Unfehlbarkeit

Die Überschrift stimmt

Gerhard Ruisch

Von Gerhard Ruisch

Sa, 01. August 2020

Leserbriefe

Zu: "Kein Mensch ist unfehlbar", Interview von Johannes Adam mit Helmut Hoping (Kultur, 23. Juli)
Professor Hoping hat sicher recht mit seiner Feststellung, dass der Universalprimat, der den Papst zum höchsten Herrscher und Richter der Kirche macht, das folgenreichere der beiden Dogmen des Ersten Vatikanischen Konzils ist. Aber ich finde, mit dem anderen, das ihm Unfehlbarkeit in Glaubens- und Sittenfragen bei feierlichen Erklärungen zuspricht, macht er es sich zu einfach. Was spielt es schon für eine Rolle, ob der Papst "als Person" unfehlbar ist oder in der Ausübung seines Amtes? Das Problem liegt viel tiefer.

Nach christlicher Auffassung ist Gott größer als unsere Gedanken und Vorstellungen. Deshalb ist alles Reden von und über Gott unzulänglich. Wir können nur versuchen, uns mit Worten und Bildern vorsichtig an sie oder ihn anzunähern, immer in dem Bewusstsein, dass alle Gedanken, Worte und Bilder Gott nicht gerecht werden. "Wenn du es verstehst, ist es nicht Gott", hat Augustinus gesagt. Wie kann da ein Mensch beanspruchen, gültige und gar unfehlbare Aussagen über Gott und Glaubensfragen machen zu können? Und der ganzen Kirche vorzuschreiben, dass sie das zu glauben hat? Ich sehe darin nur Anmaßung. Die Überschrift stimmt: "Kein Mensch ist unfehlbar". Aber auch kein Lehramt. Gerhard Ruisch,altkatholischer Pfarrer, Freiburg