mit zwölf Jahren kam er zum Jugendrotkreuz, absolvierte seinen Zivildienst beim Rettungsdienst und machte dort seine Berufsausbildung. Heute ist Kiefer Notfallsanitäter auf der Wache in Schluchsee. Und wenn er Feierabend hat, beginnt sein ehrenamtlicher DRK-Dienst. Seit 15 Jahren ist der 41-Jährige Bereitschaftsleiter im Ortsverein Schluchsee, zusammen mit seinem Team organisiert er Aus- und Weiterbildungen, Blutspendeaktionen, leistet Notfall- und Sanitätswachdienste. "Früher waren wir beim Schluchseelauf mit vier Leuten, heute sind es 30 Einsatzkräfte", zeigt Kiefer die wachsenden Herausforderungen auf. Aber die schrecken ihn nicht: Zu helfen ist sein Beruf und seine Berufung.



Ingo Keller: Die schnelle Hilfe

Als Jugendlicher kam Ingo Keller zum DRK, heute gehört er seit 35 Jahren zum Ortsverein Lenzkirch. Dort hat er die Ausbildungen bis zum Rettungssanitäter durchlaufen, war 20 Jahre Bereitschaftsleiter. 2003 hat Ingo Keller die First Responder-Gruppe gegründet. Die Aufgabe dieser schnellen Einsatzgruppe ist es, die Zeit bis zu Eintreffen des Rettungsdienstes beim Patienten zu überbrücken und lebenserhaltende Sofortmaßnahmen wie die Herz-Lungen-Wiederbelebung einzuleiten. "Die Gruppe ist eine große Bereicherung für Lenzkirch", ist sich Ingo Keller sicher. Denn bis der Rettungswagen ankommt, können die derzeit zwölf Ehrenamtlichen wertvolle Hilfe leisten. Seit Gründung der Gruppe sind die Lenzkircher Helfer vor Ort – wie die First Responder auch genannt werden – schon zu knapp 3000 Einsätzen ausgerückt. Für den 48-jährigen Keller ist die Arbeit beim DRK etwas sehr Besonderes: "Ich habe mit Menschen zu tun, kann etwas Sinnvolles leisten – und das alles zusammen mit tollen Leuten."




Armin Faller: Mit tierischer Unterstützung

Armin Faller ist erst auf dem Hund und dann aufs DRK gekommen. Einen völlig verschüchterten Beagle hat der 53-Jährige aus einem Tierversuch der Uniklinik Freiburg übernommen und dann im Wartezimmer beim Tierarzt die damalige Leiterin der Rettungshundestaffel kennengelernt. "Sie hat mich ermuntert, doch mal vorbeizukommen – es täte dem Tier vielleicht gut." Es tat nicht nur dem Hund, sondern auch dem Herrchen gut. Die Familie holte sich einen zweiten Vierbeiner, mit ihm begann Armin Faller 1999 aktiv die Ausbildung. Auf die Frage, wie lange es braucht, bis Mensch und Tier ein gutes Helfergespann sind, antwortet der Neustädter mit einem Lachen: "Die Hunde wissen schnell, wie und um was es geht. Das andere Ende der Leine muss viel mehr lernen und verstehen." Die Menschen müssen die Tiere lesen können, es braucht fundiertes Wissen in Funktechnik, Orientierung und Erster Hilfe. Mitglied der Rettungshundestaffel zu sein, ist für Armin Faller mehr als ein Hobby. "Man lebt es oder man lässt es. Wir sind mit vollem Herzblut dabei." So hat er auch die Hochzeitsfeier seiner Schwester wegen eines Alarms verlassen: Vermisst wurde ein vierjähriges, autistisches Mädchen. Ein Einsatz ist Armin Faller besonders in Erinnerung geblieben. In steilem Gelände am Feldberg, nachts und bei Minusgraden konnte eine dreiköpfige Familie gerettet werden. "Die Urlauber hätten die Nacht nicht überlebt."