Die Bedeutung der kleinen Dinge

Niclas Boos, Klasse 8b, Montfort-Realschule (Zell im Wiesental)

Von Niclas Boos, Klasse 8b, Montfort-Realschule (Zell im Wiesental)

Fr, 27. April 2018

Schülertexte

ZISCHUP-INTERVIEW mit der Studentin Laura Boos über die Vorteile eines Praktikums im Ausland, über Afrika und tolle Leute.

Die 21-jährige Studentin Laura Boos aus Schopfheim, die im Moment in Darmstadt Soziale Arbeit studiert, hat vom 19. April bis 14. Juli 2016 ein Auslandspraktikum in einer Vorschule in Moshi, Tansania, absolviert. Ihr Bruder, Zischup-Reporter Niclas Boos aus der Klasse 8b der Montfort-Realschule in Zell im Wiesental, hat mit ihr über die Zeit in Tansania gesprochen.

Zischup: Was hast du in Tansania gemacht?
Laura: Nach meinem Abitur 2015 war mir klar, dass ich nicht sofort mit einem Studium anfangen möchte. Deshalb entschied ich mich zunächst für eine Zeit als Au-Pair. Dies war aber nur der halbe Plan, denn von Beginn an wusste ich, dass ich gerne in einem afrikanischen Land ein Praktikum machen möchte. Deshalb ging ich nach Tansania. Neben den Aspekten, die Zeit sinnvoll zu nutzen, viele neue Erfahrungen zu sammeln und über mich selbst hinauszuwachsen, war das Praktikum auch für die Bewerbung für den Studiengang Soziale Arbeit wichtig.

Zischup: Wieso wolltest du dein Praktikum ausgerechnet in Tansania machen?
"Ich habe die glücklichsten

Menschen kennengelernt,

die ich je getroffen habe."

Laura: Das Praktikum hätte ich natürlich auch im Inland oder jedem anderen Land machen können. Trotzdem war es für mich dann ziemlich schnell klar, dass ich mich auf den Kontinent Afrika konzentrieren möchte. Ich habe dann im Internet nach Organisationen geschaut, welche Praktika in Afrika anbieten. Tansania kam dann gleich schon in die engere Wahl. Als ich dann die Organisation World Unite gefunden habe, war die Entscheidung gefallen. Bei Tansania als Land hatte ich gleich ein gutes Bauchgefühl. Der Kilimandscharo, Sansibar und die ganzen Nationalparks waren nur wenige der vielen Highlights.

Zischup: Was macht Tansania so besonders?
Laura: Die Natur spielt eine große Rolle. Tansania ist ein unglaublich schönes Land und sehr vielfältig. Alleine eine längere Busfahrt ist eine tolle Sache, weil man dabei die wunderschöne Landschaft bestaunen kann. Aber für mich sind es die Menschen, die Tansania zu einem ganz besonderen Land machen. In Tansania sind die Menschen sehr arm und werden zusätzlich von der Regierung unterdrückt. Besonders den Kindern geht es sehr schlecht, weil es keine Kinderrechte gibt. Trotzdem habe ich die glücklichsten Menschen, die ich jemals getroffen habe, kennenlernen dürfen. Ganz getreu den zwei Landesmottos "Pole-Pole" (Langsam-Langsam) und "Hakuna Matata" (Keine Sorgen) hatten die Menschen immer gute Laune und haben alles sehr entspannt gesehen. So etwas wie Stress, Gesellschaftsdruck und volle Terminkalender gibt es dort nicht. Genauso wenig wie Pünktlichkeit. Man lebt viel mehr in den Tag hinein. Die Menschen sind sehr offen, haben einen großen Zusammenhalt und haben mich auch sehr freundlich aufgenommen.

Zischup: Was ist das NGCC, für das du in Tansania gearbeitet hast, für eine Organisation?
Laura: Das New Generation Children Centre ist die Organisation, durch die ich mein dreimonatiges Praktikum absolvieren konnte. Es ist eine Nichtregierungsorganisation, die keine Unterstützung vom Staat bekommt, sondern selbst finanziert werden muss. NGCC bietet Kindern aus armen und schwachen Familien ein Recht auf Bildung. Es handelt sich um vernachlässigte, verstoßene Kinder sowie Waisen und Straßenkinder und an HIV erkrankte Kinder. Neben Bildung, die hauptsächlich spielerisch beigebracht wird, und Sport bekommen die Kinder eine Mahlzeit, die für viele oft die einzige am Tag ist. Es geht aber auch darum, den Kindern ein sicheres Umfeld zu geben.

Zischup: Welche Erfahrungen hast du in deinem Praktikum in Tansania gemacht?
Laura: Ich habe sehr viele Erfahrungen gemacht. Gute sowie natürlich auch schlechte. Aber trotz allem haben mir die Erfahrungen gezeigt, dass eine einzelne Person sicher nicht die Welt verändern kann, aber man kann schon viel bewirken. Man kann sein Wissen teilen und seine Liebe, was für viele das Wertvollste ist. Ich habe zudem die Erfahrung gemacht, dass es bei uns leider sehr selten geworden ist, sich über Kleinigkeiten oder nette Gesten zu freuen. Wir nehmen vieles nicht mehr wahr, anstelle allem, auch Kleinigkeiten, eine Bedeutung beizumessen.

Zischup: Was hast du für dich mit nach Deutschland genommen?
Laura: Mit nach Deutschland habe ich das Gefühl genommen, dass sich die Arbeit gelohnt hat und dass ich mich durch die ganzen Erfahrungen in meiner Persönlichkeit weiterentwickeln konnte.