Künstlerisches Schaffen

Der Syrer Kamal Ismael aus Seelbach gestaltet Gesichter aus Sand und Lehm

Beate Zehnle-Lehmann

Von Beate Zehnle-Lehmann

Do, 01. April 2021 um 08:30 Uhr

Seelbach

Aus Seelbacher Erde und aus Lehm Charakterköpfe formen – damit beschäftigt sich Kamal Ismael (53). Der Syrer war mit der Familie aus seiner Heimat geflüchtet und lebt seit fünf Jahren in Seelbach.

In den Gesichtern seiner männlichen Skulpturen-Köpfe drückt sich das Leid und der Schmerz seines Volkes aus. Mit seiner Kunst will er verarbeiten, erinnern und erzählen.

Kamal Ismael wohnt seit drei Jahren mit seiner Frau Yuksel und dem 20-jährigen Sohn in der Seelbacher Kirchstraße. Die 24-jährige Tochter ist verheiratet und wohnt in München. Die Reporterin wird sehr herzlich empfangen: Im Wohnzimmer, das in warmen Farben eingerichtet ist, stehen einige seiner Werke. Es sind Gesichter von Männern, die alt anmuten, beim längeren Betrachten aber tatsächlich auch jung sein könnten – doch sind sie alle sehr gezeichnet vom Leben in einem Kriegsland. Sie haben Ausdrucksstärke und sind von Kamal Ismael künstlerisch filigran und emotional umgesetzt.

Jede Falte, jede tiefe Furche und vor allem der Ausdruck in den Augen haben Kraft und durchdringen die Betrachterin. Ohne Worte erzählen sie von Trauer und Schmerz eines Volkes, das im Krieg lebt und ohne Zukunftsperspektive nicht zur Ruhe kommt. Sie starren ins Leere oder halten symbolisch die Hand vor die Augen, die müde sind, das Elend zu sehen.

Augen, die müde sind, das Elend zu sehen

Der 53-jährige Künstler verarbeitet damit die eigene Vergangenheit und Lebensumstände, die ihn und die Familie zwangen, die Heimat zu verlassen. Kamal Ismael ist ein lebensbejahender Mensch, über seine Kunst spricht er voller Begeisterung und auf Deutsch: "Ja, Deutsch ist eine sehr schwere Sprache: Genitiv, Dativ, Akkusativ...", sagt er und lacht. Gelegenheit, die neue Sprache noch zu verbessern, hat er in der Kirchstraße genügend. Denn mit den Seelbacher Nachbarn pflegt er ein herzliches Verhältnis.

Am Bachufer erschafft er die Gesichter

Im Haus gegenüber hat Franz Munz in seinem neu gestalteten Vorgarten eigens Platz geschaffen für die Kunstwerke seines syrischen Nachbarn. Ein Stück weiter oben in der Straße hat Kamal Ismael ein kleines Gartengrundstück, auf dem er Gemüse anbaut. Es liegt direkt am Selmenbächle, wo er am Bachufer aus der Erde Gesichter entstehen lässt. Ein anderes Kunstwerk aus Lehm sind die modellierten Bandmitglieder der Formation "The Worlderers", die der Musiker Herbie Wickertsheimer vor Jahren mit geflüchteten Menschen gegründet hat. Dort spielt Kamal Isamel die Saz Tambur, eine orientalische Laute.

Ismael hat eine Anstellung im Campingplatz Schwarzwälder Hof bekommen – das Touristische liegt ihm nahe: Im syrischen Aleppo hatte er viele Jahre in einem Hotel gearbeitet. "Ich bin Seelbacher", sagt Kamal Ismael und lacht. Er und seine Familie fühlten sich in ihrer zweiten Heimat wohl und sind zufrieden.