Wandern für die Seele

Diese Tour auf dem Freiburger Schönberg belohnt mit erhabener Aussicht

Silke Kohlmann

Von Silke Kohlmann

So, 05. September 2021 um 06:30 Uhr

Reise

Nah am Zentrum und doch mitten in der Natur: Der Schönberg ist der perfekte Ort, um dem Trubel der Stadt zu entfliehen und zur Ruhe zu kommen. Die Schneeburg-Ruine ist nur eines seiner Highlights.

Unsere Wanderung beginnt im Freiburger Stadtteil St. Georgen. An der Ecke Innsbrucker Straße/Zwiegerackerweg biegen wir zunächst rechts ab. Schon nach wenigen Metern führt ein Wanderweg links in die Streuobstwiesen des Schönbergs hinein. Diesem folgen wir unter herrlich knorrigen Bäumen bergauf: Die Zweige hängen schwer von knackigen Birnen und kleinen Äpfeln, leuchtend lila Zwetschgen und knallgelben Mirabellen. Nicht nur wunderbare alte Obstsorten gedeihen hier, die Bäume bieten auch vielen Tieren ein Zuhause. Darum sind die Streuobstwiesen des Schönbergs als Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Wendehals, Neuntöter und Zaunammer finden in den alten Stämmen Nistplätze und Nahrung.

Auf einem Schotterweg geht es bergauf, ringsherum blühen Majoran und Steinklee

Wir wandern in weiten Bögen zwischen den Bäumen hindurch. Kühe weiden am Hang, dahinter breiten sich die Weinberge aus, im Hintergrund erkennen wir das Jesuitenschloss. Das herrschaftliche Anwesen beherbergte einst die Jesuiten, die an der Universität Freiburg lehrten, diente über die Jahrhunderte aber auch den Freiherren von Bollschweil und den Herren von Kageneck als Wohnsitz. Heute ist das Stiftungsweingut Freiburg mit Verkauf und Probierstube hier zu Hause.
Die Tour

Profil: Mittelschwere Wanderung mit einigen kräftigen Steigungen, 8,3 km, 340 Höhenmeter, etwa 3 Stunden, Rundweg. Beste Wanderzeit von April bis November.


Hin & Weg:

ÖPNV: Straßenbahnlinie 3 bis Innsbrucker Straße



Wanderkarte zum Download:
mehr.bz/wandernschoenberg
GPX-Daten zum Download: mehr.bz/fr-schoen


Einkehren:

Gasthaus Schönberghof: Unterer Schönberghof 1, 79285 Ebringen, Tel. (0 76 64) 72 22, www.gasthaus-schoenberghof.de

Wir erreichen bald den Waldrand, tauchen hinein ins Grün und gehen bergauf. An der Weggabelung halten wir uns zunächst rechts, dann wählen wir den oberen, steileren Weg. Wo wir auf einen breiteren Weg treffen, folgen wir ihm nach rechts. Nach etwa 400 Metern steigen wir links den Schotterweg bergauf. Er wird selten begangen, Majoran blüht lila auf dem Pfad, Steinklee mischt gelbe Farbtupfer darunter. Jetzt geht es steil durch den aufgeforsteten Wald hinauf.

Wir erreichen erneut einen breiteren Weg, dem wir nach rechts folgen. Schon sehen wir die Ruine der Schneeburg über uns. Jetzt säumen wieder Weiden unseren Weg, Kühe grasen hier und wir genießen einen wunderbaren Blick auf die Ruine.
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Bald erreichen wir das Gasthaus Schönberghof. Unter Schatten spendenden Kastanien lassen wir uns nieder, genießen die Aussicht und erfrischen uns mit einem kühlen Getränk von der Anstrengung des Aufstiegs. Wer möchte, kann hier auch ein deftiges Vesper bekommen. Wir sitzen so schön, dass es uns ein bisschen schwerfällt, erneut loszuziehen.

Ganz schön kräftezehrend, aber die Anstrengung wird belohnt

Nun aber wollen wir die Perspektive wechseln: nicht zur Ruine hinauf-, sondern von hier herunterschauen. Dazu wandern wir am Schönberghof vorbei und wählen dann den Weg, der rechts durch die Wiesen zur Schneeburg führt. Wir nähern uns ihr von Norden, zunächst auf einem wurzeldurchzogenen Pfad, später über steile steinerne Stufen. Ganz schön kräftezehrend, aber der stetige Blick auf die Ruine weckt neue Kräfte. Die Anstrengung wird bald belohnt durch eine großartige Aussicht.

