Emissionsrechte

Die Klimaschutzziele werden verfehlt

Matthias Seelmann-Eggebert

Von Matthias Seelmann-Eggebert (Au)

Di, 08. September 2020

Leserbriefe

Zu: "Nur der Handel mit Emissionsrechten ist zielsicher", Gastbeitrag von Lüder Gerken (Politik, 22. August)
Wie ja schon in seinen bisherigen Gastbeiträgen erzählt uns Herr Gerken wieder einmal, der europäische Emissionshandel (für Verschmutzungsrechte) sei ein Allheilmittel für die Klimakrise. Dabei unterschlägt er allerdings, dass durch überschüssige und kostenlose Zertifikatszuteilung, Bezahlung von Strompreiskompensationen, Backloading und eine enorme Marktstabilitätsreserve das ursprüngliche Prinzip einer über marktwirtschaftliche Preisbildung regulierten Zielfindung irreversibel unterlaufen und stattdessen ein monströser, aber doch zahnloser Moloch mit ungeheurem bürokratischen Aufwand zur Erfassung, Ausgabe, Kontrolle und Entwertung der Zertifikate geschaffen wurde. Im Übrigen dürfte die Logik, erst grundsätzlich Verschmutzungsrechte einzuräumen, um dann damit Handel treiben zu können, dem ethischen Grundempfinden der meisten Bundesbürger zuwider laufen.

Offensichtlich ist jedenfalls: Wer unsere Welt durch Verschmutzung schädigt, muss für den Schaden aufkommen. Mit anderen Worten: CO2 benötigt einen Preis. Herr Gerken irrt, wenn er behauptet, der Preis spiele beim Emissionshandel keine Rolle. Im Gegenteil, er ist auch bei diesem Konzept die Schlüsselkomponente.

Allerdings, eine Sicherheit bietet der europäische Emissionshandel: Mit den bisher festgelegten jährlichen Einkürzungen (Cap) von 2,5 Prozent werden die Pariser Klimaschutzziele verfehlt – und das mit Pauken und Trompeten!
Matthias Seelmann-Eggebert, Au