Der Staatsfeind

Anja Reich

Von Anja Reich

Fr, 21. September 2018

Deutschland

BZ-Plus Er ist in Berlin geboren, sein Vater kommt aus Palästina, sein polnischer Großvater kämpfte gegen Nazis, doch bei der Einreise nach Israel hat Nadim Sarrouh Probleme.

Es ist mittags gegen 13 Uhr, an einem heißen Augusttag, als Nadim Sarrouh sagen soll, welcher Herkunft sein Blut ist. Sarrouh, 34 Jahre alt, Spieleentwickler aus Berlin, kommt gerade mit seiner Frau, ihren Geschwistern und Eltern aus einem Kurzurlaub in Jordanien zurück. Die Mutter hatte Geburtstag, sie haben in einem Strandhotel gefeiert und wollen zurück zum Haus der Familie in Gisch, einem Ort im Norden Israels. Am Grenzübergang Yitzhak Rabin in Eilat schieben sie ihre Pässe durch den Schalter, sechs israelische Pässe, ein deutscher.

Die israelischen werden gleich wieder zurückgeschoben, der deutsche nicht. Nadim Sarrouh wartet eine Dreiviertelstunde, dann wird er in einen Raum gebeten und zehn Minuten lang von einer Grenzbeamtin befragt, die üblichen Fragen, die üblichen Antworten: Was Nadim für ein Name sei, ob er christlich oder muslimisch sei, wo sein Vater herkomme, was er in Israel wolle.

Kaum ein anderes Land hat so komplizierte Einreisebestimmungen wie Israel, das ständig mit der Angst vor Kriegen und Terror leben muss. Auf der Website des Auswärtigen Amtes sind seitenlange Warnungen aufgelistet. Einreiseverbote, Einreisebestimmungen, verschiedene Hinweise für verschiedene Bevölkerungsgruppen und Grenzübergänge. Über den jordanisch-israelischen erfährt man, dass "mit mehrstündigen Sicherheitsbefragungen, bis hin zur Verweigerung der Einreise zu rechnen ist". Über "deutsche Staatsangehörige mit auch nur vermuteter arabischer Abstammung oder islamischer Religionszugehörigkeit", dass sie "mit einer Sicherheitsbefragung rechnen müssen" – "Racial profiling" nennt man das auch.

Nadim Sarrouh weiß, was das heißt. Jedes Mal, wenn er nach ...

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