Nach rechts öffnet sich der Blick über die ganze Stadt, links geben die durchbrochenen Mauern den Blick nach Ebringen und in die Weite des südlichen Rheintals frei. Ein erhabener Blick. Kein Wunder, dass sich die Herren von Hornberg im 13. Jahrhundert an dieser Stelle ihre Burg erbauten. Mächtige Mauern zeugen von dieser Zeit: Reste des Burgfrieds und eines Wohngebäudes sind erhalten. Wahrscheinlich wurde die Burg noch vor dem 16. Jahrhundert verlassen und verfiel.

Die Mauerreste dienen heute vielen Ausflüglern als Sitzgelegenheit, Fensteröffnungen in übrig gebliebenen Wänden rahmen die Sicht ins Tal wunderbar ein. Die Schneeburg ist ein beliebtes Ziel der Freiburger. Für eine kleine Wanderung, um den Tag ausklingen zu lassen und die Sonne hinter den Vogesen untergehen zu sehen.

Ein besonderer Pfad führt durch die ursprünglichsten Teile des Ebringer Waldes

Nach dieser kleinen Ruhepause mit Aussicht verlassen wir die Ruine wieder in Richtung des Gasthauses. Nun wollen wir die östliche Erhebung des Schönbergs in Angriff nehmen. Dazu wählen wir an der Weggabelung vor dem Gasthaus den NatURWALDpfad zum Hedwigsbrunnen. Der Pfad führt durch die ursprünglichsten Teile des Ebringer Waldes, dorthin, wo absterbende und morsche Bäume als Lebensraum für Insekten und Vögel betrachtet und nicht abgeräumt werden. Wir folgen den Schildern mit dem stilisierten Hirschkäfer – er ist einer der Bewohner dieses "Urwalds". Der Pfad führt uns an einer Rinderweide entlang hinein in den Wald, dann schlingt er sich in Serpentinen unter dem Blätterdach bergauf.

An der Weggabelung Hedwigsbrunnen halten wir uns rechts und wandern zwischen Waldrand und Weide gen Süden. Ein traumhafter Blick begleitet uns: Nun liegt die Ruine der Schneeburg zu unseren Füßen, wir schauen über die westliche Anhöhe des Schönbergs hinunter in den Rheingraben, erkennen den Kaiserstuhl und dahinter – im Dunst – die Vogesen. Wir umrunden den Gipfel immer entlang des Waldrandes, treten dann an der östlichen Flanke des Schönbergs wieder in den wilden Wald hinein. Auf engen Pfaden, Stegen und Treppen führt uns der NatURWALDpfad durchs Dickicht. Äste, die der Wind von den Bäumen gerissen hat, liegen am Wegrand. Baumstämme und Steine sind von einer dicken Schicht Moos bedeckt, Vögel zwitschern im freundlichen Grün der Bäume.

Wo wir erneut auf den Hedwigsbrunnenweg treffen, biegen wir nach rechts ab. Am nächsten Abzweig wandern wir nach links, der Stadt entgegen. Wir sind im Wald unterwegs, erhaschen zwischen den kräftigen Buchen aber immer wieder einen Ausblick auf die Weideflächen im Westen. An der nächsten Möglichkeit biegen wir rechts ab, erreichen den Schönbergrandweg und folgen ihm nach links. Nun öffnet sich der Blick nach Osten, wo wir über das Hexental hinweg den Schauinsland mit seinem Aussichtsturm entdecken. Darunter drehen sich nimmermüde die Rotoren der Windräder auf der Holzschlägermatte. Unter uns liegt nun das Jesuitenschloss, dahinter breitet sich die Stadt aus.

Bald erreichen wir die Streuobstwiesen. Anstatt direkt an den Ausgangspunkt unserer Tour zurückzukehren, wenden wir uns noch einmal nach rechts, schlendern den schmalen Wiesenpfad nach Osten. Denn dort am Hang neben dem Weinberg und unter dem Jesuitenschloss steht eine Bank. Der perfekte Ort, um die Wanderung ausklingen zu lassen – mit einem prächtigen Blick über die Stadt und bis zum Kaiserstuhl.
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Die Wanderung ist ein Auszug aus: Silke Kohlmann: Wandern für die Seele in und um Freiburg, Droste Verlag, 192 Seiten, 16,99 Euro

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