Job-Start-Börse 2019

Die Pflege soll cool werden

Christoph Arens

Von Christoph Arens (kna)

Mo, 27. Mai 2019 um 12:53 Uhr

Anzeige In der Alten- und Krankenpflege arbeiten in Deutschland mehr als eine Million beschäftigte. Die "Konzertierte Aktion Pflege" hat jetzt Vorschläge vorgelegt, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Die Pflege soll cool werden, hieß es. Die
Katholische Nachrichtenagentur nennt wichtige Zahlen und Entwicklungen. Quellen sind die Pflegekassen und das Statistische Bundesamt.

Wie entwickelt sich die Zahl der Pflegebedürftigen?
Ende 2017 waren in Deutschland nach Angaben der Pflegekassen 3,41 Millionen Menschen pflegebedürftig.


Gibt es Trends zu mehr ambulanter oder stationärer Pflege?

Sowohl die ambulante als auch die stationäre Pflege verzeichnen Zuwächse, allerdings in unterschiedlichem Ausmaß. Die Anzahl der in Heimen vollstationär versorgten Pflegebedürftigen ist gegenüber 2015 unterdurchschnittlich um 4,5 Prozent oder 34 900 gestiegen. Die Zahl der durch ambulante Dienste betreuten Pflegebedürftigen stieg um 19,9 Prozent (etwa 138 000 Personen).

Diese Unternehmen stellen sich bei der Job-Start-Börse 2019 vor:



Die Anzahl der allein durch Angehörige Versorgten nahm um 27,5 Prozent (380 000 Personen) zu. Bei der Pflege zu Hause ergibt sich somit insgesamt ein Anstieg von zusammen 24,9 Prozent (518 000 Pflegebedürftige).


Wie viele Menschen arbeiten in der Pflege?

Die Zahlen gehen bisweilen durcheinander, weil Fach- und Hilfskräfte, Teilzeit- und Vollzeitstellen in den Statistiken unterschiedlich gezählt wurden. Laut Bundesanstalt für Arbeit waren 2016 rund 1,7 Millionen Pflegekräfte erwerbstätig, davon 1,1 Millionen in der Kranken- und 600 000 in der Altenpflege.

Laut Statistischem Bundesamt entsprachen die 1,7 Millionen Pflegekräfte 1,2 Millionen Vollzeitstellen (Krankenpflege 0,8 Millionen, Altenpflege 0,4 Millionen Vollzeitäquivalente).

Häufig ist vom Fachkräftemangel in der Pflege die Rede. Wie groß ist die Lücke?
Bundesweit seien mindestens 36 000 Stellen in der Alten- und Krankenpflege unbesetzt, teilte die Bundesregierung unter Berufung auf die Bundesagentur für Arbeit kürzlich mit. Manche Experten schätzen den Mangel größer ein: Der Deutsche Pflegerat und die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie erklärten, in den rund 2000 Krankenhäusern fehlten mindestens 50 000 Pflegefachpersonen. Nach einer Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung könnten im Jahr 2035 in den Pflege- und Gesundheitsberufen rund 270 000 Fachkräfte fehlen. Die Bertelsmann-Stiftung rechnet mit einer Lücke von 500 000 Vollzeitkräften.

Wie viel verdienen Pflegekräfte in Deutschland?
Nach einer Anfang 2018 veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung verdient eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft in der Altenpflege monatlich 2621 Euro brutto im Durchschnitt, bei den Altenpflegehelfern sind es 1870 Euro. In der Krankenpflege verdienen Fachkräfte mit 3239 Euro geringfügig mehr als die Beschäftigten mit 3133 Euro.

Was ist geplant?
Politik, Arbeitgeber und Pflegende fordern Maßnahmen, um die Pflegeberufe attraktiver zu machen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil setzen vor allem auf eine flächendeckende Tarifentlohnung und attraktivere Arbeitsbedingungen. Die Konzertierte Aktion Pflege fordert zudem Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Job sowie Investitionen in Software und Technik, um die Pflegenden von bürokratischen Aufgaben zu entlasten. Auch bei den Personaluntergrenzen tut sich etwas: Die Politik hat Termine gesetzt, bis zu denen Personalschlüssel in Heimen und Krankenhäusern definiert und eingeführt werden müssen.

Lassen sich auch mehr Berufseinsteiger anwerben?
Der Bundestag hat den Weg für die Reform der Pflegeausbildung frei gemacht. Durch die Zusammenlegung der Berufsbilder der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege soll die Ausbildung attraktiver werden. Auch sollen Auszubildende überall eine Vergütung erhalten und kein Schulgeld mehr zahlen müssen. Nach Schätzungen gibt es derzeit rund 6000 Ausbildungsplätze in der Kinderkrankenpflege und 130 000 in der Kranken- und Altenpflege.