Zisch-Schreibwettbewerb Frühjahr 2020 I

Die geheimnisvolle Erbschaft

Fr, 03. April 2020 um 10:32 Uhr

Schreibwettbewerb

Von Felix Wehrle, Klasse F5, Clara-Grunwald-Schule, Freiburg

B. Zetti und Betti Z. waren ganz schön in Eile. Die beiden Reporter hatten gehört, dass auf der großen Wiese hinter der Grundschule nach einem kleinen Erdbeben eine kleine Höhle freigelegt wurde. Und angeblich sollte die Höhle sehr viel mit ihnen zu tun haben. "Was glaubst du, hat es mit dieser Höhle auf sich", fragte B. Zetti. "Oder was glaubst du, warum diese Höhle ausgerechnet mit uns zu tun hat?" "Keine Ahnung", antwortete Betti Z.. "Wahrscheinlich hat sich diese komische Frau am Telefon vertan und die Höhle hat gar nichts mit uns zu tun. Oh, sieh mal, wir sind da."

Es war keineswegs zu übersehen, dass hier ein großes Loch im Boden war. "Wow!", sagte Betti Z.. "Sieht aus, als ob hier ein Elefant ausprobieren möchte, wie sich ein Maulwurf fühlt, nur ohne Maulwurfshügel." "Oder es ist gleich ein Tyranno-Maulwurf-Rex ohne Maulwurfshügel", fiel Betti Z. ein. Beide lachten, bis sie auf einmal eine bekannte Stimme hörten. "Ihr seid also gekommen."

B. Zetti und Betti Z. drehten sich um. Dort stand eine alte Dame. Jetzt fiel es Betti Z. wieder ein: "Sie haben uns angerufen, oder?", fragten sie. "Genau", antwortete die Dame. "Ich muss euch etwas erklären, aber nicht hier. Es ist super geheim." "Und wo gehen wir dann hin? Hier ist doch nur Wiese", hakte B. Zetti nach. "Hier ist nicht nur Wiese, sondern auch eine Höhle oder ein Loch", sagte die Dame mit ernstem Gesicht. Und damit stiegen sie in das Loch.

Als sie ganz unten waren, deutete die Dame auf einen Gang, den sie jetzt erst erkannten. Endlich kamen sie am Ende von dem Gang an, und man konnte fast nichts mehr sehen. Plötzlich griff die Dame, die im Dunkeln ziemlich unheimlich aussah, an die Decke vom Gang, und hielt sich an einer Wurzel fest, zog daran und dann geschah es. Man konnte meinen, die Decke würde herunterfallen. Aber dann war es stockdunkel, und die beiden Reporter wunderten sich, warum sie nicht zerquetscht wurden. Doch dann wurde es hell, und nun sah man, warum sie nicht zerquetscht worden waren. Die Dame hatte eine versteckte Wand in der Decke heruntergezogen und drückte auf einen Lichtschalter, der aussah wie ein Stein, und irgendwo von oben schien Licht.

"Also", sagte die Dame, "Ich bin Dorothe Schmidtsteiner und war die Haushälterin von eurem Opa Timor Funkelstein. Er ist kürzlich verstorben." "Was?", sagten B. Zetti und Betti Z. wie aus einem Mund. "Ja!", antwortete Dorothe. "Aber ich fasse mich jetzt kurz, weil ihr seid die Erben von Timor Funkelstein." "Hat Opa nicht unsere Mutter, also seine Tochter zum Erben gemacht?", fiel Betti Z. ein. "Nein, denn euer Opa und eure Mutter haben sich gestritten. Aber den Grund kennt ihr ja. Aber was euch sicher neu ist, ist dass Timor immer dachte, dass ihr in eine Villa gehört und nicht in eine Drei-Zimmer-Wohnung. Aber von eurer Mutter dachte er, dass sie eine Verräterin ist, was Reichtum angeht."

B. Zetti und Betti Z. dachten nach. Beide dachten dasselbe. Die ganze Geschichte des Reichtums der Familie Funkelstein fing damit an, dass B. Zetti und Betti Z.s Vorfahren ziemlich arm waren. Ihr Nachname war damals noch Herrmann. Aber als ihr Ururopa neun Jahre alt war (er hieß übrigens Ottokar), kam das Ganze. Sein sehnlichster Wunsch war schon immer eine Spieluhr. Aber seine Familie hatte gerade mal Geld für etwas zu essen. Kurz vor Ottokars zehntem Geburtstag kam er ganz glücklich vom Spazierengehen nach Hause. Er hatte die schönste Spieluhr in der Hand, die man sich überhaupt vorstellen konnte. Wo er das Geld her hatte, blieb sein Geheimnis, und in den nächsten Wochen brachte er immer mehr Geld mit nach Hause, so dass die Familie Herrmann sich ein Zelt zum Wohnen kaufen konnte. Als er 35 Jahre alt war und inzwischen schon ein eigenes Zelt hatte, kam der Durchbruch: Ein riesiges Auto mit Anhänger fuhr zu seinem Zelt (damals gab es fast keine Autos). Der Fahrer stieg aus, überreichte ihm einen Zettel und holte etliche Goldmünzen und Schmuck. Was auf dem Zettel stand, ist auch unbekannt, nur der, der es gebracht hatte, und Ottokar wussten, was darauf stand.

