Der Wald stabilisiert das Klima und leidet trotzdem

Dirk Sattelberger

Von Dirk Sattelberger

Sa, 27. Juni 2020

Todtnau

Experten sagen voraus, dass sich der Schwarzwald verändern wird.

(BZ/dsa). Auch in Tegernau im Kleinen Wiesental ist ein Nasslager am Start: Der Landesbetrieb Forst BW betreibt dort Schadensbegrenzung im sturm- und käfergeplagten Staatswald. Genehmigte Kapazität: 10 000 Festmeter hochwertiges Sturmholz. Durch die ständige Bewässerung lasse sich wertmindernder Insekten- und Pilzbefall der Stämme vermeiden, betonen die Förster. Auch hier geht es um Fichten, die Opfer eines Sturm geworden sind. Von sogenannten Trockenlagern hält man hier nicht viel: Bei dieser Methode landen die Stämme in einer luftdichten Plastikverpackung. Die Käfer werden zwar abgehalten, aber die Plastikfolien verlieren ihre Funktion, sobald sie ein kleines Leck bekommen. Teurer ist das Verfahren auch.

Die Förster gehen davon aus, dass die neueste Entwicklung von Dürrejahren, Stürmen und Käferplagen Teil der weltweiten Klimaveränderung sind. Die Rede ist von einem "Flächenbrand" speziell bei den Fichten. Auch Laien sehen die Spuren bei einem Spaziergang oder einer Radfahrt deutlich und werden laut Landesbetrieb die hiesigen Wälder weiterhin prägen. Braune Nadelbäume und kahle Flächen gibt es jetzt schon viele. Man müsse sich an die Beeinträchtigungen der Erholungsmöglichkeiten im Wald gewöhnen, heißt es in der Mitteilung. Die Wald- und Baumartenstruktur werde sich in Zukunft deutlich und viel schneller als bisher verändern. Auch bislang nicht heimische Baumarten werden der Prognose des Forstbezirks zufolge häufiger anzutreffen sein. Für den Forstbezirk sei oberstes Ziel, sogenannte klimastabile Wälder für die Zukunft zu entwickeln. Das wird Jahre, eher Jahrzehnte dauern.

Gleichzeitig sind die Wälder wichtig beim Abbau des Klimakillers Kohlendioxid: Die Bäume binden das Kohlendioxid, indem sie es in Holz einbauen und beim Wachsen abgeben. Im Landkreis Lörrach und der nachgelagerten Holzverwendung werden auf diese Weise rund 342 000 Tonnen Kohlendioxid im Jahr "neutralisiert". Damit lässt sich der Kohlendioxidausstoß von knapp 40 000 Einwohnern des Landkreises ausgleichen, hat das Landratsamt ausgerechnet.