Freiwillige Arbeit in der Dritten Welt

Weißer Mann, wohin?

Antje Hildebrandt

Von Antje Hildebrandt

Sa, 01. Juni 2013

Deutschland

Immer mehr Jugendliche gehen nach dem Abitur als Freiwillige zum Arbeiten in die Dritte Welt und zahlen dafür noch viel Geld – was aber lernen sie dort?.

Es ist, als ob der Scheinwerfer angeht und sich alle Blicke auf ihn richten. Da steht er plötzlich wie auf einer Bühne und doch neben sich, der Abiturient aus Berlin, und verfolgt ungläubig staunend, was mit ihm geschieht. "Obruni", rufen die afrikanischen Kinder, und ihre Augen leuchten. Das bedeutet: "Weißer Mann." Heute lacht Joshua Franz, 20, verlegen, wenn er von seinem ersten Tag in Ghana erzählt. Davon, wie ihn Kinder anfassten. So, als wollten sie sich vergewissern, dass seine helle Haut echt war, keine Schminke. Es kommt nicht so oft vor, dass sich westeuropäische Touristen in dieser Ecke von Ghanas Hauptstadt Accra verirren, einem Moloch mit 2,3 Millionen Einwohnern.

7500 Kilometer liegen zwischen der Ersten und der Dritten Welt, doch in diesem Moment schwindet die Distanz. Die Ghanaer begrüßen den Zwei-Meter-Mann wie jemanden, den sie schon lange kennen, einen Popstar oder einen verschollen geglaubten Sohn.

Vielleicht ist ihm da zum ersten Mal bewusst geworden, worauf er sich eingelassen hat, als er nach dem Abitur eine Karte zieht, die viele spielen, die noch nicht so genau wissen, wer sie sind und was sie wollen. "Etwas mit Menschenrechten", sagen viele. Jetzt ist er hier, als Praktikant in einem Menschenrechtsbüro von Projects Abroad, einem der größten kommerziellen Anbieter von Auslandsreisen für Freiwillige. Er soll straffällig gewordene Jugendliche in Englisch unterrichten, das ist der Plan. Doch seine bloße Anwesenheit ...

BZ-Archiv-Artikel

Einfach registrieren und Sie können pro Monat 10 Artikel kostenlos online lesen - inklusive BZ-Plus-Artikel und BZ-Archiv-Artikel.

Gleich können Sie weiterlesen!

Exklusive Vorteile:

  • 10 Artikel pro Monat kostenlos
  • BZ-Plus-Artikel lesen
  • Online-Zugriff auf BZ-Archiv-Artikel
  • Qualitätsjournalismus aus Ihrer Heimat
  • An 18 Standorten in Südbaden – von 150 Redakteuren und 1500 freien Journalisten
  • Verwurzelt in der Region. Kritisch. Unabhängig.
  • Komfortable Anzeigenaufgabe und -verwaltung
  • Weitere Dienste wie z.B. Nutzung der Kommentarfunktion
  • Zugang zu mehreren Portalen der bz.medien: badische-zeitung.de, fudder.de und schnapp.de

* Pflichtfelder

Anmeldung

* Pflichtfelder

Meine BZ