Die Renaissance des Skilanglaufs

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

So, 24. Januar 2021

Skilanglauf

Tausende entdecken in Zeiten der Pandemie einen uralten Nordischen Sport für sich, Georg Zipfel nennt die Vorzüge.

Georg Zipfel hat es kommen sehen. "Ich habe dem Deutschen Ski-Verband und den Ski-Herstellern schon im Sommer gesagt, dass wir einen richtig starken Langlauf-Winter bekommen", erklärte er in der vergangenen Woche der Badischen Zeitung.

Zipfel, 67, ist so etwas wie das Gesicht dieses uralten Nordischen Sports im Schwarzwald. Er gewann in jungen Jahren als aktiver Athlet 18 deutsche Meisterschaften. In der Folge engagierte ihn der Deutsche Ski-Verband mehrmals als Bundestrainer. Später wurde er Sportlicher Leiter für den Skilanglauf in Deutschland und engagierte sich bis zu seiner Pensionierung für den Breitensport.

Skilanglauf beliebter machen: Das hat sich Zipfel zur Lebensaufgabe gemacht, und er freut sich sehr, dass sich seine Prophezeiung vom Sommer nun im Corona-Winter erfüllt. Im Schwarzwald fiel so viel Schnee wie seit Jahren nicht, sogar bis in die Rheinebene hinunter hat es vor einer Woche geschneit – so kräftig, dass spätestens in diesem Moment auch im Tal eine wahre Massenbewegung einsetzte. Praktisch jeder, der noch ein paar schmale Bretter im Keller stehen hatte, machte sich auf den Weg, um im klassischen Stil oder im Skating-Schritt pandemie-sicher mit ausreichend Abstand Sport im Freien zu treiben. "Du hast eine gleitende Bewegung, kannst den Rhythmus und das Tempo nach deinen Fähigkeiten dosieren", schwärmt Zipfel. "Vor allem aber bis du draußen in der freien Natur, bei Wind und Wetter, spürst die Elemente mit all deinen Sinnen und siehst viel Schönes, wenn du aufmerksam bist." Skilanglauf beziehe den ganzen Körper mit ein, sagt der Kirchzartener, man trainiere die Muskeln in den Armen, in den Beinen und im Rumpf. "Du lernst deinen Körper kennen, und hinterher fühlst du dich gut."

Zipfel ist ein wahrer Fanatiker, wenn es um seinen Sport geht. Noch heute reist er für den Internationalen Ski-Verband (FIS) in der Welt umher. Erst im vergangenen Winter flog er nach China, um den Skilanglauf dort vor den Olympischen Winterspielen des Jahres 2022 in Peking bekannter zu machen. Unermüdlich wirbt er für den Freizeit-, Breiten- und Gesundheitssport. Schon während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 schrieb er auf Facebook: "Leute, geht raus in die Natur, genießt es, stärkt Eure Abwehrkräfte."

Natürlich, sagt er, sei es wichtig, dass die Menschen alle Regeln einhalten. Abstand wahren, einander nicht gefährden, die Ansteckungsgefahr während der Pandemie auf Null senken – und darüber hinaus auch die Gebote der FIS für den Skilanglauf achten. Die zehn FIS-Regeln sind im Internet zum Beispiel auf der Seite http://www.wintersportschule.de nachzulesen. Für ihn war es schon von Kindheit an selbstverständlich, die Natur zu achten und die sensiblen Orte, zu denen Tiere sich im Winter im Schwarzwald zurückziehen, nicht zu stören.

Auch jetzt wirbt Zipfel dazu, möglichst auf gespurten Loipen und Pisten zu bleiben. So lange die Lifte nicht laufen, wünscht sich der 67-Jährige, dass die Gemeinden im Schwarzwald den Erholungssuchenden möglichst viele verschiedene Ziele anbieten – auch deshalb, damit sich der Ansturm gleichmäßig verteilt. "Am Feldberg etwa machen sie es vollkommen richtig", sagt er: "Dort werden enorm viele Langlaufstrecken gespurt, Wanderwege hergerichtet, Parkplätze freigeräumt." Zipfel hält wenig davon, ganze Berge einfach zu sperren. Besser sei es, den Zugang in die Erholungsgebiete klug zu regulieren. Sport an der frischen Luft sei gut für das Immunsystem, erinnert der Kirchzartener. "Es ist absolut wichtig, dass die Menschen jetzt in dieser schweren Zeit rausgehen dürfen."