Weltkriegsopfer: Die Namenlosen und der Kommissar

Bernhard Honnigfort

Von Bernhard Honnigfort

Mo, 15. März 2010

Deutschland

Noch heute werden Weltkriegsopfer gefunden. Nicht alle bleiben anonym. Die Geschichte einer Identifizierung.

Es hört nicht auf zu schneien. Die Trauergemeinde friert, man trampelt vorsichtig auf der Stelle, um sich warm zu halten. Pfarrer Rainer Petzold spricht das Vaterunser. 90 Leute sind zur Wallot-Kapelle gekommen, stehen jetzt draußen auf dem Ehrenhain des Johannisfriedhofs in Dresden-Tolkewitz, schutzsuchend unter großen Tannen, und sehen zu, wie vier Männer in schwarzen Mänteln zwölf kleine Särge vorsichtig an dicken Seilen ins offene Grab herablassen. Zwölf kleine Särge, gerade einmal größer als ein Schuhkarton, grau und aus Pappe, darin die Überreste von 14 Menschen. Es dauert nicht lange. Der Posaunenchor spielt noch einmal, Pfarrer Petzold erteilt den Segen. Dann ist die Feier vorbei.

14 Tote, beerdigt an einem kalten, verschneiten Freitag des Jahres 2010. Zwölf von ihnen haben keine Namen. Niemand wird je erfahren, wer sie einmal waren, wie sie lebten, was sie taten. Sie alle kamen um in Dresden im Frühjahr 1945, als alliierte Bomber mehrmals die Stadt angriffen, sie in Brand setzten und ein gewaltiger Feuersturm jeden tötete, der nicht rechtzeitig fliehen konnte. Sie wurden verschüttet, erschlagen, sie erstickten, starben in Kellern, Gräben oder Schächten. Viele Leichen blieben dort liegen. Die Ruinen der Häuser wurden später abgerissen, die Keller zugeschüttet.

Aber der Krieg steckt noch tief im Boden. Noch heute findet man die Toten. Beim Straßenbau, beim Verlegen von Gasleitungen, ...

BZ-Archiv-Artikel

Einfach registrieren und Sie können pro Monat 10 Artikel kostenlos online lesen - inklusive BZ-Plus-Artikel und BZ-Archiv-Artikel.

Gleich können Sie weiterlesen!

Exklusive Vorteile:

  • 10 Artikel pro Monat kostenlos
  • BZ-Plus-Artikel lesen
  • Online-Zugriff auf BZ-Archiv-Artikel
  • Qualitätsjournalismus aus Ihrer Heimat
  • An 18 Standorten in Südbaden – von 150 Redakteuren und 1500 freien Journalisten
  • Verwurzelt in der Region. Kritisch. Unabhängig.
  • Komfortable Anzeigenaufgabe und -verwaltung
  • Weitere Dienste wie z.B. Nutzung der Kommentarfunktion
  • Zugang zu mehreren Portalen der bz.medien: badische-zeitung.de, fudder.de und schnapp.de

* Pflichtfelder

Anmeldung

* Pflichtfelder

Meine BZ