Mehrwertsteuer

Diese Behauptung ist falsch

Michael Pilgermayer

Von Michael Pilgermayer (Steinen)

Di, 21. Juli 2020

Leserbriefe

Zu: "Das ist eine dreiste Frechheit", Zuschrift von Hans-Peter Posavac (Forum, 14. Juli)
Im Leserbrief behauptet Herr Posavac, "Dienstleister und Handwerksbetriebe würden jetzt und am Jahresende dann noch einmal gezwungen, unter enormem Aufwand und ohne irgendeinen finanziellen Vorteil unnötige Zwischenrechnungen zu stellen, um der Mehrwertsteuerumstellung Rechnung zu tragen".

Diese Behauptung ist falsch und geeignet, den Leser vollends zu verwirren. Bevor man solche Behauptungen aufstellt, sollte man sich kundig machen. Richtig ist, dass es bei der Anwendung des Mehrwertsteuersatzes allein darauf ankommt, wann die Leistung erbracht wurde. Bei Dienstleistern und Handwerksbetrieben ist die Leistung regelmäßig dann erbracht, wenn sie fertig gestellt und abgenommen ist. Wurde sie vor dem 1. Juli fertig gestellt und abgenommen, sind 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig, wurde oder wird sie im Zeitraum 1. Juli bis 31. Dezember 2020 fertig gestellt und abgenommen, sind es 16 Prozent Mehrwertsteuer, danach (voraussichtlich) wieder 19 Prozent. Der jeweils "richtige" Steuersatz gilt dabei für den gesamten Rechnungsbetrag, unabhängig davon, ob schon Anzahlungen zu einem anderen Steuersatz geleistet wurden.

In seltenen Fällen können sogenannte Teilleistungen separat abgerechnet werden. Das sind die wenigsten Fälle – der Einbau etwa einer Solaranlage ist eben dann "geleistet", wenn sie insgesamt fertig gestellt und abgenommen ist und nicht, wenn per 30. Juni 2020 zwar der Kollektor auf dem Dach montiert wurde, Leitungen und Speicher aber erst danach eingebaut werden. Zwischenrechnungen sind also grundsätzlich nicht erforderlich – im Gegenteil, sie könnten als eine missbräuchliche Steuergestaltung zu Lasten des Finanzamts sogar zum Steuerbetrug taugen. Michael Pilgermayer, Steinen