Kreis Rotenburg

Zusammenhang von Gasförderung und Krebserkrankungen?

Bernhard Honnigfort

Von Bernhard Honnigfort

Mi, 27. April 2016

Deutschland

212 Ärzte schlagen Alarm wegen Krebserkrankungen im Kreis Rotenburg / Bürger und Kommunalpolitiker fordern das sofortige Ende der Gasförderung.

Da sitzt er, der alte Bauer, auf der Bank vor seinem Haus und genießt die warme Mittagssonne. Ein wuchtiger Mann, die Mütze schief auf dem Kopf, 63 Jahre alt, krebskrank. "Noch lebe ich", sagt Andreas Rathjens aus Groß Meckelsen. "Und solange ich lebe, werde ich noch einigen hier in den Hintern treten." Am Tag zuvor hat er es getan. In der Lokalzeitung stand, eine Firma sei durch Rathjens aufgeflogen, die jahrelang illegal alte Rohre aus der Erdgasförderung gelagert und unsachgemäß gereinigt habe. "Eine Riesensauerei", sagt der Bauer. Und dann mit listigem Grinsen: "Das habe ich doch gut hingekriegt."

Sein Leben lang war Rathjens Landwirt. Dann, vor zehn Jahren, bekam er Krebs, Lymphsystem und Haut, sagt er. Woran es gelegen habe? Keine Ahnung, sagt er. Kann alles Mögliche gewesen sein. "232 Tage im Klinikum Hamburg-Eppendorf, Chemotherapie, das ganze Programm", erzählt er. Und was ihm damals besonders auffiel: "Auf der Station traf ich viele Leute aus dem Kreis Rotenburg. Das gab mir zu denken."

Der Kreis Rotenburg an der Wümme, flaches Land zwischen Hamburg und Bremen, eine Idylle, alte Dörfer, früher Heidelandschaft, Eichen, große Bauernhöfe, Backsteinhäuser. Und tief darunter Deutschlands einzige bedeutsame Erdgasreserven. Mehr als 60 Förderstellen. Seit einem halben Jahrhundert wird hier Gas gefördert. Grob 95 Prozent der deutschen Fördermenge und rund ein Zehntel des jährlichen Verbrauchs.

Aber seit ein paar Monaten reden alle nur noch über Leukämie und Lymphome. Ein Statistiker des Epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen hat sich nämlich den Landstrich und die ...

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