Deutsche verzichten bewusst

dpa

Von dpa

Sa, 30. Mai 2020

Panorama

Ernährungsreport vorgestellt / Nur ein Viertel der Befragten isst täglich Wurst und Fleisch.

Täglich Fleisch essen? Die Zeiten sind vorbei. Das zumindest legt der diesjährige Ernährungsreport des Bundeslandwirtschaftsministeriums nahe. Dem am Freitag erschienenen Bericht zufolge hat nur noch rund ein Viertel der Deutschen jeden Tag Wurst oder Fleisch auf dem Teller. Und etwas mehr als die Hälfte gibt an, zumindest manchmal ganz bewusst darauf zu verzichten, sich also flexitarisch zu ernähren. Der Anteil von Menschen, die ausschließlich vegetarisch oder vegan essen, bleibt bei fünf beziehungsweise einem Prozent.

"Unsere Verbraucher setzen auf Abwechslung und Vielfalt", sagt Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) über die Essensvorlieben der Befragten. Wenige seien dogmatisch in ihren Essgewohnheiten. "Staatliche Vorgaben für den privaten Einkaufszettel und Einkaufskorb wären der falsche Weg." Die Umweltorganisation Greenpeace fordert hingegen mehr Einsatz: "Frau Klöckner muss sich mehr als Ernährungsministerin verstehen und aktiv für eine fleischärmere, gesündere und dadurch auch klimaschonende Ernährung werben", verlangt der Landwirtschaftsexperte der Organisation, Martin Hofstetter.

Das Wohlergehen der Tiere spielt bei den Verbrauchern nicht nur eine Rolle, wenn es darum geht, wie oft sie Fleisch verzehren. Grundsätzlich seien die Befragten bereit, für eine bessere Haltung höhere Preise in Kauf zu nehmen, heißt es in dem Bericht. An der repräsentativen Umfrage nahmen 1000 Verbraucherinnen und Verbraucher ab 14 Jahren teil.

"Die verbale Bereitschaft, mehr für tierwohlgerechtere Produkte zu zahlen, ist erfreulich", kommentiert Julia Klöckner. "Leider sieht es an der Ladentheke oftmals noch anders aus." Die Ministerin zeigte sich bei der Vorstellung des Berichts in Berlin überzeugt davon, dass die Mehrkosten für das Tierwohl nicht nur an der Kasse bezahlt werden sollten. "Nicht jeder Bürger kann sich das leisten." Man müsse auch acht darauf geben, dass etwa Fleisch nicht zum Luxusprodukt werde. Staatliche Finanzierungsmodelle seien notwendig. Bauernpräsident Joachim Rukwied forderte, von einem höheren Preis – etwa für mehr Tierwohl – müsse auch bei den Landwirten etwas ankommen.

Bei den Haltungsstandards wünschen sich viele Verbraucher mehr Transparenz. Mehr als 80 Prozent sprachen sich für Tierwohlkennzeichnungen auf Lebensmitteln aus. Damit könnten Halter, die über die staatlichen Vorgaben zum Tierwohl hinausgehen, auf sich aufmerksam machen. Aus der freiwilligen Auskunft müsse schleunigst eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung werden, forderte WWF-Ernährungsexpertin Tanja Dräger de Teran. Ein solches verpflichtendes Siegel ist Klöckner zufolge aber auf nationaler Ebene rechtlich nicht möglich.

Kritik an der Kennzeichnung kam auch von den Verbraucherschützern von Foodwatch. "Das Tierwohllabel wird nichts daran ändern, dass Nutztiere in Deutschland massenhaft krank gemacht werden", sagte der Tierarzt und Kampagnenleiter Matthias Wolfschmidt. Es brauche gesetzliche Vorgaben zur Tiergesundheit und eine Erfassung von Verstößen in Betrieben und bei Transporten.