Autokauf-prämie

Die nächste Dreistigkeit wird sicher kommen

Christoph Lang-Jakob

Von Christoph Lang-Jakob (Freiburg)

Sa, 09. Mai 2020

Leserbriefe

Zu: "Noch keine Auto-Kaufanreize", Agenturbeitrag (Wirtschaft, 6. Mai)
Staatszuschuss für Automobilhersteller – allein dieses Verlangen ist schon eine Frechheit. Da wurde 2009 eine Abwrackprämie zugunsten unserer Not leidenden Automobilwirtschaft installiert, die den Staat satte 1,5 Milliarden Euro gekostet hat, nur damit Daimler-Benz im Folgejahr das zweitbeste Ergebnis aller Zeiten einfahren kann, nämlich einen Gewinn von 4,7 Milliarden Euro! Und kurz darauf dann der von der Autoindustrie verursachte Abgasskandal. Dessen Spätfolge: der Umweltbonus für E-Autos. Auch er wird den Steuerzahler weitere Milliarden kosten.

Jetzt das Verlangen der Autoindustrie nach einem "Corona-Zuschuss" des Staates. Wie dreist kann die Automobilindustrie eigentlich noch sein? Die Dividende von Daimler-Benz war 2019 mehr als dreifach so hoch wie 2001. Einen Zuschuss an Daimler wegen Corona zu zahlen, wäre nichts anderes, als die Gewinne der Aktionäre zu finanzieren. Es ist doch sehr verwunderlich, dass solch ein Begehren von der Politik überhaupt ernsthaft diskutiert wurde, statt umgekehrt einfach mal nach dem Beitrag der gewinnverwöhnten Autoindustrie in Corona-Zeiten zu fragen. Dass der Zuschuss jetzt – vorerst – abgelehnt wurde, ändert vermutlich wenig. Die nächste Dreistigkeit wird sicher nicht lange auf sich warten lassen. Christoph Lang-Jakob, Freiburg