Nun ging aber alles ganz schnell. Ottokar Herrmann kaufte sich ein Schloss, änderte seinen Nachnamen in Funkelstein um und ließ eine Schule vor der Wiese bauen, wo er einst in einem Zelt gewohnt hatte und wurde dort Schuldirektor. Als er starb, erbte B. Zettis und Betti Z.s Opa alles, was Ottokar besaß. Aber als seine Tochter 25 Jahre alt war und heiratete, zerstritt sie sich mit ihm, weil ihr Opa, Timor Funkelstein, wollte, dass sie weiterhin den Nachnamen Funkelstein hatte. Aber sie wollte den Nachnamen ihres Mannes haben, also Müller. Timor glaubte aber fest daran, dass B. Zetti und Betti Z. das Zeug zu einem "Reichen" hatten.

"Heißt das", fragte B. Zetti, "dass ich Schuldirektor werde oder Betti Z. Schuldirektorin?" "Eigentlich ja", erwiderte Dorothe, "aber darum geht es nicht." Jetzt unterbrach Betti Z. sie: "Wieso besprechen wir das in einem Loch in der Erde, das vor einer halben Stunde freigelegt wurde? Wieso gibt es ausgerechnet hier eine getarnte Wand? Und wieso gibt es hier einen getarnten Lichtschalter, der auch noch funktioniert?"

"Dazu komme ich jetzt", sagte Dorothe schon ein bisschen genervt. "Also, das Erdbeben war kein echtes. Euer Opa hat mit einem Teil seines Geldes halt sehr viel Technik hier reingebaut. Wir besprechen das Ganze hier, weil alles super geheim ist. Hier gibt es eine Wand, so dass niemand draußen sieht, dass hier unten Licht brennt. Das wurde auch gebaut, weil alles so super geheim ist…"

"Schon gut, schon gut", fiel Betti Z. ein. "Den Rest müssen Sie uns nicht erzählen. Und was hat das Ganze mit der Erbschaft zu tun?" "Das ist ein Rätsellabyrinth. Hier ist die Tür zum Anfang. Mehr müsst ihr nicht wissen. Das hier werdet ihr noch brauchen, und zwar ganz am Anfang, also nach dieser Tür." Sie überreichte ihnen eine Karte und sagte: "Viel Glück." Sie schaute beide noch einmal an und kletterte aus dem Loch.

"Sieh mal", sagte Betti Z.. "Das ist ein Plan von der Schule." "Richtig", erwiderte B. Zetti. "Aber jetzt müssen wir losgehen. Guck, da ist eine Tür." Die beiden gingen auf die Tür zu. Betti Z. drückte den Türgriff, aber die Tür blieb zu. "Mist", sagte sie. "Und was steht eigentlich hier?" Sie deutete auf einen Spruch in verschnörkelter Schrift, der an der Tür stand: "Euer Großvater wünscht, dass Ihr es einzeln dort versucht, wo er einst Chef war."

"Weißt du, wo das ist?", fragte B. Zetti. "Natürlich", erwiderte Betti Z., "das ist die Schule, wir haben doch einen Plan bekommen. Wahrscheinlich müssen wir uns den Plan nur genau anschauen." Das taten sie dann auch, aber sie fanden nichts.

Plötzlich sagte B. Zetti: "Guck mal, die haben aber einen großen Keller." "Stimmt", erwiderte Betti Z.. "Und so verwinkelt, sieht aus wie ein Geheimgang, und…" "Geheimgang?", unterbrach sie B. Zetti. "Dann müssen wir sicher dort hin." "… und auf keinen anderen Plänen der Schule ist der Keller so groß wie auf diesem, also dieses Gewölbe gibt es auf keinem anderen Plan. Dann nichts wie hin."

Endlich standen sie im Keller der Grundschule und gingen darauf zu. Nach fünf Minuten sagte Betti Z.: "Glaubst du, wir kommen überhaupt irgendwo hin?" "Klar", kam es von B. Zetti zurück, der inzwischen seine Taschenlampe angeschaltet hatte. "Der Karte nach müssen wir gleich da sein."

Und so war es dann auch. Die beiden standen vor einer Tür, und zu ihrer Verwunderung stand dort in verschnörkelter Schrift: "Euer Großvater wünscht, dass ihr es einzeln dort versucht, wo Eurer Ururopa einst in seinem Zelt wohnte." "Jetzt ist der Fall klar", sagte B. Zetti. "Wir müssen die Türklinke von beiden Türen, wo dieser Spruch darauf steht, gleichzeitig runterdrücken." "Leuchtet ein", meinte Betti Z.. "Dann gehe ich zurück." "Gut, dann warte ich hier. Bis gleich."

