Halloween

Die Geister sind los

Leonie Lieberam

Von Leonie Lieberam

Mo, 29. Oktober 2012 um 11:46 Uhr

Neues für Schüler

Ob die Gespenster der Vorfahren auch in Lahrs Straßen wandeln, wird sich in vier Tagen zeigen. Von Jugendredakteurin Leonie Lieberam.

Am 31. Oktober, feiern wir Halloween. Wahrscheinlich werden wieder kleine, mal niedlich, mal gruselig verkleidete Kinder klingeln, "Süßes, sonst gibt’s Saures!" rufen und mit einem Riesenberg Schokolade, Bonbons und Gummibären zuhause ankommen. Manche Türen werden geöffnet, die Kinder werden für das Kostüm gelobt und sollen ein Sprüchlein aufsagen, andere Türen werden verschlossen gehalten, die Rollläden dieser Häuser werden unten sein. An den Eingängen werden gruselige Halloweenkürbisse stehen, deren Fratzen im Dunkeln gespenstisch leuchten, und Geschäfte werden mit dem Verkauf von Kostümen und Süßigkeiten viel Geld verdienen. Viele Leute sind diesem Brauch abgeneigt; sie denken, Halloween diene nur der Wirtschaft und sei eine Erfindung aus den USA, um die Kassen aufzufüllen. Doch der Geschichte Halloweens liegt viel mehr zu Grunde als das. Halloween geht zurück auf die Kelten, die vor 5000 Jahren in Irland, Schottland und Nordfrankreich lebten. Für sie endete das Jahr am 31. Oktober, denn dann ist der Sommer dort vorbei, die Ernte wurde eingefahren. Da es sich aber um den letzten Tag des Jahres handelte, waren sie sicher, dass ihre Vorfahren in Form von Geistern, durch ein Portal, welches nur an ebendiesem Tag geöffnet war, zu ihnen kamen. Ritus war es, Freudenfeuer zu entfachen und Opfergaben in Form von Früchten zu bringen, um die Vorfahren zu ehren. Mit der Eroberung Europas einige Tausend Jahre später durch die Römer, wurde das Fest respektvoll mit ihren Bräuchen kombiniert. So wurde der Göttin der Früchte, Pononas, am selben Tag Anerkennung gezollt. Der ursprüngliche Name des Festes "Samhain" blieb bis dahin erhalten. Im Mittelalter, als die christliche Kirche Europa dominierte, wurde der Name von Papst Bonifaz in Allerheiligen umgewandelt (All Hallows Eve,Halloween), dem Fest wurde der christliche Stempel aufgedrückt und es galt als Tag an dem, wie bei den Kelten, den Toten gedacht wurde. Darauf folgten Traditionen, die bis heute weiterentwickelt werden: Aus England stammten die ersten Umzüge, in denen an Allerheiligen um sogenannte "Soulcakes" gebettelt wurde. Diese Tradition entstand aus der Hungersnot und entwickelte sich soweit, dass es nicht nur Kinder und Arme taten, sondern auch höhere Schichten Gefallen daran fanden. Von den Heiden stammt der Brauch, sich an Halloween zu verkleiden – sie wollten von den Geistern nicht erkannt werden. Von dem Brauch den Kürbis auszuhöhlen gibt es mehrere Theorien. Eine ist jene des Iren "Jack der Teufel", (ausgehöhlter Kürbis auf Englisch Jack o’ Lantern) eines Trinkers, der den Teufel mit einem geschnitzten Kreuz solange auf einem Baum festhielt, bis dieser versprach, ihn nicht mehr in Versuchung zu führen. Allerdings wurde Jack bei seinem Tod weder in den Himmel gelassen, da er Geschäfte mit dem Teufel gemacht hatte, noch in die Hölle, da der Teufel ihn nicht bei sich haben wollte. Jedoch durfte Jack für immer in der Zwischenwelt leben, und einen ausgehöhlten Kürbis mit einer Kerze bei sich tragen. Hauptsächlich wurde Halloween mit all diesen Traditionen in Irland gefeiert. Als im 19. Jahrhundert die Iren nach Amerika kamen, wurde der Brauch dort überall verbreitet, und gelangte in den 1980er Jahren wieder zurück nach Mitteleuropa. Hier wird er bisweilen nicht so extrem wie in Amerika gefeiert. Zwar sehen viele nur den Kommerz, dennoch ist Halloween ein Fest, dass man auf viele Kulturen anwenden kann. Die Tradition hat sich innerhalb von Jahrtausenden und unter verschieden dominierenden Glaubensrichtungen weiterentwickeln können, und kann deshalb auch als Symbol von Toleranz gesehen werden.