Derby außer Konkurrenz

René Kübler

Von René Kübler

Sa, 20. Juli 2019

SC Freiburg

Der SC Freiburg verliert sein Testspiel gegen den VfB Stuttgart in Schruns mit 2:4 / Haberer verletzt sich, Neuzugang Jeong trifft und Streich lobt den Gegner.

SCHRUNS. Die Ansage war eindeutig an die Anhänger des SC Freiburg gerichtet. "Mit dem Ergebnis ist es wie mit dem Wetter: Man kann es sich schöntrinken." Natürlich hatte der Bierverkäufer auf der Tribüne des kleinen Fußballstadions in Schruns mit seinem semi-originellen Spruch in erster Linie Profit im Sinn. Der Mann wollte seine gekühlten Getränke loswerden, bevor es um die Schaumkronen geschehen war. Trotzdem dürften die, die mit dem Sportclub sympathisieren, dankbar gewesen sein für ein bisschen Ablenkung. Denn ihre Mannschaft lag in diesen Minuten 0:3 zurück gegen den VfB Stuttgart. Und der ist bekanntlich nicht mehr Erst-, sondern Zweitligist. Am Ende des kurzfristig anberaumten Testspiel-Derbys über viermal 30 Minuten stand es dann 4:2 für die Schwaben, die den Schwung gerne mitnahmen auf die gut dreistündige Heimfahrt. Und in Richtung Ligastart am kommenden Freitag gegen Hannover 96.

Trainingsrückstand der Freiburger sichtbar

Christian Streich, der Freiburger Trainer, nimmt die Niederlage hinterher gelassen hin. Erklärungen dafür drängen sich geradezu auf. Dass sein Team im Vergleich zu den Schwaben in Sachen Saisonvorbereitung Rückstand hat, will er gar nicht erwähnen. Und doch war die daraus resultierende Kettenreaktion – müde Beine, müder Kopf, schwindende Konzentration, Fehler – besonders während der zweiten 30 Minuten der intensiven fußballerischen Auseinandersetzung nicht zu stoppen gewesen. Nach Treffern von Didavi, Gomez und Castro führten die Stuttgarter noch vor der eigentlichen Halbzeitpause 3:0.

"Wir haben gut angefangen und kein Tor geschossen", bilanziert Streich: "Und im zweiten Viertel war der VfB dann einfach spritziger und klar besser." Wobei der SC-Coach auch Wert auf die Feststellung legt, dass diese Stuttgarter Mannschaft besser sei als ihre Klassenzugehörigkeit. "Es ist Wahnsinn, dass das ein Zweitligist sein soll", findet Streich – und schiebt gleich noch eine eindeutige Prognose hinterher: "Die werden mit dieser Qualität auf jeden Fall Erster oder Zweiter in der zweiten Liga."

Gelohnt hat sich der Test in Streichs Augen auf jeden Fall. Auch wenn sich Janik Haberer eine Knöchelverletzung zuzog und womöglich einige Zeit ausfallen wird. Und obwohl der Ablauf des Trainingslagers durch den frühen und ausführlichen Test anders ist als in den Vorjahren, in denen zunächst geübt und dann erst gegen starke Teams geprobt wurde. Dank des jetzigen Modells kann Streich zumindest einige zusätzliche Erkenntnisse in die nächste Trainingswoche mitnehmen. "Ich habe was gesehen", sagt er etwas geheimnisvoll. Doch einige Hinweise waren eindeutig genug.

Dass mit der Hereinnahme des Innenverteidiger-Duos Lienhart/Heintz und Nicolas Höfler ins Mittelfeld Stabilität einkehrte, konnte niemand übersehen. Auch die belebende Wirkung des späten Torschützen Jeong auf die SC-Offensive wurde deutlich. Zwar unterliefen dem jungen Südkoreaner einige Fehler, aber sein Tempo und sein Aktionsdrang können der Mannschaft guttun. Jeongs Landsmann Kwon hat dagegen nach langer Verletzungspause noch damit zu tun, sich physisch in Topverfassung zu bringen. Auch das wurde bei dessen erstem Einsatz im SC-Trikot deutlich. Und noch etwas ist Streich aufgefallen. "Flanken und Standards waren nix bei uns!" Aber das habe man ja auch noch nicht trainiert.

Freiburg spielte mit - erste 60 Minuten: Flekken, Schmid, Rüdlin, N. Schlotterbeck, Günter, Abrashi, Frantz, Kwon (46. Ravet), Sallai, Höler, Petersen. Zweite 60 Minuten: Thiede, Tempelmann, Lienhart (106. Barbosa), Heintz, Kammerbauer (108. Herrmann), Höfler, Haberer (87. Nieland), Borello, Jeong, Terrazzino, Gondorf. Tore: 0:1 Didavi (25.), 0:2 Gomez (55.), 0:3 Castro (57.), 1:3 Terrazzino (101.), 1:4 Coulibaly (107.), 2:4 Jeong (116.).