Die Exoten in der Chefetage

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 16. Mai 2020

Beruf & Karriere

Anzeige Plattformexperten fehlen in Unternehmensleitungen.

Nur die wenigsten Geschäftsführer und Vorstände in Deutschland kennen sich wirklich gut mit digitalen Plattformen (Internetseiten, auf denen verschiedene Dienstleistungen angeboten werden) aus. Aber dennoch haben sie in der großen Mehrheit die Verantwortung für das Thema an sich gezogen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.

Nur etwa fünf Prozent der Verantwortlichen für ein Unternehmenbezeichnen sich selbst als Plattformexperten. Weitere 15 Prozent können zumindest gut erklären, was man unter der Plattformökonomie versteht. Rund jeder Zweite (49 Prozent) weiß aber nur ungefähr, was der Begriff bedeutet. Und jeder Vierte (27 Prozent) hat noch nie von digitalen Plattformen gehört.

Gleichzeitig ist in neun von zehn Unternehmen (87 Prozent) die Geschäftsführung oder der Vorstand hauptsächlich für digitale Plattformen verantwortlich, nur in jeweils fünf Prozent der Unternehmen wurde die Verantwortung auf eine mittlere Führungsebene wie einen Leiter Digitale Transformation oder auf die Mitarbeiterebene übertragen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung unter 502 Unternehmen ab 20 Mitarbeitern im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.

"Digitale Plattformen haben das Potenzial, praktisch jede Branche vollständig umzukrempeln. Wer heute Verantwortung für ein Unternehmen trägt, darf die Plattformökonomie nicht nur vom Hörensagen kennen, sondern muss in der Lage sein, fundierte Entscheidungen zu treffen", sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. "Die Chancen, die sich durch digitale Plattformen eröffnen, sind riesig. Wir haben in Deutschland und Europa eine Vielzahl von Unternehmen, die erfolgreich auf digitalen Plattformen unterwegs sind oder sie sogar aufgebaut haben."

Wenn es darum geht, sich nicht nur auf Entscheidungsebene, sondern operativ mit digitalen Plattformen zu beschäftigen, dominieren in Deutschland die Einzelkämpfer. In rund einem Drittel der Unternehmen (37 Prozent) ist ein einzelner Mitarbeiter neben anderen Aufgaben für Plattformfragen zuständig. In jedem fünften Unternehmen (20 Prozent) befasst sich ein einzelner Mitarbeiter ausschließlich mit Plattformen. Nur in 16 Prozent der Unternehmen sind mehrköpfige Teams für digitale Plattformen zuständig; in zwölf Prozent neben ihren anderen Aufgaben, in vier Prozent sogar ausschließlich. In jedem vierten deutschen Unternehmen (24 Prozent) kümmert sich allerdings überhaupt niemand auf operativer Ebene um digitale Plattformen. Berg: "Ein Unternehmen, in dem niemand digitale Plattformen im Blick hat, hat an entscheidenden Stellen Blindflecke. Kein Unternehmen darf digitale Plattformen einfach ignorieren."