Bezirksliga

Die Sehnsucht nach dem Re-Start ist groß, doch gibt es auch Bedenken

Matthias Konzok

Von Matthias Konzok

Mo, 08. März 2021 um 22:00 Uhr

Bezirksliga Hochrhein

Seit über vier Monaten stehen auch die Bezirksliga-Fußballer auf Standby. Zwar gibt es inzwischen eine Perspektive, doch sind bei den Clubs aus diversen Gründen auch Skepsis und Bedenken zu hören.

Am Samstag jährt es sich zum ersten Mal: Am 13. März 2020 sagte der Südbadische Fußballverband coronabedingt den kompletten Spieltag ab. Seitdem hat die Pandemie auch den Sportbetrieb im Griff, die statistischen Auswirkungen veranschaulicht Musa Musliu: "Das ist mein zweites Jahr als Trainer beim SV Herten und ich hab’ noch nicht mal 30 Spiele machen können." Genauer gesagt sind es 27 Partien – 49 hätten es bis jetzt sein sollen. Seit dem Lockdown im November blieben die Hertener via Online-Meetings in Kontakt, "aber wir haben die Spieler dann auch mal in Ruhe gelassen".

Mit der Verlängerung der Zwangspause war der "kleine Fitnessplan, den wir ihnen in die Hand gedrückt haben" hinfällig. "Vorletzte Woche haben wir wieder mit einem kleinen Programm angefangen", berichtet Musliu über Fitnessläufe, die über Tracking-Apps erfasst werden. Daraus habe sich schon ein interner Wettkampf entwickelt. Sollte es zum Re-Start kommen, muss Herten die Tabellenführung allen voran vor dem FC Erzingen verteidigen. "Es ist wichtig, dass es eine Wertung gibt", findet Musliu. In fast allen Ligen gebe es einen Überschuss, gerade in der mit 22 Teams gespickten Oberliga.

Efringens Coach Dennis Weiß befürchtet erhöhte Verletzungsgefahr

Ein Aspekt, den auch Dennis Weiß aufführt. "Ich verstehe den Verband", sagt der Coach des TuS Efringen-Kirchen, "nochmal eine Oberliga mit 22 Mannschaften will keiner." Doch hat er Bedenken angesichts der veranschlagten vierwöchigen Vorbereitung, "das ist nach fast einem halben Jahr viel zu kurz". Weiß befürchtet eine erhöhte Verletzungsgefahr, weshalb er das Trainingsprogramm für einen möglichen Re-Start unter der Prämisse sieht, "dass sich keiner verletzt". Ohne konkretes Ziel verzichtete der TuS bisher auf Übungspläne, nun aber werde alles wieder Fahrt aufnehmen.

Weiß persönlich hält das Modell mit einer Wertung nach der Vorrunde "und nach einer vier- bis fünfmonatigen Pause so gut wie gar nicht aussagekräftig". Als Tabellensechster gehe es für den TuS "eher um die Goldene Ananas", weshalb der Coach das Augenmerk auch schon auf die neue Saison legen würde.

Als Rangzehnter könnte es das Trainergespann Urs Keser und Sascha Dreher mit der SG FC Wehr-Brennet nicht derart entspannt angehen lassen, vier Zähler liegt der Aufsteiger über der Abstiegszone. Mit dem vorgesehenen Saisonmodell "können wir leben", sagt Keser, konträre Meinungen gebe es immer. "Grundsätzlich sollte man schauen, eine Wertung herbeizuführen. Wobei ich nicht so viel Hoffnung habe." Die Wehr-Brenneter halten regelmäßig Kontakt, "es gab mal drei Wochen, in denen Sascha und ich die Spieler komplett in Ruhe gelassen haben".

Seit zwei Wochen erhalten die Spieler wieder Vorgaben, "die Jungs sind eifrig dabei und müssen uns diverse Ergebnisse übermitteln". Das Ziel: möglichst fit ins Teamtraining einsteigen. "Wenn man nur vier Wochen hat, sollte es dort schon im fußballerischen Bereich weitergehen."

"Der entscheidende Faktor am Schluss wird sein, wer zum Zeitpunkt X am fittesten ist." Wallbach-Coach Thomas Scherzinger
Der Kondition misst Thomas Scherzinger, Trainer des FC Wallbach (14.), eine zentrale Bedeutung bei. "Der entscheidende Faktor am Schluss wird sein, wer zum Zeitpunkt X am fittesten ist. Im unteren Tabellendrittel wird die Mannschaft nicht absteigen, die am fittesten in die Vorbereitung startet." Der FCW nutzt eine Lauf-App, jeder Spieler "hat zumindest einige Kilometer pro Woche gemacht". Vier Wochen Vorbereitung hält Scherzinger, der nach dem berufsbedingten Ausstieg von Andreas Braunagel auf den Chefposten aufgerückt ist und im Sommer als Sportchef zum Landesligisten SV 08 Laufenburg zurückkehrt, indes als zu kurz angesetzt. Da "wir ein halbes Jahr nichts machen konnten", dies im Winter – da ist der Mensch ja ein wenig bewegungsscheuer als im Sommer. "Aber das schöne ist: Es haben alle die gleichen Voraussetzungen", sagt Scherzinger.

