"Die Kinder muss man immer etwas pushen"

Henry Bock, Klasse 4, Rappoltsteiner Grundschule

Von Henry Bock, Klasse 4, Rappoltsteiner Grundschule (Eschbach)

Fr, 27. März 2020

Zisch-Texte

ZISCH-INTERVIEW mit den beiden Perkussionisten Jochen Schorer und Friedemann Stert über ihre Karrieren, ihre Schüler und ihre Lieblingsmusik.

Zisch-Reporter Henry Bock aus der Klasse 4 der Rappoltsteiner Schule in Eschbach hat nach dem Konzert von "Kaiserstuhl Percussion" am 7. März die Musiker Friedemann Stert und Jochen Schorer interviewt. Stert unterrichtet unter anderem Schlagzeug an der Jugendmusikschule in Breisach und ist externer Fachexperte für Musikpädagogik an der Hochschule der Künste in Bern. Er ist Henrys Schlagzeuglehrer. Jochen Schorer ist seit 1999 Schlagzeuger beim SWR-Symphonieorchester und unterrichtet auch als Professor an der Hochschule der Künste in Bern.

Zisch: Wollten Sie schon immer Musiker werden, und warum?
Schorer: Ich war als Kind schon immer wahnsinnig gerne mit meinen Eltern in Konzerten und fand das ganz toll. Die Entscheidung für das Schlagzeug war früh getroffen, weil der Schlagzeuger immer der coolste Typ war.
Stert: Ich wollte schon immer Schlagzeuger werden, weil das von allen das vielseitigste Instrument ist.
Zisch: Müssen Sie viel verreisen?
Schorer: Ich muss viel verreisen, weil ich in Stuttgart mit dem Orchester probe und in Freiburg wohne. Ich unterrichte in der Schweiz. Ich verreise viel mit dem Orchester, es geht einmal im Jahr durch ganz Europa und manchmal auch nach Japan.
Stert: Früher bin ich viel verreist. Mittlerweile habe ich das nicht mehr so gerne und bleibe lieber hier in meiner Region. Für Ausnahmen bin ich aber gerne zu haben.
Zisch: Was war das spektakulärste Konzert und wo war das?
Schorer: Mein spektakulärstes Konzert, das mir am stärksten in Erinnerung geblieben ist, war als Jugendlicher in Madrid in der Kathedrale. Dort habe ich mit dem Landesjugendorchester vor 1500 Leuten gespielt. Als Profi erlebt man viele tolle Konzerte – aber beim ersten Mal so jung war das schon etwas Besonderes.
Stert: Eines der spektakulärsten Konzerte war mit Sicherheit heute!

Zisch: Hatten Sie schon mal einen peinlichen Moment im Konzert? Ging mal etwas ganz schief?
Schorer: Ja, ich habe einmal in Amsterdam mit dem Orchester im Concertgebouw gespielt. Da habe ich Gong gespielt, der auf einem hohen Ständer hing. Dann habe ich auf den Ständer gehauen und mein Gong fiel mitsamt dem Ständer um, mit einem wahnsinnigen Getöse. Die Musik war aber auch sehr laut und so ist es nicht so sehr aufgefallen. Ich habe nur ein paar Leute lachen sehen im Publikum. Das war schon peinlich.
"Der Gong fiel mitsamt

dem Ständer um –

das war schon peinlich"

Jochen Schorer
Stert: Ja, natürlich passiert das immer wieder mal. Daran muss man arbeiten und auch als Musiker immer üben. Es war auch heute so ein Moment dabei, das war nicht so schlimm, aber man ist selten zufrieden. Das ist aber normal für uns.
Zisch: Welche Musik spielen Sie am liebsten und welche hören Sie privat?
Schorer: Ich spiele sehr gerne romantische Komponisten, ganz neue Stücke und richtige Uraufführungen, die ich auch zum ersten Mal spiele, die es also vorher noch nie auf der Bühne gab. Ich höre am liebsten Klassik, weil ich das auch beruflich spiele, und ich höre gerne Jazz, weil ich ein leidenschaftlicher Jazzmusiker bin.
Stert: Ich spiele gerne das, was ich auch höre, und höre gerne, was ich spiele. Ich bin sehr breit aufgestellt, von klassischer Musik bis modern, Pop, Rock, Heavy Metal teilweise auch.
Zisch: Wie viel Unterricht geben Sie?
Schorer: Ich unterrichte in der Schweiz ungefähr 18 Stunden in der Woche und versuche, das an zwei Tagen zu schaffen.
Stert: Das hält sich in Grenzen im Moment. Nicht so viel, aber dafür ausgewählt.
Zisch: Unterrichten Sie auch Erwachsene?
Schorer: Ich unterrichte Studenten, das ist etwas Tolles. Früher habe ich auch Kinder unterrichtet, dafür habe ich jetzt keine Zeit mehr.
Stert: Ja, gerne sogar. Die Erwachsenen wollen das auch wirklich, während man die Kinder ein bisschen pushen muss.
Zisch: Würden Sie noch einmal genauso entscheiden, wenn sie als Kind oder Jugendlicher nochmal wählen könnten, was Sie werden wollen?
Schorer: Ja, ich würde noch einmal genauso entscheiden, weil der Musikerberuf so vielfältig ist. Wobei, ich wäre als Kind auch gerne Arzt geworden und denke manchmal, das wäre auch ein toller Job gewesen. Aber ich habe es nie bereut, dass ich Musiker geworden bin.
Stert: Wenn du mich heute fragst, nein ich würde wieder so entscheiden. Ich habe es nie bereut, Musiker zu sein. Einerseits angestellt zu sein und andererseits frei, das ist die beste Kombination.