Deutsche Tischtennis-Asse glänzen

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Von dpa

Mo, 01. Juli 2019

Olympische Spiele

Vier von fünf möglichen Goldmedaillen bei den Europaspielen in Minsk / Bronze für Donaueschinger 800-Meter-Läufer Kessler.

MINSK (dpa/gg). Auftrag erfüllt, alle Olympia-Tickets gebucht. "Wir reisen mit ganz breiter Brust nach Hause", sagte Richard Prause, der Sportdirektor des Deutschen Tischtennis Bundes, als sich zum Abschluss der Europaspiele am Samstag auch noch das Männer-Team gegen Schweden und die Frauen gegen Rumänien mit glatten 3:0-Finalsiegen Gold sicherten. Insgesamt 25 Medaillen für Deutschland.

"Es war eine eindrucksvolle Leistung, man kann fast sagen, Machtdemonstration", befand der deutsche Verbandspräsident Manfred Geiger. Mit vier von fünf möglichen Goldmedaillen, mit Tokio-Startplätzen für beide Teams und damit auch für je zwei Einzelspieler sowie im Mixed haben die Tischtennisspieler das Beste aus der Woche in Minsk gemacht.

25 Medaillen, davon sieben goldene, holte die Mannschaft des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) bei der zweiten Auflage der Europaspiele. "Wir hätten sicherlich gern die eine oder andere Medaille mehr gehabt", räumte Delegationsleiterin Uschi Schmitz ein. Eine Vorgabe hatte der DOSB, der vor vier Jahren in Baku noch 66 Podestplätze erreicht hatte, nicht formuliert. Neben der herausragenden Abteilung Tischtennis durften vornehmlich die Kanuten, Boxer und Ringer zufrieden sein. Die Schützen lieferten ein durchwachsenes Resultat, die Judokas enttäuschten.

"Das beste Team Europas", wie Tischtennis-Topstar Timo Boll seine Mannschaft bezeichnete, erspart sich weitere Mühen. Männer-Bundestrainer Jörg Roßkopf kann die Planungen mit Blick auf die am 24. Juli 2020 beginnenden Olympischen Sommerspiele in Tokio präzisieren. "Zu den Zeitpunkten der Qualifikationsturniere im Januar, April und Mai können wir nun über Lehrgänge als gezielte Olympia-Vorbereitungen nachdenken. Und den Spielern bleiben Reisen erspart", sagte er.

Die Europaspiele insgesamt bleiben sportlich und politisch umstritten. Präsident Alexander Lukaschenko präsentierte in dem von ihm autokratisch geführten Weißrussland ein Sportfest in olympischem Erscheinungsbild, das der Chef der Europäischen Olympischen Komitees, der Slowene Janez Kocljancic, lobte: "Wir haben eine exzellente Organisation erwartet. Aber jetzt würde ich sagen, dass sie sogar besser war als erwartet."

Stephan Mayer, der als Parlamentarischer Staatssekretär im Innenministerium die Bundesregierung in Minsk vertrat, sah es indes als ein "bedauerliches und unglückliches Signal" an, dass Weißrussland noch kurz vor Beginn der Spiele die Todesstrafe vollstrecken ließ. Für Uschi Schmitz hätte "die Veranstaltung mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt, sowohl hier im Land als auch in Deutschland." Doch die Europaspiele sind ein Sammelsurium von Wettkämpfen unterschiedlicher Wertigkeit und damit schwer durchschaubar: Hier gleichzeitig Europameisterschaft, da direkte Olympia-Qualifikation, dort Experimentierfeld wie beim neuen Teamwettbewerb der Leichtathleten. Für Schmitz haben die Europaspiele eine Zukunft, wenn alle Wettkämpfe Zugangsmöglichkeiten zu den folgenden Olympischen Spielen bieten. Krakau 2023 soll somit zum Vorspiel für Paris 2024 werden.

Eine Bronzemedaille für südbadischen Athleten

Von den deutschen Athleten in Minsk kamen vier aus Südbaden: Freistil-Ringerin Nadine Weinauge aus Furtwangen schied in der Klasse bis 68 Kilo im Achtelfinale aus; Radrennfahrer Nico Denz aus Albbruck wurde im Straßenrennen 56. und im Zeitfahren Elfter; Christoph Kessler aus Donaueschingen kam als 800-Meter-Startläufer mit der deutschen Mixed-Medley-Staffel auf Rang drei, was dem deutschen Team bei der als Mannschafts-Wettkampf ausgetragenen Leichtathletik Rang drei und damit Bronze einbrachte; Griechisch-römisch-Ringer Florian Neumaier aus Mühlenbach schied in der Klasse bis 77 Kilo im Achtelfinale nach einer Punktniederlage gegen den Weißrussen Pavel Liakh aus.

Der für den südbadischen Klub TuS Adelhausen startende Freistil-Ringer Nick Matuhin überstand das Achtelfinale im 125-Kilo-Limit ebenfalls nicht. Die beiden ehemals beim Erstligisten USC Freiburg spielenden Basketballerinnen Svenja Brunckhorst und Satou Sabally erreichten mit der deutschen Auswahl im Drei-gegen-drei-Format einen beachtlichen vierten Platz.

In der Teamwertung belegte die deutsche Mannschaft, die vor allem in den Sportarten, bei denen die Europaspiele keine Olympia-Qualifikation darstellten, nicht mit den Topathleten angetreten war, den sechsten Rang – mit insgesamt sieben Gold-, sechs Silber- und 13 Bronzemedaillen. Die Medaillenwertung gewann Russland (44/23/42) vor Gastgeber Weißrussland (24/16/29) und Ukraine (16/17/18). Die dritte Auflage findet in vier Jahren in Krakau und der Region Kleinpolen statt.