Impfen

Die Argumentation bleibt ein Rätsel

Hermann Eibel

Von Hermann Eibel

Mi, 20. Mai 2020

Leserbriefe

Zu: "Dass ein Impfstoff als alleiniger Heilsbringer postuliert wird, macht mir Sorgen", Zuschrift von Andreas Becking (Forum, 9. Mai)
Dass ein Arzt das Impfen anzweifelt, schockiert mich. In seinem Leserbrief schreibt Andreas Becking (Arzt in Stegen), dass Impfungen das "hochkomplexe Netzwerk des Immunsystems" beeinflussen. Dies ist korrekt, denn wenn die Impfung das Immunsystem nicht beeinflussen würde, wäre sie auch wirkungslos.

Gleichzeitig, so schreibt Herr Becking, hätten Impfungen Nebenwirkungen, vor allem Allergien, Autoimmunerkrankungen und andere chronisch-entzündliche Erkrankungen in Form "sekundärer Impfprobleme", ohne dies aber in irgendeiner Form belegen zu können. Im Weiteren führt Herr Becking aus, dass die Strukturen unseres Gesundheitssystems die Ausrottung von Krankheiten anstreben und damit die oben genannten Krankheitsbilder begünstigen würden. Hier hat Herr Becking sogar Recht, denn wer vor der Einführung von Antibiotika und Impfungen an Tetanus, Tollwut, Tuberkulose, Scharlach, Pocken oder Polio verstorben ist, hatte sicher nach seinem frühen Tod kein Problem mit Allergien oder Autoimmunerkrankungen...

Herr Becking arbeitet, wie er schreibt, lieber komplementärmedizinisch an der Erhaltung der Gesundheit. Das tun sicher die meisten Menschen auch ganz ohne Komplementärmedizin, denn für die meisten wird ein sekundärer Krankheitsgewinn sicher hinter der eigenen Gesundheit weit zurückstehen. Weshalb allerdings, wie in dem Leserbrief weiter zu lesen ist, die Sars-CoV-2-Pandemie uns vor Augen führt, dass das Virus nie alleine die Ursache schwerwiegender Krankheitsverläufe ist, bleibt dabei ein Rätsel.

Impfstoffe gegen Sars-CoV-2 werden auch nicht unter "Umgehung wissenschaftlicher Regeln" entwickelt, sondern auf der Basis von Forschung, wissenschaftlichen Erkenntnissen und genauen Prüfungen. Ein Impfstoff gegen Sars-CoV-2 wäre daher auch kein "alleiniger Heilsbringer", sondern eine sehr wertvolle Hilfe gegen die Infektion mit diesem Virus und in vielen Fällen auch die Rettung für die Patienten, die schwer an Covid-19 erkrankt sind. Die Vorurteile gegen einen Sars-CoV-2 Impfstoff scheinen daher eher auf der Seite von Herrn Becking zu liegen.

Das wäre nicht weiter schlimm, wenn er nicht gleichzeitig Arzt wäre, der seine Patientinnen und Patienten vor Schaden bewahren sollte. Hermann Eibel,Immunologe, Uniklinik Freiburg