Altersgerecht wohnen

Der Vereinsamung kann vorgebeugt werden

Bernd Obrecht und Anne Reyers

Von Bernd Obrecht und Anne Reyers (Freiburg)

Sa, 14. März 2020

Leserbriefe

Zu: "Im Alter braucht es ein ganzes Dorf'", Beitrag von Christine Keck (Politik, 5. März)
Im Alter braucht es ein ganzes Dorf oder eine intakte Gemeinschaft – so kann man selbstbestimmt im Alter leben, wenn keine Familie vor Ort ist. Es gibt auch weitere Lebensmodelle, die das auffangen können: in den eigenen vier Wänden, im betreuten Wohnen oder in einer anderen der vielfältigen Möglichkeiten. Es kann auch eine Wohngemeinschaft sein, auch eine "Wahlfamilie" ist eine Option, mit der man/frau gemeinschaftlich wohnen und leben kann. Damit eine solche Gemeinschaft funktionieren kann, ist ein freundschaftliches, friedliches Miteinander eine der Grundvoraussetzungen. Und warum sollte man sich nicht schon frühzeitig, zum Beispiel vor Rentenbeginn, mit dieser Situation auseinandersetzen?

Die aktuellen gesetzlichen Vorgaben in Freiburg sehen solche alternativen Wohnformen im Alter in der Regel nicht vor. Wenn sich Menschen zusammenfinden, die zusammen alt werden wollen, Konzepte entwickeln, so gibt es kaum offene Ohren oder gar Fördermöglichkeiten, es sei denn, die Alten sind bereits dement.

In einer alternden Gesellschaft, in der die "fitten und nicht-fitten Greise" immer mehr werden, sollte jedes neue Bauen auf Altenfreundlichkeit geprüft werden: Wohin mit Rollatoren, E-Bikes? Sind die Alten mittendrin oder außen vor geplant? Ist die Innenausstattung nicht nur behinderten-, sondern auch altengerecht? "Mumifiziert sterben" bedeutet vor allem: Vereinsamung. Und dieser Vereinsamung im Alter kann vorgebeugt werden, vor allem wenn es keine Familie gibt: mit einem aktiven Freundeskreis, einem aktiven Wohnumfeld oder einem aktiven Altenwohnprojekt, wie dem seit neun Jahren bestehenden Projekt "Birnbaum". Bernd Obrecht und Anne Reyers, Freiburg