Die Klinik hat kaum Chancen

Markus Baier

Von Markus Baier

Fr, 22. April 2022

Stühlingen

Kreistagsfraktionen haben wenig Hoffnung auf eine Rettung des Stühlinger Krankenhauses / Forderung nach klaren Informationen.

. Die drohende Schließung des Krankenhauses in Stühlingen brennt den Bürgern vor Ort, aber auch Pflegeheimen und Kommunalpolitikern im Kreis Waldshut immer stärker unter den Nägeln. Im Kreistag geben sich die Sprecher auf Nachfrage wenig Illusionen hin, dass die Klinik erhalten werden kann.

"Es ist immer ein schmerzliches Thema, sich mit der möglichen Schließung eines Krankenhauses zu befassen", konstatiert CDU-Fraktionssprecher Rolf Schmidt und erinnert an die Diskussion um die Schließung des Krankenhauses in Bad Säckingen. Im vorliegenden Fall Stühlingen sei es problematisch, dass noch viele Hintergründe unklar sind: "Wir kennen weder Details der Überlegungen des Klinikträgers GLKN, noch liegt ein Zeitplan vor", sagt Schmidt. Das Einzige, was es gebe, sei das Gutachten, das dem Krankenhaus Stühlingen keine guten Perspektiven bescheinige. Schmidt ist sich sicher, dass es nicht möglich sei, dauerhaft zwei Krankenhäuser im Kreis Waldshut zu erhalten, daher sei es auf jeden Fall sinnvoll, sich Gedanken über eine alternative Nutzung des Gebäudes zu machen.

Die Fraktion der Freien Wähler verfolge die Entwicklungen um das Krankenhaus in den vergangenen Monaten "mit zunehmender Sorge", erklärt Fraktionssprecher Michael Thater. Dass es aufgrund von bundespolitischen Vorgaben zunehmend schwieriger werde, kleine Krankenhäuser zu betreiben, sei längst bekannt. Auch Thater fehlen konkrete Infos. Landrat Martin Kistler habe zugesagt, die Fakten aus den vorliegenden Gutachten in Kürze zu präsentieren. "Unabhängig davon ist uns aber die medizinische Versorgung im Wutachtal genauso wichtig wie jene im gesamten Kreisgebiet – und hierbei wird der Landkreis Waldshut sicherlich noch eine Rolle spielen", betont Thater. Eine Anregung könnte sein, dass sich Stühlingen am Beispiel von Bad Säckingen orientiere und gemeinsam mit dem Landkreis ein am Bedarf der Region orientiertes Gesundheitsangebot zumindest mit dem Erhalt des bisherigen medizinischen Versorgungszentrums und des Notarztstandorts entwickelt.

"Wir stochern momentan noch ein Stück weit im luftleeren Raum", sagte Volker Jungmann, Fraktionssprecher der SPD. Das erschwere die Arbeit gewaltig – und das sei auch der Grund dafür, dass die SPD ihren Antrag auf eine Sondersitzung zum Thema Loretto-Krankenhaus vorerst wieder zurückgezogen habe. Grundsätzlich sei trotz des hohen Engagements der Mitarbeiter und der guten Arbeit, die dort geleistet werde, vermutlich schwer, ein Krankenhaus in dieser Form zu erhalten: "In dieser Hinsicht dürfen wir den Menschen auch keine falsche Hoffnung machen." Immerhin böten die Strukturen mit der Rettungswache vor Ort gute Voraussetzung für eine anderweitige Nutzung, so Jungmann weiter. Ein erweitertes MVZ wäre durchaus eine attraktive Option.

Das Krankenhaus Stühlingen sei in seiner jetzigen Form schwierig zu halten, fürchtet Grünen-Fraktionschefin Ruth Cremer-Ricken. "Der Weg muss von Anfang an mit Kraft in die Richtung einer guten Gesundheitsversorgung ohne Krankenhaus gehen." Der Verlust des Bad Säckinger Krankenhauses sei schmerzhaft "und nicht immer ehrlich" gewesen. Das habe dem Vertrauen in die Kreispolitik massiv geschadet. "Tricksereien und Versprechen, die nicht eingehalten werden, können und dürfen nicht sein", warnt Cremer-Ricken vor einer Wiederholung im Fall Stühlingen. In diesem Sinne sei zu erwarten, dass es nicht gelingen werde, das Krankenhaus in Stühlingen weiter zu betreiben. Eine Lösung könnte sich am Bad Säckinger Gesundheitscampus orientieren und ein gut besetztes MVZ sein, sagt Cremer-Ricken.

Es sei wichtig, dass das Gutachten unverzüglich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werde, fordert FDP-Fraktionschef Klaus Denzinger. Der Landkreis Konstanz als Träger müsse in die Verantwortung genommen werden. Zugleich könne sich der Kreis Waldshut auch nicht so einfach aus seiner gesetzlich vorgeschriebenen Pflichtaufgabe der Sicherstellung einer guten Krankenhausversorgung herauswinden, so Denzinger weiter. "Ein MVZ vor Ort könnte ein Lösungsansatz sein. Dazu müssen die beiden Kreise, die Kommunen und das Land in ein Boot, um eine zukunftsgerichtete Versorgung der Raumschaft sicherzustellen", sagt Denzinger.