"Dieses Jahr wird finanziell härter"

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Do, 21. Januar 2021

Bad Bellingen

BZ-NEUJAHRSFRAGEBOGEN von Carsten Vogelpohl über Lichtblicke und Einschnitte für Bad Bellingen in der Corona-Zeit.

(BZ). Normalerweise wäre jetzt die Hochsaison der Neujahrsempfänge, um einen Blick zurück und vor allem nach vorn zu werfen. Aber was ist schon normal zur Zeit, und so entfällt die traditionelle Standortbestimmung der Gemeindeoberhäupter. Mit einem Fragebogen gibt die BZ den Markgräfler Bürgermeistern die Gelegenheit, ihre Gedanken zum Jahresstart zu skizzieren – heute Carsten Vogelpohl, Bürgermeister in Bad Bellingen.

BZ: Ergänzen Sie bitte: 2020 war für Bad Bellingen ein Jahr, das...
Vogelpohl:... in Erinnerung bleiben wird. Beeindruckt haben mich die zahlreichen bürgerschaftlichen Aktionen wie Einkaufsservice oder Maskennähen, aber auch die kreativen Geschäftsideen, um der Krise zu trotzen, wie Essens-Abholservice, Online-Weinseminare oder coronagerechtes Familienpicknick im Landschaftsgarten Ettenbühl.

BZ: Was war für Sie mit Blick auf Ihre Gemeinde der schwierigste Moment 2020?
Vogelpohl: Am 15. März, noch vor dem offiziellen Lockdown, haben wir die Therme geschlossen. Angesichts rasant steigender Infektionszahlen war dieser Schritt unausweichlich. Damit war unser Kernangebot als Kurort direkt von der Pandemie betroffen. Der folgende Lockdown bedeutete nicht nur kurzfristig einen tiefen Einschnitt. Die langfristigen Folgen für den Gesundheits- und Tourismusstandort Bad Bellingen können wir noch nicht abschließend bewerten. Aber es ist wichtig, dass wir bereits jetzt in der Krise entschlossen an unserer Aufstellung für die Zukunft arbeiten.

BZ: Was war für Sie mit Blick auf Ihre Gemeinde der schönste Moment 2020?
Vogelpohl: Die Eröffnung der Märchenwelten rund ums Rathaus. Die vorweihnachtlich-märchenhaft geschmückte Rheinstraße brachte den Menschen ein Stück Normalität. Es war schön, abends Familien an den Motiven zu sehen, zum Teil mit dem Märchenbuch in der Hand. Eine schöne Zusammenarbeit der Ehrenamtlichen um Ilke Weisenseel, des Gewerbevereins "Bad Bellingen bewegt" und des Bauhofs. In den Ortsteilen haben weitere Freiwillige die Weihnachtsbrunnen geschmückt und buchstäblich Licht in diese dunkle Zeit gebracht.

BZ: Nennen Sie aus Ihrer Sicht die drei wichtigsten Aufgaben für 2021 in Bad Bellingen.
Vogelpohl: Kindergärten und Grundschule sobald wie möglich wieder öffnen, bis dahin Notbetrieb; die Therme hoffentlich im Frühjahr wieder öffnen und damit den gastronomischen und touristischen Betrieben nach dem harten Lockdown wieder ein einträgliches Geschäft ermöglichen.
"Die langfristigen Folgen

für den Ort können wir

noch nicht bewerten."

BZ: Welche Projekte könnten in diesem Jahr durch Corona ausgebremst werden?
Vogelpohl: Insgesamt sind wir finanziell solide aufgestellt. Verzögerungen wird es aber bei zukünftigen Projekten geben. Bei der Ortskernsanierung mit Rathaus und der Entwicklung der Therme konzentrieren wir uns in diesem Jahr auf Planungen. Das schont den Haushalt und zahlt sich langfristig aus.

BZ: Welche Projekte sollen auf alle Fälle angegangen werden, wo könnte sich möglicherweise sogar eine Beschleunigung ergeben?
Vogelpohl: Wir werden alle begonnenen Maßnahmen planmäßig fertigstellen. Im Fokus stehen die Sanierung der Halle Bamlach mit Kindergartenerweiterung sowie größere Investitionen ins Kanalsystem. Bei den jüngsten Ausschreibungen von Bauleistungen konnten wir kostengünstigere Ergebnisse erzielen, was uns die zeitnahe Realisierung erleichtert.

BZ: Wie groß sind Ihre Sorgen mit Blick auf die finanzielle Entwicklung in Bad Bellingen?
Vogelpohl: 2020 sind wir mit einem blauen Auge davongekommen. Wir haben in der Vergangenheit solide gewirtschaftet. Das hat uns die massive Unterstützung der Bade- und Kurverwaltung ermöglicht. Wichtig war aber auch die finanzielle Unterstützung von Bund und Land. Dieses Jahr wird finanziell härter.

BZ: Welche Erwartungen haben Sie an die Politik in Land und Bund, um den Bürgerinnen und Bürgern in Bad Bellingen helfen zu können?
Vogelpohl: Insbesondere für die Familien wünsche ich mir klare und nachvollziehbare Entscheidungen, um Kinderbetreuung und Beruf organisieren zu können. Für unsere zahlreichen Senioren-, Behinderten- und Gesundheitseinrichtungen wünsche ich mir eine erfolgreiche Impfkampagne. Zügige und ausreichende finanzielle Unterstützung für alle im Lockdown geschlossenen Betriebe. Um den Kurort nach dem harten Lockdown wieder zum Laufen zu kriegen und zukunftsfest zu machen, brauchen wir auch künftig finanzielle Zuwendungen von Bund und Land. Wir stehen vor großen Investitionen, um den Standort auch langfristig attraktiv zu halten.

BZ: Worauf freuen Sie sich im kommenden Jahr mit Blick auf Ihre Gemeinde?
Vogelpohl: Auf das Konzert des Musikvereins Bad Bellingen zum 101. Jubiläum. Das Jubiläumsjahr 2020 ist ausgefallen. Corona bedeutet einen schweren Einschnitt für die Vereine, die auf ihre gewohnten und finanziell wichtigen Aktivitäten verzichten mussten. Die meisten Veranstaltungen, die Bad Bellingen ausmachen, wie das Lichterfest oder die Winterlichter, mussten ausfallen. Ich hoffe, dass im Sommer zumindest das ein oder andere Konzert unter Corona-Bedingungen möglich sein wird.

BZ: Wenn Sie eine Neujahrsansprache halten würden – oder vielleicht tatsächlich über andere Kanäle publiziert haben – was wäre beziehungsweise ist der wichtigste Satz darin?
Vogelpohl: Gemeinsam werden wir 2021 zu einem guten Jahr machen.

BZ: Was erwarten Sie ganz persönlich vom Jahr 2021?
Vogelpohl: Wir sind dankbar, dass wir gut durch das vergangene Jahr gekommen sind. Ich hoffe, dass alle gesund bleiben, insbesondere unsere Eltern. Unseren Kindern wünsche ich, dass sie bald wieder ihren Alltag mit den Spielkameradinnen und -kameraden haben.

Carsten Vogelpohl, 48, ist seit 2018 Bürgermeister von Bad Bellingen
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