Der Zauberkunst fehlen die Frauen

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Von dpa

Do, 19. Mai 2022

Panorama

Magierszene möchte um Zauberinnennachwuchs werben.

Siegfried und Roy, Ehrlich Brothers oder David Copperfield – die bekanntesten Zauberer sind Männer. Eine Frau, die international Erfolg hat und als Zauberin Roxanne unter anderem in Las Vegas und Hollywood auftritt, ist Petra Fröschle aus Stuttgart. "Natürlich sind in der Geschichte der Zauberkunst die Zauberer, die große Berühmtheiten sind und denen man nacheifert, häufig Männer", erklärt sie.

Mehr als 90 Prozent der Magier sind Männer. Der nationale Zauberverein Magischer Zirkel von Deutschland (MZvD) zählt unter den 2620 deutschen Zauberern gerade einmal 210 Frauen. "Vor allem im Mittelalter war es so, dass Frauen, die etwas machten, was Männer nicht begriffen oder nachvollziehen konnten, als Hexen abgestempelt wurden", erklärt Fröschle. In der Männerwelt war es nicht gerne gesehen, wenn eine Frau einen Zaubertrick oder etwas Unerklärliches vorführte. "Das wurde dann selten goutiert, sondern eher verfolgt."

Zudem waren laut Fröschle in Clubs, in denen sich Zauberer ausgetauscht haben, lange Zeit keine Frauen als Magier erlaubt. In der ersten Vereinigung, dem Magic Circle of London, sind erst seit 1991 Frauen zugelassen. Dort seien sie bis dahin höchstens Assistentinnen gewesen und hätten keine "Wunder" vollbracht.

Die meisten Zauberkünstler sind dem Magischen Zirkel zufolge zwischen 45 und 60 Jahre alt, denn vor allem in den 90er-Jahren hatte die Magie eine große Anziehungskraft. Die Corona-Pandemie führte dazu, dass der Nachwuchs sowohl bei Männern als auch Frauen weitgehend ausblieb – auch weil der Zirkel so gut wie keine Aufnahmeprüfungen anbot.

Anwärter und Anwärterinnen, die die Prüfungen bestehen, bekommen Zugriff auf das Netzwerk des Verbandes, sagt die Sprecherin des Zirkels, Michelle Spillner, die selbst zaubert. Bücher, Workshops und die anderen Magier unterstützen den Nachwuchs beim Lernen neuer Zaubertricks.

Der Zauberin Fröschle ist es wichtig, dass der Mentor nicht zwischen Mädchen oder Jungen unterscheidet. Ein Problem sei, dass Frauen oft die großen und plakativen Vorbilder fehlten. Dennoch merke sie, dass der Nachwuchs zunehmend weiblicher werde. "Es ist aber immer noch ein kleiner Prozentsatz."

Die Szene ist sich des Zaubererinnenmangels durchaus bewusst. So soll es beim Festival "HocusPocus Fürstenfeld" in Fürstenfeldbruck bei München auch eine Show geben, in der nur Frauen ihre Tricks vorführen. In ganz Europa wurden dafür Magierinnen gesucht, wie der Festivalleiter Markus Laymann sagt.

Bei dem fünftägigen Festival, das am Mittwoch startet, nehmen im Rahmen des Kongresses "Magica2020" 700 Zauberinnen und Zauberer teil. Dort wird alle drei Jahre der Titel "Deutscher Meister in der Zauberkunst" vergeben. Den hatte 2011 das erste und bisher einzige Mal eine Frau gewonnen.