Missbrauch durch Kirchenvertreter

Diese Kirche gibt ein schäbiges Bild ab

Winfried und Ursula Nötzel

Von Winfried und Ursula Nötzel (Offenburg)

Sa, 14. März 2020

Leserbriefe

Zu: "Eine richtige Entscheidung", Tagesspiegel von Sigrun Rehm (Politik, 6. März)
Die schändlichen Taten von kirchlichem Personal mit solchen von Mitarbeitern von Vereinen oder ähnlichem zu vergleichen, ignoriert den Anspruch an die Moral und – vor allem – die absolute Körper- und Sexualfeindlichkeit der katholischen Kirche, die gerade Kindern in der fernen und nahen Vergangenheit in sämtlichen Institutionen von Pfarrern und Nonnen geradezu eingebläut wurde.

Missbrauch – körperlich und seelisch – in diesem sinnenfeindlichen Umfeld ist deshalb besonders traumatisch, da die handelnden Personen im Umfeld als über allem stehend und als Honoratioren wahrgenommen wurden, die Beschuldigungen daher an Blasphemie grenzten und als besonders unglaubwürdig hingestellt wurden. Erst dies machte die perfekte Vertuschung möglich. Gerade die Pfarrer waren in Familien häufig unter anderem bei Kommunionfeiern anwesend – welch ein Albtraum für jedes missbrauchte Kind!

Aus diesen Gründen ist eine Entschädigung nach normalem Schmerzensgeldrecht nicht hinnehmbar und das unwürdige Gefeilsche der Bischöfe, die – das kann nicht oft genug erwähnt werden – nicht aus Kirchensteuergeldern, sondern von uns allen bezahlt werden, unerträglich. Diese an Grundbesitz und anderem Vermögen so reiche Kirche gibt unseres Erachtens ein schäbiges Bild ab und muss sich fragen lassen, wann die im eigenen Stammbuch stehenden Werte wie Demut, Armut, Gerechtigkeit und Nächstenliebe wieder gelten.

Winfried und Ursula Nötzel, Offenburg