BZ-Interview

Schmeicheleien: „Anfällig sind wir alle“

Stefan Hupka

Von Stefan Hupka

Sa, 27. Februar 2010

Deutschland

BZ-GESPRÄCH mit dem Politologen Hans-Otto Mühleisen über das Rauschgift der Mächtigen und Ohnmächtigen: die Schmeichelei.

Der Begriff steht weder im Grundgesetz, noch im politischen Wörterbuch. Und doch spielt er eine Riesenrolle in der Politik: Schmeichelei. Es ist die Kunst, jemanden so subtil für eigene Interessen einzuspannen, dass er es nicht merkt. Der Politologe Hans-Otto Mühleisen (69) hat das Phänomen erforscht. Mit ihm sprach Stefan Hupka.

BZ: Herr Professor Mühleisen, wir schätzen uns glücklich, dass einer der brillantesten Denker und Redner seiner Zunft geruht, einige Minuten mit uns zu sprechen, und möchten uns gleich erkundigen, warum er mit seiner Fülle von Begabungen nicht längst in der großen Politik Karriere gemacht hat.
Mühleisen(lacht):Sie wollen mir schmeicheln.

BZ: Warum könnte ich das wollen?
Mühleisen: Weil Schmeichelei ein Grundphänomen aller Beziehungen zwischen Menschen ist, von der Familie über die Wissenschaft bis in die Politik. Und weil sie mehr Wirkung hat, als wir wahrnehmen. Wenn wir einen Blick dafür bekommen, wie das funktioniert, dann merken wir, dass wir selber dieses Mittel permanent anzuwenden versuchen. Übrigens auch, dass wir angeschmeichelt werden, wenn wir selber etwas zu vergeben haben...

BZ: ... zum Beispiel ein Interview. Ist denn Schmeichelei illegitim?
Mühleisen: Sie birgt Gefahren, über die noch zu reden sein wird, aber sie ist zunächst ein grundmensch-liches Verhaltensmuster. Es hat damit zu tun, dass wir überhaupt nur leben können, wenn wir von Anderen Beachtung bekommen. Beachtung brauchen wir für unsere Selbstliebe, und diese wiederum ist überlebenswichtig.

BZ: Und die Gefahren?
Mühleisen: ... bestehen darin, dass unser Bedürfnis nach Selbstliebe vom Schmeichler ausgenutzt wird. Das kann dieses eigentlich sinnvolle Grundmuster dann pervertieren.

BZ: Macht Selbstliebe uns erpressbar?
Mühleisen: Jedenfalls verführbar. Wie in Jean de La Fontaines Fabel. Da lässt der Fuchs den Raben ...

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