Nach gut 15 Minuten klopfte es an der Tür. B. Zetti drückte den Türgriff hinunter und die Tür ließ sich öffnen. Sie war ein Meter dick. "Hat geklaaaaaappt!" Betti Z. wäre fast in ein Loch gefallen, das unter der Tür verborgen war. "Glück gehabt", japste sie. "Wahrscheinlich müssen wir hier runter." "Das machen wir, hier ist auch eine Leiter. Ich gehe als Erster."

Die beiden kletterten und kletterten, und bald gaben sie die Hoffnung auf, dass sie auf irgendetwas stoßen könnten, bis B. Zetti etwas entdeckte: "Sieh mal, hier ist eine Klappe in der Wand. Hmm, aber man muss einen Zahlencode eingeben. Und obendrüber steht irgendetwas. Gib mir mal die Taschenlampe."

Doch das war nicht nötig, denn über ihnen brannte auf einmal Licht. "Dann brauche ich die Taschenlampe doch nicht. Das war wohl wieder Opas Spezialtechnik. So, da steht: Das weiß ich, es sind 16,03 Mark." B. Zetti hörte fast nicht mehr auf zu reden, bis Betti Z. sagte: "Dann gibt 1603 ein." "Mach ich doch", entgegnete B. Zetti. "Schau, 1603, und, Sesam öffne dich, die Klappe ist auf."

Betti Z. ging als erste durch die Öffnung und blieb wie angewurzelt stehen. "Was ist los?", fragte B. Zetti. "Ich sehe nur, dass da drinnen Licht scheint. Wow." B. Zetti blieb auch wie angewurzelt stehen. Vor ihnen war ein See, und auf dem See schwamm eine Yacht. "Krass", sagte B. Zetti. "Komm, wir sehen uns das Ganze genau an. Ich wollte schon immer mit einer Yacht fahren." Die beiden stiegen auf das große Motorboot und sahen sich um. "Sieh mal, hier gibt es einen Teil, wo alles aus Glas besteht. Und hier ist eine Druckschleuse mit Taucheranzug." Betti Z. hatte inzwischen den Motor angelassen, und fuhr auf den See hinaus. Plötzlich hörte sie B. Zetti rufen: "Der Seegrund sieht aus wie der eines Pools. Da vorne ist eine Tür am Rand. Wahrscheinlich müssen wir dorthin tauchen." "Das geht nicht", entgegnete Betti Z.. "Hier liegt nur ein Taucheranzug. Es muss eine zweite Möglichkeit geben…" "Hier", rief B. Zetti. "Hier ist ein Stöpsel, den man abdrehen kann. Ich tauche da runter."

Gesagt, getan. B. Zetti zog sich den Taucheranzug an, dann gab es aber ein kleines Problem. B. Zetti wusste nicht, wie man eine Druckschleuse bedient. Nach langem Hin und Her ging er nach oben an Deck und sprang von da aus ins Wasser. Er musste den Stöpsel erst einmal suchen, aber endlich fand er ihn und drehte ihn ab.

Was nun passierte, war unvorstellbar. Alles Wasser floss ab. Als später die Yacht auf dem Boden aufkam, sprang Betti Z. von Bord und watete zu B. Zetti hinüber. "Gut gemacht, jetzt können wir beide durch die Tür gehen. Komm mit." Die beiden wateten zur Tür, machten sie auf, aber was sie nun erblickten, verschlug beiden die Sprache. Berge aus Goldmünzen und Schmuck, sogar mehrere Statuen aus Gold und Juwelen. Und auf dem Boden vor ihnen lag ein altes Pergament. Darauf stand: "Lieber B. Zetti und liebe Betti Z., hiermit vertraue ich euch das große Geheimnis an, dass der ganze Reichtum hier dem großen Arnold Pendelstein gehörte. Euer Ururgroßvater war mit ihm befreundet, als er noch arm war. Als Arnold an einer Krankheit starb, erbte Ottokar alles. Sagt dies niemand anderem.

Euer Großvater Timor Funkelstein."

"Arnold Pendelstein? Er war doch mal Kaiser von Deutschland", sagte Betti Z.. "Ja, genau. Aber glaubst du, dass ich Schuldirektor oder du Schuldirektorin werden", fragte B. Zetti. "Nein!", sagte Betti Z. niedergeschlagen. "Aber Dorothe Schmidtsteiner könnte das ja machen, sie hat ja jetzt keinen Job mehr. Und das ganze Gold verkaufen wir dem Stadtmuseum." "Und zuletzt", sagte B. Zetti, "schreiben wir eine riesige Reportage über das Rätsellabyrinth. Nur nicht, wo es herkommt. Das bleibt unser Geheimnis…"