In den sechs ausstehenden Partien würde Wallbach dreimal auf Abstiegskonkurrenten treffen, "aber es sind eh alles Endspiele", sagt der FCW-Coach. Das finale Duell würde beim FC Rot-Weiß Weilheim anstehen, der als Tabellenzwölfer derzeit jenen Platz belegt, der das rettende Ufer markiert. Das Trainerteam Michael Hagmann und Oliver Neff hält die RW-Mannschaft auf jeden Fall auf Trab. So mussten die Spieler beispielsweise einen Zehn-Kilometer-Lauf unter einer Stunde absolvieren, berichtet Hagmann.

Zwei Läufe pro Woche sind angesetzt, dazu eine virtuelle Einheit mit Athletiktrainerin Corinna Furlani, deren Crossfit-Training "kommt gut an", so Hagmann. Und aus den Laufeinheiten "haben wir eine kleine Challenge gemacht, wie viele Kilometer die Spieler gelaufen sind". So forderten die Coaches "als Mannschaft 200 Kilometer pro Woche zu bringen". Freilich geht es in erster Linie um die konditionellen Grundlagen für einen Wiedereinstieg in die Saison, doch will das Trainerduo in Zeiten des Lockdowns mit dem Programm mehr bezwecken: "Es geht allgemein darum, dass man sich ablenken kann und Abwechslung hat", betont Hagmann.

"Das Wichtige ist, dass das Team zusammenhält." BFC-Kapitän Mohamad Kassem
Für den Bosporus FC Friedlingen dient die Weilheimer Platzierung als Orientierung, denn bei einem Re-Start blieben dem noch sieglosen Schlusslicht acht Spiele, um sieben Zähler auf Rang zwölf und somit auf das rettende Ufer aufzuholen. Es sei schade, nicht mehr die Chance auf eine komplette Runde zu haben, doch die Ausgangslage "haben wir uns selbst zuzuschreiben", sagt BFC-Kapitän Mohamad Kassem.

"Das Wichtige ist, dass das Team zusammenhält", was auch bei Bosporus unabhängig der Spielklasse der Fall ist. Kassem zählt sich mit 32 Jahren zur älteren Spielerfraktion, er sei verletzungsanfällig, "wenn ich von null auf 100 anfange, wird es nicht einfach. Für mich sind vier Wochen Vorbereitung definitiv zu wenig", sagt er. Was die Sehnsucht nach dem Fußball indes nicht schmälert: "Wir sind heiß drauf, wie jeder andere auch."
Die Wintertransfers der Bezirksligisten

SV Buch
Zugänge: keine. Abgänge: keine.
TuS Efringen-Kirchen
Zugang: Ronald Parti (FC Auggen). Abgänge: keine.
FC Erzingen
Zugang: Angelo Armenio (SV 08 Laufenburg). Abgänge: keine.
Bosporus FC Friedlingen
Zugänge: keine. Abgänge: Servet Ay-Güven, Arjenit Gashi (beide TuS Lörrach-Stetten), Endrit Gashi (TuS Binzen).
SV Herten
Zugang: Denis Omerovic (FSV Rheinfelden). Abgänge: keine.
FC Hochrhein
Zugänge: keine. Abgänge: keine.
SV Jestetten
Zugänge: keine. Abgänge: keine.
FV Lörrach-Brombach II
Zugänge: keine. Abgang: Mykola Sheremet (FC Union Heilbronn).
SG Mettingen/Krenkingen
Zugänge: keine. Abgänge: keine.
FC Schlüchttal
Zugänge: keine. Abgänge: keine.
FC Schönau
Zugänge: keine. Abgang: Trainer Tim Behringer.
FC Tiengen
Zugang: Labinot Halili (SV 08 Laufenburg). Abgang: Lukas Peric (FC RW Weilheim).
VfB Waldshut
Zugang: Sandro D’Accurso (SV 08 Laufenburg). Abgänge: keine.
FC Wallbach
Zugänge: keine. Abgang: Sebastian Rupp (SV Blau-Weiß Murg).
SG FC Wehr-Brennet
Zugänge: keine. Abgang: Ersin Demircan (SV Blau-Weiß Murg).
FC Rot-Weiß Weilheim
Zugänge: Lucas Geng (Spvgg. Wutöschingen), Lukas Peric (FC Tiengen). Abgänge: keine.
FC Zell
Zugang: Lukas Gruschel (FV Lörrach-Brombach U 19). Abgänge: keine.