Dieter Bohlen räumt den Jurystuhl

dpa

Von dpa

Fr, 12. März 2021

APA

Der "Pop-Titan" mit den kessen Sprüchen hört als Juror der RTL-Castingshow "DSDS" auf.

Die Welt hat sich seit 2002 sehr verändert, eines aber war stets Gewissheit: Jahr für Jahr sitzt Dieter Bohlen in einem Sessel, um mit flotten Sprüchen über einen schief singenden Kandidaten von "Deutschland sucht den Superstar" zu richten. Seit fast 20 Jahren führt der Musikproduzent nunmehr die Jury der RTL-Castingshow an, mit der er im Grunde verschmolzen ist. "DSDS", das ist Bohlen und umgekehrt – dachte man. Doch nun steht fest: Noch im April ist damit Schluss. Eine Ära geht zu Ende.

Wie RTL am Donnerstag mitteilte, wird Bohlen nach der aktuellen Staffel keinen Jury-Platz mehr bei "DSDS" einnehmen. Sie endet am 3. April 2021. In der kommenden Ausgabe, die 2022 zu sehen sein wird, werde es erstmals eine komplett neu besetzte Jury geben, um auf die Suche nach talentierten Sängern zu gehen. Ähnliches gelte auch für die Show "Das Supertalent", in der Bohlen sein Urteil etwa über pfiffige Hunde abgab.

Der Sender habe sich so entschieden, um seine beiden Hitshows "grundlegend weiterzuentwickeln", "um frische Impulse zu setzen". Die Frage, ob der 67-Jährige in anderen Formaten zu sehen sein wird, blieb offen.

Die Show ist zwar nicht mehr der Straßenfeger, der sie nach einem phänomenalen Start 2002 gewesen ist, aber immer noch ein Pfeiler im Programm. Bohlen gehörte schon der ersten Jury an, ansonsten gab es ein munteres Kommen und Gehen bei "DSDS" – von Heino über Bill Kaulitz bis Xavier Naidoo oder H.P. Baxxter.

Bohlen prägte den Geist der Show, die bis heute davon lebt, dass wagemutige Möchtegern-Sänger mangelndes Talent durch Selbstüberschätzung zu kompensieren versuchen. Von Bohlen wurden sie dann mit boshaften Sprüchen ("Vielleicht kannst du versuchen, mit der Stimme den Leuten die Beine zu enthaaren") flugs wieder nach Hause geschickt. Wer am Ende doch übrig blieb und gewann, dem verhalf er in die Charts. Bohlen war Produzent der meisten "DSDS"-Gewinner. Er war nicht mehr Popstar wie zu Zeiten von "Modern Talking" – sondern "Pop-Titan". So wie Oliver Kahn (51), den man "Torwart-Titan" nannte.