Der unbedingte Wille zum Ruhm

Stefan Tolksdorf

Von Stefan Tolksdorf

Fr, 06. Juli 2012

Literatur

Die jüngsten Biographien über Friedrich den Großen .

roß, unüberschaubar wie er sein Charakter, ist auch das Schrifttum über Preußens größten König – allein der Katalog der Deutschen Nationalbibliothek listet 693 Publikationen auf. Fragt sich freilich, ob jede der rund ein Dutzend Neuerscheinungen zum 300. Geburtstag in diesem Jahr tatsächlich neue Erkenntnisse über Friedrichs II. vermittelt. Eine Bestandsaufnahme.

G
MEISTER DER TÄUSCHUNG
Mit Bravour pflegte Friedrich das Image des objektiven Historikers. Jürgen Luh, Mitorganisator der großen Ausstellung im Potsdamer Neuen Palais und Verfasser der wohl besten und zugleich kritischsten unter den jüngsten Friedrich-Biographien, lässt den König allenfalls als "politischen Schriftsteller" gelten – der gern und oft die Fakten zu seinen Gunsten fälschte, um die Nachwelt und zeitgenössische Bewunderer gleichermaßen hinters Licht zu führen: Meister der Täuschung auf allen Ebenen.
Friedrichs immer noch unterschätzter Bruder Heinrich sparte in seinen Randbemerkungen zu dessen Büchern nicht an Kritik: "Quelle infamie", "falsch", "Lüge", schrieb er in die dreibändige "Geschichte des siebenjährigen Krieges": "Ein Leben lang legte er seine Fehler seinen Alliierten oder seinen Generalen zur Last." Über seine Person, so meinte sein großer Bruder, dürfe allein er das historische Urteil fällen. "Das ist – damals wie heute – der übliche Reflex von Menschen, die Kritik nur schwer ertragen", kommentiert Luh, enthält sich aber, wie seine Kollegen, einer tieferen psychologischen Herleitung. Der Autor schildert Friedrich als ausgemachten Egomanen, durchaus bereit, seiner Ruhmsucht einen ganzen Staat zu opfern: "Ich habe den Rubikon überschritten und will meine Machtstellung behaupten oder untergehen und alles, selbst den Namen Preußen mit ins ...

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