Die Multitalente sind mehr denn je gefragt

Inga Dreyer

Von Inga Dreyer (dpa)

Do, 06. Februar 2020

Kollektive

Fachkräfte im Gastgewerbe sind Allrounder / Die Nachfrage ist groß / Bei den Arbeitszeiten müssen Kompromisse eingegangen werden.

Küche, Ausschank, Zimmerreinigung: Fachkräfte im Gastgewerbe sind Multitalente in Hotellerie und Gastronomie. Nachwuchs ist gesucht. Die Arbeitsbedingungen in der Branche sind aber nicht immer einfach: Einen Nine-to-five-Job darf niemand erwarten.

"Jeden Tag neue Menschen kennenlernen und unterschiedliche Sprachen sprechen: "Das macht mir Spaß", erzählt Ishaq Shabak Khel. Der 19-Jährige absolviert im Victor’s Residenz-Hotel München in Unterschleißheim eine zweijährige duale Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe.

Erst war er im Frühstücksbereich tätig, dann im Housekeeping und nun im Spätdienst. Die Arbeit im Restaurant gefalle ihm bisher am besten. "Zuerst begrüße ich die Gäste und frage, wo sie sitzen möchten. Ein paar Minuten später komme ich wieder vorbei und frage, ob sie etwas trinken möchten", erzählt er.

Die Ausbildungen zur Fachkraft im Gastgewerbe umfasst die Bereiche Service, Hauswirtschaft und Küche. Ob es um das Einchecken an der Rezeption, die Zimmerreinigung oder die Zubereitung von einfachen Speisen geht – die Aufgaben sind vielseitig.

"Das ist das größte Plus, das dieser Beruf mit sich bringt", erklärt Edwin Brader, Fachpraxislehrer am Oberstufenzentrum Gastgewerbe in Berlin. Viele Betriebe bilden inzwischen nur noch Hotelfachleute und Köche aus, erzählt er. Aber gerade in kleinen Familienbetrieben oder Cafés würden die Fachkräfte im Gastgewerbe wegen der flexiblen Einsatzmöglichkeiten geschätzt.

Die Ausbildung dauert zwei Jahre und ist für alle geeignet, denen eher die Praxis liegt. Ein bestimmter Schulabschluss ist rechtlich nicht vorgeschrieben. Auch für Interessenten, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, bietet die Branche Chancen. 2017 hatten laut Bundesinstitut für Berufsbildung mehr als ein Drittel der Ausbildungsanfänger im Bereich der Fachkraft im Gastgewerbe keine deutsche Staatsbürgerschaft.

Im Victor’s Residenz-Hotel München ist Ishaq Shabak Khel einer von zwei Auszubildenden, die anfangs noch nicht perfekt Deutsch sprachen. Vor fast fünf Jahren ist er als Flüchtling aus Afghanistan nach Deutschland gekommen, hat einen Sprachkurs absolviert und dann zwei Jahre eine Integrationsklasse an der Beruflichen Oberschule besucht.

"Am Anfang war es schwer, Deutsch zu lesen und zu schreiben", erzählt der Auszubildende, der inzwischen fließend Deutsch spricht. Sehr viel habe er durch die Kommunikation mit Gästen gelernt.

Diese Erfahrung hat auch Veronika Karyuk gemacht. "Ich glaube, im Hotel zu arbeiten, ist der beste Weg, schnell Deutsch zu lernen", sagt die 19-Jährige, die vor zwei Jahren aus Russland nach Deutschland gekommen ist und eine Ausbildung zur Hotelfachfrau im Leonardo-Hotel Berlin macht.

Ihre Ausbildung dauert ein Jahr länger als die zur Fachkraft im Gastgewerbe und umfasst zusätzliche Aufgabenbereiche im Hotelwesen. Dazu gehören beispielsweise die Planung von Arbeitsabläufen, der Einsatz von Personal, Buchhaltung und Marketingmaßnahmen. Veronika Karyuk möchte nach ihrer Ausbildung an der Rezeption arbeiten. Wer sich als Fachkraft im Gastgewerbe zum Hotelfachmann oder zur Hotelfachfrau weiterbilden möchte, kann ein drittes Ausbildungsjahr dranhängen.

In der Branche sind die Fachkräfte gefragt. "Der Markt ist in vielen Regionen ziemlich leer gefegt. Die meisten Unternehmen suchen wirklich händeringend nach Leuten in der Küche, aber auch im Service", sagt Sandra Warden, Geschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga).

Wer eine Ausbildung in Europa abgeschlossen habe, könne auf der ganzen Welt Arbeit finden, sagt Brader. Neben Englischkenntnissen sei vor allem Offenheit wichtig. "Man sollte sich trauen, mit Menschen zu kommunizieren."

Fachkräfte im Gastgewerbe können ein oder zwei Ausbildungsjahre in anderen gastronomischen Berufen anhängen und etwa Koch werden. Andere Weiterbildungen stehen ihnen ebenso offen. Dazu zählen Meisterlehrgänge, der Fachwirt im Gastgewerbe oder der Besuch einer Hotelfachschule.

Ishaq Shabak Khel möchte nach seiner Ausbildung im Beruf bleiben. Aber vorher muss er die Theorieprüfungen bestehen. "Mein Ziel ist es, einen guten Abschluss zu machen", betont er.